„walimex pro“ – eine Alternative?

Zwei spezielle Vollformat-Objektive von  Foto-Walser (link s.u.) haben mich auf Grund der technischen Daten wie auch der Preise interessiert, ein lichtstarkes 14mm Superweitwinkel und ein handliches 500mm Spiegeltele, beide „made in Korea“ wie alle Objektive aus dieser walimex-Serie: 

 

  • 14mm 2.8 ED AS IF UMC EOS – Frontlinse ca. 80mm – fest eingebaute Streulichtblende mit Objektivdeckel – 596g mit EF Anschluss € 320.-
  • Bilddaten F2.8 f14mm 1/8sec ISO3.200 DxO

  • 500mm 6.3 – Filter 95mm – Frontdeckel – 735g mit T2 zu EF Adapter € 170.-
  • Bilddaten F6.3 f500mm 1/500sec ISO400 unbearbeitet

Nach meinen exzellenten Erfahrungen mit dem Canon EF 14mm 2.8 L war ich gespannt, ob ein Objektiv mit manuell einzustellender Arbeitsblende und Entfernung optisch im kritischen Superweitwinkelbereich einigermaßen mithalten kann.

  • Bilddaten 5DII F2.8 f14mm F19 1/45sec ISO100 DxO

Als Telebrennweite bevorzuge ich eher „unauffällige“ Zoome wie das EF 70-300 4.5-5.6 DO IS, das mit einer konzentrisch geschliffenen Diffraktions-Linse („Leuchtturmtechnik“) für eine sehr kurze und damit unauffällige Bauart zeichnet. Zudem habe ich ausgezeichnete Erfahrungen mit dem EF 100-400 L IS gesammelt. Die Spiegeltechnik ist im Telebereich als Alternative schon lange verbreitet und sorgt für ebenfalls kurze Bauweisen, Abblenden ist hier, wenn man dabei überhaupt von Blende sprechen kann, nur über (Grau-)Filter möglich.

Als Gehäuse kamen die Canon EOS 5D (500mm) und 5D Mark II mit 21 MPI (14mm) zum Einsatz. Beides sicher gut geeignete Kameras als Grundlage für jeden Vergleich. Insbesondere für die vorliegenden Objektiv-Kamera Kombinationen ist der weit nutzbare (und bei der MkII automatische) ISO-Bereich ein Vorteil.

Ausstattung und Handling

Das 14mm Superweitwinkel erinnert an altbekannte Objektivausführungen mit frontalem Ring für die manuelle Entfernungseinstellung und ist technisch als Innen-Fokusierung ausgelegt. Dahinter findet sich der Ring für die Blendenwahl von 2.8-22, mit Zwischenwerten bis 16. Das walimex Superweitwinkel liegt ausgesprochen gut in der Hand, die sich von selbst nach vorn an der fest eingebauten Streulichtblende orientiert. Das Objektiv wird für Canon Bodies mit EF- (und je nach Wahl mit anderem firmenspezifischem) Bajonett sowie Front- und Rückdeckel und einem eher dünnen Transport-Beutelchen geliefert. Eingerastet ist der Sitz an der Kamera satt und fest.

Beim 500mm Spiegeltele ist zunächst Basteln angesagt, denn es wird mit einem sogenannten T2 Adapter – und dieser leider ohne Rückdeckel – ausgeliefert! Der Adapter wird auf das rückseitige metrische Gewinde des Teleobjektives aufgeschraubt und sollte dann nach dem Lösen von drei kleinen Schrauben so weit gedreht werden, dass die Entfernungsmarkierung mittig oben liegt. Dieser T2 zu EF Adapter hat etwas Rotationsspiel an der 5DII, was bei der manuellen Entfernungseinstellung zu hörbarem Klacken führt. Der Hersteller spart bei dieser Bauweise zwar firmenspezifische Bajonette am Objektivkörper, sollte m.E. aber auf bündige Adapter mit geeignetem Design achten, die auch ohne Stufe optisch zum Objektiv abschließen und zudem „satt“ passen.

Optische Ergebnisse

Ist die Entfernung bereits grob voreingestellt, vermisst man beim Blick durch den Sucher der Kamera für die Feineinstellung den Schnittbildentfernungsmesser aus alten Zeiten. Anders als beim Superweitwinkel ist beim Spiegeltele punktgenaue Entfernungseinstellung ein unverzichtbares Thema, hier hilft der moderne Live-View mit Bildvergrößerung („Tele-Lupe“). Genau darin liegt auch der Bauart bedingte Hauptunterschied zu modernen Autofokusobjektiven: Schnelle Serienbilder mit präzise nachgeführtem Autofokus gibt es nicht, einzelne >slowfotos< sind angesagt!

Die Naheinstellgrenze des Superweitwinkels beträgt 28cm, die des Spiegelteles nur 2m, was formatfüllend kleinsten Objektgrößen von 8x12cm entspricht.

Zur Belichtung: Ich bevorzuge bei den Canon EF Objektiven gerne eine halbe Blende Unterbelichtung für sattere Farben. Die beiden walimex pro Objektive führen mit unkorrigierten Belichtungswerten für meinen Geschmack zum gewünschten Ergebnis. Die Farbwiedergabe ist mit meinen bewährten Voreinstellungen (s.a. https://slowfoto.wordpress.com/category/s-l-o-w-f-o-t-o-einstellungstipps/ ) untadelig.

Zur Leistung

  • 14mm: Die Bildqualität ist bei offener Blende und 1/30sec Belichtungszeit aus der Hand gut, auch bei geringem vorhandenem Licht mit Hilfe der ISO-Automatik. Nachträgliche Korrekturen mit Entwicklungs-Software wie z.B. DxO sind bei weiten Winkeln oft vonnöten. Mit fixen Einstellungen für Blende, Entfernung und Zeit lässt sich auf diese Weise recht schnell fotografieren. Eine ideale Verwendung dieses manuellen Objektivs findet sich beim Videografieren, sei es aus der Hand oder vom Stativ, vor allem wegen des weiten Winkels und der damit verbundenen Schärfentiefe, Festbrennweiten sind dabei gegenüber Zoomen für dSLR von Vorteil. In geschlossenen Räumen spielt diese kurze Brennweite ihre besonderen Vorteile aus: Hier zählt jeder Millimeter, allerdings sollte die Ausrichtung der Kamera wie bei jedem Super-Weitwinkel überlegt und sorgfältig erfolgen, um zu intensiv stürzende Linien zu vermeiden oder nahe Objektdetails un- oder beabsichtigt besonders zu betonen.    
  • 500mm: Länger als mit 1/500sec Belichtungszeit geht mit Vollformaten nichts aus der Hand, und das auch nur im weiter entfernten Bereich. Aufgelegt oder mit (notfalls auch Einbein-) Stativ sind auch bei 1/250sec Nahaufnahmen möglich. Gerade hier hilft die Tele-Lupe des Live-View um die Schärfenebene exakt zu legen. Es ist müßig, bei einem Spiegelobjektiv über Blendenwerte zu sprechen – mit modernen dSLR-Kamera kann fehlendes Licht bis zu einem gewissen Grade über höhere ISO-Empfindlichkeiten ausgeglichen werden. Alternativ lässt sich natürlich auch das [M] Programm mit allen manuellen Einstellungen nutzen.

Fazit

Wer seine Aufnahmen regelmäßig bei gutem Licht erstellt und/oder einen rauscharmen Sensor nutzt, hat mit dem walimex pro 14mm 2.8 ED AS IF UMC ein manuelles Vollformat Superweitwinkelobjektiv zu einem Preis, der gebrauchten Originalobjektiven oder Zoomen etablierter Hersteller nahekommt, wenn man von neuen, speziell nur für den Crop-Sensor gerechneten Objektiven absieht.

Das sehr kostengünstige walimex pro 500mm 6.3 Spiegel-Teleobjektiv ist auf Grund der aktuellen, schnittbildlosen Mattscheiben, vor allem Liebhabern dieser optischen Variante in der Verwendung auf einem Stativ und in Verbindung mit dem Live-View zu empfehlen.

Dazu mehr unter https://slowfoto.wordpress.com/2011/01/27/wie-wichtig-ist-der-autofokus/

(c) www.slowfoto.de

WALIMEX pro

http://www.foto-walser.biz/shop/Kategorie/0/Startseite.htm

4 Gedanken zu „„walimex pro“ – eine Alternative?

    1. Danke Andreas für den Hinweis, für die 10-1000-7D trifft das zu, aber nicht für die Vollformaten, und mit den original Canon E Gitternetz screens bin ich top zufrieden – bG pp

      1. ok, aber für die 5DMkII gibt es so etwas auch, hatte mich mit den netten Herren von Zeiss darüber unterhalten.
        http://www.focusingscreen.com/product_info.php?products_id=761
        Vorteil von Zeiss ist natürlich die elektronische Ansteuerung mit der Camera …. aber vielleicht könnte man auf die Walimex / Samyang Objektive einen AF Confirm Chip aufkleben, der dann die AF Punkte im Sucher aufblitzen lässt, bei korrekt eingestellter Schärfe 😉
        Grüße
        Andreas

  1. Andreas, auch wenn diese neue Adresse rund 30 Dollar günstiger ist… für das Superweitwinkel ist die Entfernungseinstellung eh´ easy, beim Supertele muss man halt etwas genauer hinschauen 🙂 G pp

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