Wie wichtig ist der Autofokus?

Zwei manuelle Walimex pro Vollformat-Brennweiten – 2.8 14mm und 6.3 500mm – in Verbindung mit der Live-Vorschau der Canon EOS 5D MK II – wie wichtig ist hierbei der Autofokus?

Diese Frage ist für manuelle Objektive ohne Autofokus/mit Arbeitsblende fast ketzerisch gestellt: Hier geht es einmal um superweite Winkel, wie auch bei Kompakten mit Zoomen ab 6mm Brennweiten, allerdings bei vollem Sensor-Format 24x36mm und einer ab 28cm innenfokusierenden, lichtstarken 2.8er Festbrennweite von 14mm, zum anderen um ein Spiegelobjektiv mit konstruktionsbedingt kurzer Bauart sowie fixer Lichtstärke 6.3 und 500mm Brennweite, verwendbar ab 2m Nahdistanz. 

http://www.foto-walser.biz/shop/Kategorie/83/Objektiv_fuer_AF_Kamera.htm

Sind diese eher historisch anmutenden Gläser einfach zu händeln und treffsicher an einer aktuellen digitalen SLR einzusetzen, wo liegen die Nachteile und Vorzüge? Der Bericht versucht, die möglichen Einsatzbereiche für Einzel- und Videoaufnahmen exemplarisch aufzuzeigen, ohne den Anwender in der vermeintlich unbeschwerten Situation zu wiegen, die [Auto]matik denkt und der Fotograf kümmert sich nur um den Klick – denn Slowfotos sind wieder angesagt!

Videoaufnahmen mit der 5DII sind insofern anders als mit der >richtigen< Cam, weil der Autofokus lieber ruhen als durch suchendes Pumpen den Clip während der Aufnahme verschlimmbessern sollte. Für längere Brennweiten sind eher statische, für bewegte Objekte hingegen kurze Abstände und Brennweiten sinnvoll. Lässt sich im 100% live view die Belichtung per Simulation auf dem rückseitigen Kameramonitor wie bei der Kompakten recht gut beurteilen, so ist dies für die korrekte Schärfe im Gegensatz zum Blick durch den >nur< 98% darstellenden SLR-Sucher nicht möglich.

Abhilfe schafft hier die 5- oder 10-fache Lupenfunktion der Livevorschau, vor allem bei modernen Objektiven in Verbindung mit der [AF-on] Messwertspeicherung, so wie auch die Sternchentaste [*] für die korrekte Belichtung mit allen Objektiven und bei Arbeitsblenden verwendet werden kann.

Nochmals zur Fokusierung: Früher wurde mit externem Entfernungsmesser per Hand gemessen und auf den entsprechenden Einstellring am Objektiv übertragen. Dieses Vorgehen ist auch heute noch sinnvoll, wenn wie bei den vorliegenden manuellen Objektiven kein oder wie bei manchen Kameras ein nicht auf den Punkt einstellbarer AF vorhanden ist.

Der DOFMaster (Depth of Field Calculator) lässt online Aussagen über die zu erwartende Schärfentiefen als Tabellen zu, bei denen von der Kameraauswahl über die Brennweite, Blende und Objektentfernung die Entfernung vor dem Objekt bis zum Ende der scharfen Wiedergabe angezeigt wird: 

http://www.dofmaster.com/dofjs.html

http://de.wikipedia.org/wiki/Hyperfokale_Distanz

DOFMaster zeigt für die 5DII bei f14mm und F2.8 eine hyperfokale Distanz von 2,32m bei an diesem Objektiv gut einstellbaren 3m Entfernung zum Objekt, das bedeutet in der Anwendung tiefe Schärfe ab 1,31m bis unendlich. Bei Blende 4 reduziert sich der Mindestabstand auf 1,06m, für Blende 8 sind es dann nur noch 0,64m. Als Gegenbeispiel für f500mm und F6.4 hingegen ergeben sich gerademal 2cm Schärfentiefe bei 3m Distanz, bei 30m sind es bereits 1,35m und zwar von 29,3 bis 30,7m, bei 300m schon 144,4m, allerdings von 244 bis 388m! Da bei den Teleaufnahmen die Schärfe des Motives oft ebenso wichtig wie die Freistellung gegenüber dem Hintergrund ist, haben offene Blenden und korrekte Fokusierung hier meist den Vorrang.

Ist die lange Telebrennweite sehr gut zum Freistellen geeignet, kann ein 14mm Superweitwinkel zum Fixfokusobjektiv im ganz positiven Sinne werden. Eigene Tests erbrachten die visuelle Verlässlichkeitauf diese Werte, im Grunde nichts anderes als zu Zeiten, in denen der Schärfentiefenbereich in Abhängigkeit vom Blendenwert noch auf dem Objektiv graviert war. Heute stelle ich zur Blende noch die gewünschte Belichtungszeit ein und überlasse der [ISO- A]utomatik das Denken hinsichtlich des vorhandenen Lichts: Beim WW-Bildbeispiel die Entfernung 3m und Blende 5.6 am Objektiv, an der Kamera [TV] mit 1/125sec situationsgerecht, also je nach Bedarf und zusätzlich mit der ISO-Automatik.

Der Bildvergleich zeigt vom identischen Standort und Fokuspunkt die Teleaufnahme (oben) und die Weitwinkel (unten), es wurde ein Stativ verwendet, beide Aufnahmen sind unbearbeitet außer verkleinert.  

Für die Bild- oder Videoaufnahmen mit der Livevorschau gilt entsprechendes, wobei hier noch je nach Belichtungsverhältnissen eine AE-Speicherung mit gehaltener Sternchentaste lichtmäßige >Ruhe< ins Bild bringt. Bleibt zu sagen, dass sich für Videoaufnahmen ein Stativ und langsame Kamerabewegungen ebenfalls vorteilhaft auswirken…

Fazit: Wer ein Herz für >alte< Kostbarkeiten oder aktuelle manuelle Objektive und etwas Zeit für die Einrichtung einer Aufnahme hat, kann mit der modernen digitalen Spiegelreflex durchaus reizvolle Aufnahmen erstellen, auch wenn die Automatik anders eingesetzt wird als vom Hersteller gedacht und die Live-Vorschau den Autofokus für die statische Einzelaufnahme oder den weitwinkligen Videoclip ersetzt.

Ebenfalls zu diesen Objektiven https://slowfoto.wordpress.com/2010/12/14/walimex-pro-eine-alternative/ 

(c) www.slowfoto.de

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