Panoramen leicht gemacht mit einer 360 Grad Panoramaplatte

etwas mehr als 360 Grad

NOVOFLEX Präzisionstechnik in Memmingen ist Fotografen als Lieferant von unterschiedlichstem Zubehör bekannt, das aus den Regalen der Feinmechanik stammt, für die viele Werkstätten aus dem süddeutschen Bereich bekannt und berühmt sind. Vom Adapter über das Balgengerät, die Einstellschlitten, Haltesysteme, Klemmen, Kugelköpfe und Kupplungen bietet Novoflex Lösungen in High-End-Ausführung, hier ist es die Universal-Panoramaplatte (€ 109.-), die auf das Stativ und unter den Kamerabody montiert exakte Zuordnungen von Winkelgraden bei waagrechter Ausrichtung ermöglicht:

http://www.novoflex.com/de/produkte/panoramafotografie 
/panoramaplatten/

Insbesondere 360 Grad Panoramen gelingen wesentlich einfacher, wenn bestimmte Parameter eingehalten werden:

1) Definierte Festbrennweite-n für geringste Objektivfehler, Zoome nur mit postproduktiver Nachentwicklung (z.B. DxO) hinsichtlich optischer Fehler und Vignettierung (s.a. link unten)

2) ISO 100, ausreichende Blende >5.6 und entsprechende Belichtungszeit, also gutes Licht für identische Aufnahmeparameter im [M]anuellen Programm auch für WB und Belichtung

3) Stativ mit Wasserwaage und Drehteller, wobei die Sensorebene idealerweise im Mittelpunkt liegen sollte

Lässt der Fotograf auch nur einen Punkt aus, dann ist viel Nacharbeit oder manchmal auch kein Erfolg angesagt, wie ich es als lausiger Nutzer eines Stativs selbst oft erlebt habe. Digitale Kompakte bieten oft ein Panorama-Programm im Menue, wobei durch 1/3 Überdeckung und fixierte Blende/Zeit/WB Werte das Vorgehen erleichtert wird. Sinnvollerweise ist als Messaufnahme die hellste Motivpartie im Panorama zu werten, auch wenn es sich dabei nicht um die erste Aufnahme von ganz links handelt!

Für die digitale SLR kann die Panoramaplatte eine wertvolle Hilfe bieten. Schon bei der ersten Verwendung fällt der satte Lauf der blauen Panoramaplatte mit der Gradeinteilung auf, wie sie für die Entfernungseinstellung alter >schwerer< Objektive üblich war, gleiches gilt für die blaue Schraube, mit der die Friktion bis zum Stillstand zu regeln ist, feinste Mechanik für die Ewigkeit halt…

Von Vorteil ist die Kenntnis der horizontalen oder waagrechten Winkelgrade der verwendeten Optik, wobei ein Abzug für etwas Überdeckung wie vor nötig ist. Als Faustregel gilt für folgende vollformatige Brennweiten und 360 Grad Panoramen zusätzlich zur ersten Messaufnahme für die manuellen Einstellungen für Vollformat (VF):

f15mm – Bildwinkel in Grad horizontal 74 vertikal 53 – benötigte Aufnahmen für 360 Grad Panorama ca. 5-6 bei Querformat und  8 bei Hochformat nur für den Crop Sensor

f20mm – Bildwinkel in Grad horizontal 84 vertikal 62 – benötigte Aufnahmen für 360 Grad Panorama ca. 5 bei Querformat und 10 bei Hochformat wie alle folgenden für VF

f35mm – Bildwinkel in Grad horizontal 54 vertikal 38 – benötigte Aufnahmen für 360 Grad Panorama ca. 7-8 bei Querformat und  11 bei Hochformat

f50mm – Bildwinkel in Grad horizontal 40 vertikal 27 – benötigte Aufnahmen für 360 Grad Panorama ca. 10 bei Querformat und 1 5 bei Hochformat

f85mm – Bildwinkel in Grad horizontal 24 vertikal 16 – benötigte Aufnahmen für 360 Grad Panorama ca. 16 bei Querformat und  24 bei Hochformat

f135mm – Bildwinkel in Grad horizontal 15 vertikal 10 – benötigte Aufnahmen für 360 Grad Panorama ca. 35 bei Querformat und  39 bei Hochformat

f300mm – Bildwinkel in Grad horizontal 6,5 vertikal 4,4 – benötigte Aufnahmen für 360 Grad Panorama ca. 58 bei Querformat und  88 bei Hochformat

Die Anzahl der benötigten Aufnahmen hängt von der jeweils gewünschten Deckung der Bildanteile ab.  Für Panoramen mit sehr nahen Objektanteilen lässt sich die geeignete Brennweite nicht immer aus der Tabelle ablesen, ein kleiner Raum mit viel Mobiliar in Nähe zum Drehpunkt verträgt sich in der Abbildung nicht mit sehr großen Bildwinkeln, für hohe Objekte hingegen sind Hochformataufnahmen trotz höherer Bildzahl eine interessante Alternative, gerade auch wegen der kleineren Bildwinkel. Für Vollformat gilt ein mäßig weiter Winkel im Handling als einfacher, wobei sich kürzere Brennweiten im Hochformat (z.B. f24mm für kürzere Abstände) und etwas längere (z.B. f35mm für weitere Distanzen) im Querformat anbieten, die Anzahl benötigter Aufnahmen beträgt damit jeweils um 10. Es soll noch erwähnt sein, dass kürzere Brennweiten nahe Objekte betonen und solche in größerer Entfernung kleiner darstellen, ein Blick durch den Sucher oder der aktuelle Live-View gibt die Situation wieder.

Die vorstehende Aufnahme als 360 Grad Panorama entstand im April 2011 um 14 Uhr Sommerzeit, erkennbar an der Sonneneinstrahlung, mithin eine meiner präferierten Aufnahmesituationen. Als Kamera kam die Canon EOS 5DII, als Objektiv das alte EF 3.5-4.5  20-35mm  zum Einsatz, die Bilddaten sind ISO 100, f20mm im Hochformat, F11 bei einer 1/250sec im [M] Programm, die Messaufnahme war auf das Rathaus im linken Bildbereich. Canon PhotoStitch verarbeitet im Vollformat mit minimalen Brennweiten bis 20mm, im Cropformat bis 15mm! 10 unbearbeitete Originale wurden zu einem 21MB Panorama mit 21.479×4942 Pixel gestitcht und für die Wiedergabe hier auf 6.500×1.500 und 500KB reduziert. Diese Panos stellen die erreichbare Grenze an weiten Winkeln dar und sind dem Anfänger nicht zu empfehlen.

Fazit: Wer an Panoramen Freude empfindet und damit arbeiten möchte, versucht zunächst sein Glück mit einer digitalen Kompakten und der entsprechenden Einstellung im Programm-Menue. Der dSLR Anwender verknüpft zunächst 2 oder 3 (Hochformat) Aufnahmen, bis das Stitchprogramm ohne große manuelle Eingriffe passable Ergebnisse liefert. Auch hier gilt, dass zunächst etwas mehr an Brennweite deutlich weniger an Problemen birgt, man muss ja nicht gleich mit 14mm im Vollformat arbeiten. Canons PhotoStitch ist für mich eine respektable Software, da sogar die Brennweite des verwendeten EF-Objektivs berücksichtigt wird. Die hohe Schule der 360 Grad Panoramen bedarf verschiedener obligater Grundeinstellungen an der Kamera und eines Stativs, vorzugsweise mit einer Panoramaplatte mit Libelle wie der hier besprochenen, auch unter bewußter Missachtung des präzisen Nodalpunktes. Nebenbei, die Panoramaplatte eignet sich vorzüglich auch für völlig ruckfreie horizontale Schwenks beim Filmen…

180 Grad mit nahem Objekt

Bisher zum Thema erschienen:

https://slowfoto.wordpress.com/2010/09/08/bildbearbeitung-nach-der-kamera/

https://slowfoto.wordpress.com/2010/10/16/panoramen-%e2%80%93-leicht-gemacht/

https://slowfoto.wordpress.com/2010/09/07/reisefotografie-richtig-auswahlen-fotografieren-und-prasentieren/

…wird fortgesetzt!

(c)www.slowfoto.de

2 Gedanken zu „Panoramen leicht gemacht mit einer 360 Grad Panoramaplatte

  1. …ein interessanter Einblick in die Panoramafotografie. Danke fürs Einstellen!

    Bei der „gestitchten“ vom Marktplatz kann man an einigen Stellen sehen, dass die Aufnahme „gestitcht“ wurde. WIe ist das wohl zu erklären? Hatte sich da doch etwas an den Belichtungsparametern gegenüber den anderen Aufnahmen geändert?

    Grüße
    Lutz

    1. Lutz, die einzelnen Hochformataufnahmen vom Alsfelder Marktplatz sind mit den benannten identischen Einstellungen aufgenommen und völlig unbearbeitet zusammengestitcht, sie zeigen eine für mich aussagemäßig interessante Lichtstimmung und gleichzeitig die Grenzen der fotografischen Wiedergabe solcher Situationen, über die man trefflich diskutieren kann. Ein Pano zu verschiedenen Tageszeiten und differierenden Standpunkten ginge über mein Zeitbudget weit hnaus, weshalb ich in meiner zwar von mir slowfoto genannten Art und Weise durchaus technische Unzulänglichkeiten toleriere, um einen Eindruck wie ein Sofortbild einfach nur festzuhalten. Auch die beiden anderen Panos beinhalten Verbiegungen der geometrischen Wirklichkeit, was dem Ausdruck nicht wirklich schadet. Du hast natürlich Recht, die Hochformat Aufnahme mit der krassen Sonneneinstrahlung fällt etwas raus, dafür ist die Zeichnung des Pflastern besonders prägnant 🙂 pp

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