Ein Appetizer für die Schwarz-Weiß-Fotografie

Digitale Infrarotfotografie im Zusammenspiel mit Photoshop & Co.

Um den einen oder anderen – wieder einmal – auf den Geschmack in Richtung Schwarz-Weiß-Fotografie zu bringen, habe ich diesen kleinen slowfoto-Beitrag geschrieben und garniert mit Bildern, die das Endprodukt meiner gestrigen kurzen Fotoexkursionen vor die Felder unseres Kleinstädtchens darstellen.

Fotografiert habe mit meiner Canon EOS 30D in Infrarot-Umbau als RAW-Dateien mit dem Kit-Objektiv 18-55 IS bei ISO 200 und stets Blende 11 im Av-Programm. Der Umbau wurde vor ca. 6 Monaten bei „Optic Makario“ in Mönchengladbach

(http://www.h-maccario.de/wordpress/)

durchgeführt. Ich hatte mich nach Literaturstudium und einigen Monaten „konventioneller“ digitaler Infrarotfotografie durch einen 850nm-Filter hindurch für den Umbau in eine sogenannte neu definierte Version mit eingebautem Longpassinfrarotfilter (830nm) entschieden. Der Firma und dem Umbau kann ich nur beste Empfehlungen aussprechen.

Nur kurz zu den Vorteilen eines solchen Umbaus gegenüber der Filterfotografie:

– Über den gesamten Brennweitenbereich arbeitet der Autofokus der Kamera mit den langwelligeren Infrarotstrahlen nach dem Umbau exakt, so dass nicht mehr manuell korrigiert werden muss, wie bei analogen Infrarotfotografie (für alle, die sich noch daran erinnern) und nicht umgebauten Digitalkameras (also durch Filter fotografiert).

– Weil kein dunkler Filter vor der Linse sitzt, ist das Sucherbild (bzw. der Live-View) bis zum Aufnahme hell sichtbar. Bei der Fotografie durch IR-Filter ist wegen der ausgefilterten sichtbaren Lichtwellenlängen kaum etwas zu sehen, was das Fokussieren erschwert und deswegen oft mehrere Probeaufnahmen nötig sind.

Weitere Informationen findet man bei  Interesse auf der o.a. Homepage von Optic-Makario und/oder auch z.B. in dem folgenden Buch, was ich auch sehr empfehlen kann:

http://www.amazon.de/Digitale-Infrarotfotografie-ProfiFoto-mitp-Profifoto/dp/3826690532/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1310293009&sr=8-1

Nachfolgend ein (komprimiertes) Bildbeispiel, wie ein Originalbild aussieht, dass mit einem ca. 830nm-Filter fotografiert wurde (egal, ob mit Filter vor der Linse oder nach Umbau vor dem dem Sensor).

Das ist natürlich nicht so, wie man die typischen Bilder kennt. Es muss jetzt erst einmal ein Weißlichtabgleich vorgenommen werden. Das ist auch der Hauptgrund dafür, dass die Aufnahmen im RAW-Format erfolgen sollten, um hier den maximalen „Spielraum“ zur Verfügung zu haben. Ein Weißlichtabgleich in Adobes Camera-Raw kann nicht alle Farbstiche ausfiltern. Von daher muss zu einem vorgelagerten Trick gegriffen werden. Die RAW-Dateien konvertiere ich über den Adobe DNG-Converter in DNG-Dateien, hier der Download:

http://www.adobe.com/de/products/photoshop/extend.displayTab2.html

Für DNG-Bilder bietet Adobes-Camera-RAW einen sehr weit aufziehbaren Weißlichtabgleich an, der auffallend größer als nur für die „normalen“ RAWs ist. Hier kann man sich, um sich die Arbeit zu erleichtern, über den Karteireiter „Kamerakalibierung“ ein paar feste Einstellungen (wie z.B. eben den Weißlichtabgleich, ggfl. Kontrastanhebung) unter Voreinstellungen abspeichern. Diese Voreinstellung muss man später nur noch aufsuchen, wenn man wieder diese infrarot-typischen rosa-magenta-stichigen DNG-Bilder abgleichen will und fertig ist der ganze Abgleich. Es folgt ein Bild wie das nachfolgende:

Es folgt dann der Import in Photoshop. Dort erfolgt die Weiterverarbeitung in gewohnter Weise. Konvertierung in eine Schwarz-Weiß-Bild je nach Vorlieben (dafür gibt es ja verschiedene Möglichkeiten).

Ich selbst arbeite seit ein paar Wochen mit immer noch wachsender Begeisterung mit Silver Efex Pro2 von NIK-Software

http://www.niksoftware.com/silverefexpro/de/entry.php

Gerade mit den weißlichtabgeglichenen Infrarotbildern kann man mit den Möglichkeiten dieser Software faszinierende, beeindruckende und t.w. surreal wirkende Schwarz-Weiß-Bilder „entwickeln“.

Für die Präsentation im Internet werden die mit Photoshop als JPG-Bilder in hoher Auflösung gespeicherten Bilder dann mit dem Freeware-Tool „Traumflieger Online-Picture“ (TOP)  von „Traumflieger Stefan Gross“

http://www.traumflieger.de/desktop/onlinepicture/index.php

pixelgenau heruntergerechnet und komprimiert. Dies kann auch als Batchjob geschehen. Je nach Aufwand dauert ein Workflow, wie hier geschildert, pro Bild zwischen 5-15 Minuten.

(c) Lutz Riefenstahl, Gronau für www.slowfoto.de

3 Gedanken zu „Ein Appetizer für die Schwarz-Weiß-Fotografie

  1. Lieber Lutz, vielen Dank für Deinen zweiten Bericht, der den etwas ungewöhnlichen Weg über die IR-Fotografie zur SW-Aufnahme eingehend beschreibt. Mir gefallen Deine Landschaftsaufnahmen sehr gut, man muss einfach nur das Gesehene mit einer anderen als der gewohnten Wellenlänge wirken lassen… vG pp

  2. Hallo Lutz,
    schöner Beitrag.
    Habe auch schon überlegt eine DSLR umbauen zu lassen. Dein Beitrag ist wieder ein Ansporn dieses „Projekt“ in Angriff zu nehmen.
    Grüße
    Andreas

  3. Pingback: calameo.com

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