FAQs Brennweiten und Schärfentiefen

Frage: Welche Brennweiten sind wichtig und welche Schärfentiefen sind richtig, damit ein Bild stimmig wirkt?

slowfoto: Das kommt immer darauf an, wer was und womit fotografiert, denn es geht auch ganz ohne Fotoapparat, wie das älteste Foto der Welt beweist:

Fotograf Joseph Nicéphore Niépce 1826: Blick aus dem Fenster in Les Gras – mit Asphalt beschichtete Zinnplatte – Belichtungszeit acht Stunden – Reproduktion Helmut Gernsheim – Historische Gernsheim-Collection – (c) Harry Ransom Center – The University of Texas at Austin

In der allgemeinen Urlaubsfotografie sind scharfe Bilder über alles eher gefragt, also Aufnahmen mit guter Erkennbarkeit von Vorder- und Hintergrund. Dazu eignen sich leichte und kompakte Kameras vor allem bei gutem Licht mit automatischen Einstellungen, auch das iPhone ist hier einzuordnen.

In der anspruchsvollen Fotografie geht die Tendenz eher dazu, nur das wesentliche Objekt scharf wirken zu lassen und gegenüber der (unscharfen) Umgebung so freizustellen, dass diese als Hintergrund gerade noch so zu erkennen ist. Der Aufwand dafür ist größer, weil das ein Fall für die Spiegelreflexkamera ist, sowohl bei kurzen oder längeren Brennweiten.

Zunächst zu den Basics, fast schon historisch haben mich beide Tools von TAMRON in den Seminaren begleitet, mittlerweile sind sie ganz einfach runterzuladen:

http://www.tamron.eu/de/objektive/brennweitenvergleich.html

http://www.tamron.eu/de/objektive/schaerfentiefenvergleich.html

TAMRON hat es verstanden, mit wenigen aber aussageträchtigen Aufnahmen die Beziehungen zwischen Brennweiten und Darstellungen, Blendenwerten und Schärfenbereichen prägnant und verständlich aufzuzeigen, ein dickes Danke an die Macher! Hat man diese Zusammenhänge verinnerlich, ergeben sich einige exemplarische Einstellungen:

a) In Räumen sind die Entfernungen i.d.R. kürzer als im Freien, lange Brennweiten mit größeren Mindestabständen also weniger gefragt.

b) Kurze und sehr kurze Brennweiten haben vor allem bei nahen Abständen eine spezielle Perspektive und sind, wie auch direktes Blitzlicht bei kleiner Distanz, für Porträts ungeeignet.

c) Lichtstarke Festbrennweiten sind eher günstiger und leichter als ebensolche Varioobjektive, die schwerer wiegen und im oberen Preissegment angesiedelt sind.

d) Es gibt keine Kamera für alle Fälle, jede Sensorgröße hat Vor- oder Nachteile und der Anwender die Qual der Wahl, außer man beschränkt sich weise auf z.B. ein iPhone oder eine andere kompakte Kamera und verzichtet weitgehend auf manuelle Einstellungen: Gute Fotos lassen sich damit unschwer erzielen, denn das Bild ensteht zwischen den Ohren und wird von der Kamera nur aufgezeichnet, zudem sieht man exakt was man aufnimmt, das Live-Bild ermöglicht per touch screen den Fokus und per Auslöser die Belichtung zu speichern. Eine Handy-Kamera ist deshalb besser, wenn sie immer dabei ist. Trotz Festblende 2.8 und Festbrennweite f4mm i.V.m. ISO[auto) 80-1.000 reicht mir deshalb das iPhone4 für alltägliche dokumentierende Aufgaben recht gut aus. Die Suche nach der ultrapräzisen Farbwiedergabe bleibt dabei außen vor.

e) Salopp gesagt, je größer das abzubildende Objekt und  je größer die geprintete Ausgabengröße als Wiedergabe, desto größer kann oder sollte der Sensor sein. Für die Web-Wiedergabe reichen weit weniger als 6MPI und kleinere Sensoren (>6x4mm) als der Crop Sensor, als kleinbildäquivalente (KBÄ) Normalbrennweite sind hier f6mmKBÄ (6×6=36) ein guter Wert. Für alle Fälle ist ein Crop Sensor (ca. 16x24mm / 24×1,5=36) mit f24mm =  f36KBÄ als Normalbrennweite zu rechnen, beim Vollformat (24x36mm / 36×1.0=36) sind f35mm eine beliebte Normalbrennweite wie bis f55mm auch, ein Wert, den ich schon im beginnenden Telebereich sehe. Mit der Reduktion der Sensorfläche geht auch die Verkürzung der Brennweite einher, um den gleichen Bildwinkel zu erreichen, oder anders, die identische Brennweite würde beim kleineren Sensor zur längeren KBÄ führen. Somit ändert sich bei kleiner werdendem Sensor auch die Perspektive in Richtung weiter Winkel.

f) Für die Crop-Sensor SLR Kameras gibt es eigene Objektivreihen, die auf diese Sensorgröße gerechnet sind. Allerdings können je nach Pixeldichte auch gute Vollformatgläser verwendet werden, etwaige Schwächen im Randbereich fallen ja weg🙂

g) Neue extrem kompakte Pfannkuchen (pancake) Objektive glänzen mit hoher Lichtstärke (2.0 oder 2.8), kurzer Bauart unter 3cm und Gewichten um 200g bei erschwinglichen Preisen (um €200.-). Können diese Gläser auch am Vollformaten verwendet werden, ist deren Verbreitung gesichert.

h) Wer Wert auf wenig Gewicht legt, ist mit einer spiegellosen Systemkamera und zwei lichtstarken Fetsbrennweiten (kurzes Weitwinkel plus kurzes Tele) bestens gerüstet. Adapter für System- und Fremdobjektive gibt es, die zweiten auch mit Einschränkungen in den [auto] Funktionen.

i) -Tüpfelchen scheint mir die Spiegellose aus dem System, dessen Objektive bereits gekauft wurden, weil deren volle Funktion gewährt ist. Ein weiteres Highlight sind lichtstarke, bereits bei Offenblende ordentlich zeichnende Objektive, die zudem mit knapper Schärfentiefe den Hintergrund angenehm verfließen lassen. Zudem kann man solche Gläser auch mal mit einem Brennweiten verlängerndem Konverter kombinieren, was dem Freistellungseffekt zugute kommt.

Fazit: Wer die Wahl hat, quält sich mit der Entscheidung: easy mit Handy oder wasserfester Kompakter, klein und leicht mit der spiegellosen Systemkamera fast ohne Einschränkungen außer dem direkten Blick durchs Objektiv oder der EinstiegsSLR, beide mit dem Crop Sensor, beide auch bei hohen ISO Werten noch nutzbar oder schließlich schwerer bis un-tragbar mit der Vollformat dSLR und allen lichtstarken Zoomen bis 2kg Eigengewicht, die Freistellungen gegen den Hintergrund bis zur Fotokunst ermöglichen. Großformat Sensoren Kameras bleiben dem engagierten Amateur oder Berufsfotografen vorbehalten und hier außer Betracht, zumal aktuell bis 35MPI schon auf dem Volformatsensor angeboten werden! Letztlich entscheidet der Betrachter und der fragt selten, mit welcher Kamera-Objektiv Kombination und welchen Einstellungen diese oder jene Aufnahme getätigt wurde. Und als Fotografierender weiß man sie entweder zuvor oder eben nicht…

(c) www.slowfoto.de

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