Canon EOS M10 – erste Eindrücke

Was ist neu an der EOS M10?

Meine Affinität zur kleinen EOS M (Mark 1 – 302g) als bisher handlichster Canon Crop Format Kamera ist unbestritten wie am ersten Tag, mittlerweile um einige Tausend Klicks und Erfahrungen reicher, wozu sie nicht geeignet ist. Nach einem Ausflug zur EOS M3 ist nun die EOS M10 (303g) seit Herbst letzten Jahres auf dem Markt und wird dort, ersten Rezensionen und dem bereits eingetretenen Preisverfall nach, wiederum keinen wirklichen Erfolg erzielen, zu sehr hängt die Kritik am lahmen Autofokus fest in der Erinnerung der jeweiligen Redakteure, ich sehe das ganz anders! Hier meine eigenen Eindrücke zu den beiden 18 MPI Cropformat Spiegellosen:

Sofort fällt der fehlende Blitzschuh auf, statt dessen gibt es links über der Objektivachse einen per Kran ausklappbaren Miniblitz mit positionsbedingter Schlagschatten Bildung, für Aufhellungen dennoch okay. Der rückseitige TFT Bildschirm ist nach oben etwas über 180 Grad klappbar, also Selfie fähig bzw. sogar rückwärts über Kopf anwendbar, wenn damit auch die 180 Grad Drehung der Bilder erforderlich werden. Erleichtert ist jedenfalls die Nahaufnahme Technik in Bodennähe! Verfügen die M1 wie die M10 über 7 Knöpfe, hat sich die Belegung jedoch geändert, zudem scheint mir das Bedienungsmenü ibs. auf dem Bildschirm weniger plausibel als bei der ersten EOS M. Hauptsache der Hersteller ist von dem Sinn der Änderungen überzeugt…

Ein Blick auf das deutlich kleinere und leichtere Kit Zoom (156g) zeigt einen Brennweitenbereich 15 bis 45 anstelle 18 bis 55mm (241g), also 3mm mehr Weitwinkel, bei identischer Lichtstärke 3.5-6.3 und Nahdistanz 25cm, aber gleichem Handling wie beim 11 bis 22mm Superweitwinkel (274g), man muss diese beiden Zoome vor der Nutzung aus der geschlossenen Position entriegeln. Mit 49mm ist nunmehr die vierte Größe an Filtergewinde dazugekommen (2/22 43mm – 15-45 49mm – 18-55 und 55-200 52mm – 11-22 55mm), der Zubehörmarkt freut sich. Dennoch finde ich das neue 15-45 praxisgerechter, denn am Cropsensor entspricht es einem Vollformat Brennweiten Bereich von 24 bis 72mm!

Zum Handling: Über die Gehäusegröße ist viel Contra geschrieben worden, man muss (!) dieses Kriterium für sich entscheiden, ob der Body passt oder nicht: Ich montiere grundsätzlich links eine Handschlaufe und halte den Apparat mit der linken Hand und es geht gut, sei es die SLR oder Spiegellose! Trotz fehlendem Spiegelschlag und effektivem Bildstabilisator sollte man bei dieser Art von Live View Fotografie bedenken, dass nur beide Arme die Kamera körperfern halten ohne die dritte Abstützung wie bei der klassischen SLR-Kamera oder dem elektronischen Sucher auf dem Jochbein! Jedenfalls gibt es bisher, außer bei anderen Anbietern, keine alternative Kamera mit diesen schlanken Abmessungen i.V.m. dem Cropsensor.

Nach einigen bisher gewohnten und für gut empfundenen Einstellungen – Einzelheiten dazu später im eigenen Bericht, nach eingehender Lektüre der 196 Seiten Bedienungsanleitung😦 –  geht es an die ersten Aufnahmen, wegen der AF Präzision zunächst mit langen Brennweiten (EF-M 4.5-6.3 55-200 297g):

f 55mm
f 55mm [A] 1/800 F 5.6 ISO 200
f 200mm
f 200mm [A] 1/2500 F6.3 ISO 200 gegen 8 Uhr

  1. Die EOS M10 ist gefühlt weder langsamer noch schneller als die VorgängerInnen. Der AF zeigt, in der mir vertrauten Nutzung als Einzel-AF, die bei länger werdenden Brennweiten oder weniger vorhandenem Licht bekannten Unsicherheiten bis hin zu fehlender Präzision. Ich nutze generell lieber den einen zentralen AF Sensor möglichst mit Pre-Fokussierung per Sternchen* Taste, anschließender Bildkomposition und Aufnahme. Der im grünen [A]utomatikprogramm gebotene AF mit 49 Hybrid AF-Feldern über die gesamte Bildfläche zeigt bei halb gedrückter Auslösetaste zwar recht flott an, was denn alles in der von der Kamera ermittelten Schärfenebene liegt, aber genau die bestimme ich räumlich lieber selbst, basta!
  2. Die Bildfolge ist gefühlt, bedingt trotz neueren Prozessor, nicht flotter im Auslesen und in der Speicherung. Zudem bieten sich unzählige Möglichkeiten der Bildbearbeitung, die ich grundsätzlich auf den Arbeitsplatz mit großem Bildschirm verlege. Die Auslesegeräusche unterscheiden sich, was wohl auch mit den unterschiedlichen Gehäusen zu tun haben mag, von dem der EOS 5Ds kann man nur träumen, und das mit einem Vollformal Spiegel!
  3. Das präzise Handling erfordert, im Gegensatz zu der im Handbuch (Zitat S. 48 s.u.) genannten Unbekümmertheit, profunde Kenntnisse für die Nutzung manuell gewählter Programm-Automatiken, ansonsten ist die Einstellung >Sport< sicher eine recht unproblematische für unverwackelte Aufnahmen🙂 – allerdings gekoppelt mit AF Nachführung.
  4. Positiv ist das Fotografieren in der grünen [A]utomatik Funktion, wenn man das so möchte und sich nur mit dem Motiv beschäftigen will: Mittlerweile (und das seit der Canon Powershot D10) halte ich diese Einstellung für den unbeschwerten Umgang mit dem allgemeinen Fotografieren ibs. mit kurzen Brennweiten für recht erfolgreich, vor allem bei wenig Licht, ansonsten sind mir die Aufnahmen i.d.R. zu hell und Spitzlichter eher ausgeblichen.
  5. >HDR< und >4 Nachtaufnahmen ohne Stativ< gehören glücklicherweise wieder zum Angebot im Menü, ein unschätzbarer Vorteil gerade für Aufnahmen mit den weniger lichtstarken Zoomobjektiven.

Zitat Canon S.48 Andere Aufnahmemodi: Machen Sie Aufnahmen nach Ihren Vorstellungen, ohne Fachkenntnisse der Fotografie zu benötigen. Sorry, da muss ich lächeln, das ist Marketing, wie ich es unfair finde, weil das so einfach nicht funktionieren wird. Wissen lässt sich durch Nichtwissen bekanntlich nicht ersetzen und Physik bleibt Physik, egal welche vermeintliche Errungenschaften der Hersteller in die Kameras packt: Autofokus in Verbindung mit Gesichtserkennung ist keine feine Sache, wenn die Kompanie marschiert🙂🙂🙂 Okay, 80% der zum Canon Service eingesendeten dSLR sollen auf [A] stehen… Beispielhaft gesagt, je präziser ich die Schärfenebene legen will, desto offener muss die Blende und desto kleiner der Fokusbereich sein, bei F6.3 im Zoom Endbereich bleibt das allerdings ein Wunschdenken!

Fazit: Unterwegs und bei vorhandenem Licht (AL) ist die EOS M oder M10 nach meinen Erfahrungen eine veritable Kamera, die es ermöglicht, sehr präzise Aufnahmen mit sehr guten Ergebnissen zu liefern, bei unschlagbarem Gewicht und moderater Größe, vor allem mit dem Pancake EF-M 22mm 1:2 STM, einer meiner Lieblingsoptiken und ganz entsprechend der Empfehlung vom Street Fotografen Thomas Leuthard. Als lichtstarkes 80mm KBÄ Tele nehme ich ein altes, leichtes EF 1.8 50mm mit dem Canon Adapter (s.u., M10 plus Adapter plus 1.8 50 550g). Der 18MPI Sensor ist sehr gut und für meine Ansprüche ideal: Ob man nun die alte M(1) oder die neuere M10 auf Grund der unterschiedlichen Ausstattungen vorzieht (Blitzschuh vs. Klappspiegel), die Bildqualität stimmt bei beiden. Für dezente Fotografie aus der Hüfte kann der Klappspiegel ein Segen sein!

Ich ziehe, außer bei sehr wenig Licht, die Programmautomatiken mit einer Belichtungsreduktion um -0,5LW vor, um sattere Farben zu erhalten. Leider hat Canon die Individualprogramme ohne die Wahl 1/2 LW ausgestattet, womit nur in 1/3 LW Stufen die Belichtung geändert werden kann.

Für Liebhaber lichtstarker Festbrennweiten ist bei vollem Funktionsumfang ein Canon Mount Adapter EF-EOS M (186g) nötig, was den Gewichts- und Größenvorteil reduziert, oder von anderen Anbietern auch für viele Fremdgläser geeignet mit manueller Fokussierung, wie das bei Spiegellosen wegen des kurzen Auflagemass oft möglich ist.

Alle Aufnahmen mit dem EF-M 2.0 22mm und alle ooc außer Datenreduktion, die helleren Aufnahmen mit [A], die dunkleren mit [Tv] sowie Offenblende F2 und LW -2/3:

xxx
[A] Gunther Stilling La Mano Aluguss
xxx
[A] wie vor
xxx
[A] wie vor
aaa
[Tv] alte Badeanstalt
qqq
[Tv] wie vor, bei niedrigem Wasserstand im Bodensee
qqq
[A] sehr geringe Verzeichnung der 22mm Festbrennweite
qqq
[A] Aluguss wie oben
qqq
[Tv] Bücherflohmarkt für wohltätigen Zweck
qqq
[Tv] am See mit durchgezeichnetem Himmel -2/3LW
qqq
[Tv] wie vor
qqq
[Tv] 1/125 f22 F22 -2/3LW ISO 100 Natürlich 0110 AWB 4MB 19 Uhr
qqq
[A] Detail Windrose – im Original bei 1:1 ganz leicht matt ISO 400
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[Tv] die 18MPI ergeben eine tolle hochauflösende Darstellung

wie vor Detail
wie vor Detail

qqq
[Tv] AF auf 6 Uhr 1/125 F2 -1/3LW ISO 1.000 AWB Natürlich 0110
© www. s l o w f o t o .de

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