FAQs Expose to the right?

Frage: Ist die Belichtung bis zum rechten Rand des Histogramm (ETTR) richtig?

slowfoto: Es kommt immer darauf an, welchen Bildausdruck man anstrebt, ob z.B. highkey oder lowkey Aufnahmen bereits in der Kamera entstehen sollen. Ausgewogenheit in einer digitalen Bilddatei ist dabei etwas anders zustande gekommen als beim Diafilm: Dort hatte die ETTR Regel sicher Sinn, auch wenn damals ein Histogramm zumindest mir unbekannt war. Minolta arbeitete in der Lichtmessung mit einer Kontrast Licht Kompensation (CLC), die im Querformat die unteren, dunkleren Partien stärker wegen der besseren Durchzeichnung bewertete und somit gegenüber dem externen (Gossen Lunasix3) Belichtungsmesser ungefähr 1/2LW längere Belichtungszeiten vorschlug. Das würde heute regelmäßig zu ausgefransten Lichtern führen. Nach meiner Erfahrung ist selbst in einer RAW Datei dieser Verlust nicht einfach und vollständig zu kompensieren. Dunkle Partien, die mit gezielter Unterbelichtung einhergehen, lassen sich heute hingegen durchaus aufhellen, ohne dass das dadurch entstehende Bildrauschen entstellt. Wichtig ist, die Kamera bis zum grenzwertigen ISO Wert getestet zu haben, um den nutzbaren Empfindlichkeitsbereich des Sensors zu kennen.

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Hier noch einige gegensätzliche Meinungen zum Thema ETTR:
DJB: Bin ehrgeiziger Amateur. 2 Jahre Fujifilm (Bridge), 2 Jahre Olympus (Four-Thirds DSLR) und seit einem Jahr Nikon D700. Die Lichtempfindlichkeit ist traumhaft; ich kann alles fotografieren, was ich will, ohne Stativ und ohne Blitz. Der Grund liegt ganz einfach in der Physik: Je weniger Pixel, desto größer das einzelne Pixel und desto besser der Signal-Rausch-Abstand. Beim Studium von Testberichten, welche die Lichtempfindlichkeit bzw. das Rauschverhalten elektronisch exakt gemessen haben, fand ich damals, dass diese Kamera tatsächlich diejenige mit dem geringsten Rauschen ist, weil sie die einzige mit Vollformat-Sensor und „nur“ 12 Megapixeln ist. Der Signal-Rausch-Abstand der D700 mit 12 MP war damals genau doppelt so gut bei der besten Canon mit 24 MP, über alle ISO-Zahlen hinweg. Die einstellbare ISO-Zahl ist kein Kriterium, denn sie sagt gar nichts über das Rauschen aus. Mit einem lichtstarken Objektiv (1.8) kann ich mit der D700 auch bei Kerzenlicht noch Bilder aus der Hand machen. Auch bei Dunkelheit, wo das menschliche Auge schon keine Farben mehr wahrnehmen kann, „sieht“ die Kamera die Farben immer noch ganz normal (die Bildschärfe ist dann Freihand aber doch grenzwertig). Die D700 ist so gut, dass ich nur in RAW fotografiere und sämtliche Bild-Optimierungs-Funktionen in der Kamera ausgeschaltet habe. Fast immer sind die Bilder so schon optimal. Wenn überhaupt, dann sind nur minimalste Einstellungen bei der RAW-Entwicklung nötig. Auch bei schwierigen Lichtverhältnissen (Sonne und Schatten) kommt die hohe Lichtempfindlichkeit zu Gute. Ich belichte dann um ca. 0.7-1.3 EV unter, sodass die Areale im Sonnenlicht normal erscheinen. Die dunklen Schatten-Partien werden dann bei der RAW Entwicklung gezielt aufgehellt, praktisch ohne Rauschen, sodass erstaunliche Details dabei zu Tage treten. Der Grund dafür liegt in den 14 Bits pro Farbkanal der D700; fast alle Computer-Displays haben aber nur 8 Bit. Die RAW-Entwicklung holt quasi die Bildinformation aus den niederwertigen Bits „nach oben“, bei Erhalt der natürlichen Farben (anders als bei HDR, wo die Natürlichkeit der Farben doch sehr leidet). 12 Megapixel bei Vollformat bietet mittlerweile auch die spiegellose Sony Alpha 7S, aber die kostet auch locker das Doppelte …
FJH: Bei der M9 belichtete ich von Anfang an 2/3 bis 4/3 unter. Ausgefressene Lichter sind weg für immer, aus den Schatten geht immer noch was. Und ein Himmel ohne Wolken ist langweilig.
LR: RAW-Aufnahmeformat ist für diese harten „Sensorausreizungen“ conditio sine qua non. Ob nun im Histogramm mehr nach rechts oder nach links belichtet… Der „Traumflieger“ Stefan Gros hat schon vor einigen Jahren „fleißig“ empfohlen, eher etwas über- als unterzubelichten. Den Begriff des „ETTR“ nutzte er damals (noch) nicht… “Expose To The Right” (ETTR) kennt hier sicherlich jeder. Unter diesem Link findet man dafür eine m.E. gut verständliche Erläuterung, warum man so belichten sollte (wenn denn die eigene Kamera die Voraussetzungen dafür bietet).
ML: Das sehe ich auch so. Wichtiger ist m. E., daß die Kamera durch Sensor und Software möglichst gut mit großem Dynamikumfang umgehen kann. Und dann vor Ort schwierige Motive per Belichtungsreihe fotografieren.

ppz: Wer vorwiegend mit JPG fotografiert, sollte nicht voll bis zum rechten Rand belichten, zu groß ist die Gefahr ausgebrannter heller Flecken. Der >Traumflieger< ist RAW Fan (und hat damit für seine Testberichte völlig Recht), und sieht die Wiederherstellung von Lichtern anders als bei JPG. Jedoch ist nach meiner Erfahrung in den Programmautomatiken sogar die Reduktion der automatischen Belichtung nach Mehrfeldmessung um 1/3 bis besser 1/2 LW angezeigt, je nach Werkseinstellung: Tiefen sind einfacher und mit akzeptablem Rauschen aufzuhellen als kaputte Lichter zu reparieren. Ausnahmen sind Nachtaufnahmen, bei denen ich gerne im [auto] Modus oder besser gleich im [4Nachtaufnahme ohne Stativ] werkele, also ohne LW Korrektur in Richtung knapperer Belichtung. Diese soll wiederum der Werkseinstellung professioneller Bodies entsprechen soll, was ich weder für die 5D noch 5D2 bestätigen kann. Sicher ist die sog. richtige Belichtung vom Motiv, Kontrast und Umgebungslicht abhängig, wobei Liveview mit Pre AF und Pre AE vor der Auslösung viele Probleme löst, auch das eingeblendete Histogramm kann hier weiter helfen. RAW Aufnahmen bieten zudem einen Vorteil, weil sich aus einer einzigen Bilddatei unschwer unter- oder überbelichtete Kopien extrahieren lassen, um diese anschließend wieder mit der Originaldatei zu einer JPG verrechnen, was oft zu dynamischeren Auflösungen führt. Vielleicht sollte man diesen Trick mit JPG auch mal ausprobieren 🙂

WIF: Durch Zufall bin ich neulich über diesen Traumflieger Artikel zur 6D gestolpert, der sich auch mit der Belichtung „nach rechts“ befasst. Siehe „Histogramm anschlagen lassen“.

original
originale Bilddatei
Resultat nach Bearbeitung
Resultat nach Bearbeitung

Fazit: Letztlich sagt das Histogramm nichts oder nur wenig über die optische Wirkung einer Aufnahme aus 😦 d.h. wir exposieren nach rechts oder links, wie wir es für augenfällig halten 🙂 please expose wright!

© slowfoto.de

2 Gedanken zu „FAQs Expose to the right?

  1. Das Histogramm ist ohne eine sehr gute Einschätzung der vorhandenen Licht-/Schattensituation völlig unbrauchbar. Je nach Hell/Dunkel-Verteilung im Bild liegt der Gipfel mal links und mal rechts. Eine Spot-Belichtungsmessung bringt mit einiger Übung wesentlich bessere Ergebnisse und ist absolut zuverlässig.
    Gruss Jürgen

    1. Yepp, das Histogramm ist die mathematische XY Verteilung von Helligkeiten oder Grundfarben und besagt meist nicht viel zum bildlichen Eindruck. Weshalb ETTR in der digitalen Fotografie nicht als generelle Forderung verstanden werden sollte.

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