FOTO-STORYTELLING

Workshop für Fotos, die Geschichten erzählen

Finn Beales  www.mitp.de  ISBN 978-3-7475-0301-0  €28.-

Foto-Storytelling würde ich lieber Fotostory Telling oder telling fotostories nennen, also eine ausgefeilte Form des klassischen Bildjournalismus, mit den heutigen Mitteln der digitalen Fotografie. Wobei vorher feststeht, dass der Text der Geschichte nicht zwingend vom Fotografen kommt, das Drehbuch zur Story hingegen schon 🙂

An Hand von fotografischen Grundsätzen und eigenen Auftragsarbeiten berichtet Finn Beales, der auch seine heimatliche Umgebung in Wales für seine Aufnahmen nutzt, von spezifischen Vorgehen, wenn er visualisierte Geschichten entstehen lässt, in 5 Schritten (Pitch – Vorbereiten – Aufnahme – Bearbeiten – Liefern) und für den geneigten Leser komprimiert auf rund 180 Seiten, ergänzt mit vielzählig ergänzenden Bildbeispielen, ibs. auch deren farblicher Aussage durch Bearbeitung (S.144), passend zum Produkt, der Story und deren Umfeld. 

Der Autor, dessen erstes Buch vorliegt, arbeitet mittlerweile für Apple, Audi, Land Rover und Cartier, er befand die Bilder, die er vor zehn Jahren als Designer in Auftrag gab, für nicht gut genug, deshalb nahm er die Kamera selbst in die Hand. Das Buch basiert auf der Online-Videoversion seiner Workshops www.madebyfinn.com/workshop – wer also ungestilltes Interesse hat… Axel Strohl hat nicht nur das Vorwort zum Buch seines Freundes geschrieben, sondern ihn auch gebeten, die 6 Stunden Videostream vom Online-Workshop aufzunehmen. O-Ton: Finn und ich (wir) sind beide Seiltänzer, sind manchmal heruntergefallen, aber immer wieder aufgestiegen und haben weitergemacht. Er war mutig und hat seinen eigenen Weg gewählt, und als Ergebnis ist er ein Weltklasse-Fotograf geworden… Dieses Buch erzählt von den Praktiken, die ihm geholfen haben, dorthin zu gelangen… Es gibt nur eine Handvoll Leute, die dieses Buch schreiben können, und Finn steht ganz oben auf dieser Liste. S.7

Ich habe das Buch gelesen und für prall befunden, weshalb ich die Rezension pragmatisch auf ein (1!) einfaches und m.E. zielsicheres Beispiel beschränke, und wer jetzt noch mehr mag, liest bitte selber: 

Auf S. 24 finden sich drei Fotos, das erste zunächst als Querformat zeigt einen Mann in Outdoor Kleidung mit einer analogen (?) Kompaktkamera am Auge und einem Ruder zwischen den Sitzen auf dem Beifahrersitz, das zweite wie auch dritte als Hochformat Aufnahme, wie er ein Holzboot in felsiger Uferlandschaft trägt und auf dem dritten aus der Entfernung im quirligen Wasser rudert, mit viel Himmel; auf S.25 die Antwort auf die Frage WAS IST EINE STORY? und ganz unten und in kleiner Schrift die überraschende Erklärung Werbekampagne für die Omega Seamaster !!! Die Omega ist auf der ersten Aufnahme teilweise an seinem linken Handgelenk zu (über)sehen 🙂

Finn Beales zeigt hier auf, wie er zielsicher vorgeht: Struktur, Thema, Atmosphäre und Einfachheit bestimmen die Story, Ort, Darsteller/Charaktere das Ereignis. Fertig. Die Omega habe ich erst richtig erkannt, nachdem ich den Hinweis zur Werbekampagne gelesen hatte, der ja auch bewusst ganz und dann noch in kleiner kursiver Schrift am Ende der Story steht. 

Der Autor nutzt nach eigenen Angaben die Canon EOS 5D Mark IV für 99% seiner Fälle, beschreibt aber genauso über die Nutzung der Smartphone [APPs] Snapseed oder TouchRetouch mit Bildhinweisen zur Anwendung J ich liebe mittlerweile diese Art schneller Bildbearbeitung so sehr, dass ich dafür bestimmte dSLM Aufnahmen auf das iPhone lade! Dieser Workflow ist intensiv verinnerlicht, weil er die Nutzung auch langer Brennweiten und doppelter MPI Bildgrößen unschwer ermöglicht: das 12MPI iPhone 13 Pro Max von 13-77mm KBÄ, die 24MPI EOS M5 von 88-320mm KB-Äquivalent sind immer als Leichtgewichte dabei und für meine Consumer Bedürfnisse okay!

Darüber kann der Profi nur lächeln, RAW und Lightroom, final Photoshop und das in vielen einzelnen eingehend beschriebenen Schritten ist sein Job, den der Auftraggeber eher schwer nachvollziehen kann. Die vielen aufgeführten Stories (S.152 Zusammenbauen als Fortsetzung von S.144) zeigen die Vielfältigkeit der Voraussetzungen, die dann endlich zur großen Story führen – und vor allem die notwendigen Schritte ab Beginn: Auftrag – Planung Location und Umfang – Aufnahmen mit unterschiedlichem Gerät, auch Drohnen –  Entwicklung – Auswahl – Präsentation Print oder Screen – Abrechnung auch nach Nutzung. Professionelles Fotografieren heute hat, wie in allen Bereichen beruflichen Lebens, wenig mit früher zu tun, was nicht bedeutet, das >alte< Fotografen keine wertigen Aufnahmen zustande gebracht haben, im Gegenteil, nur bleibt ein gutes Foto ohne Publikum gestern wie heute unbekannt, es kommt auf die Vermarktung an und was alles dazu gehören kann, findet sich präzise in Finn Beales FOTO-STORYTELLING. 

Alle Fotos sind unbearbeitet aber Daten reduziert

(c) slowfoto.de

TIPP: zu jeder Aufnahme, Frage oder Thematik biete ich auch 2022 ein LIVE COACHING per Videotelefonat an, Infos dazu gerne mobil 0172 7021587 oder kontakt@slowfoto.de 

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