FOTO-STORYTELLING

Workshop für Fotos, die Geschichten erzählen

Finn Beales  www.mitp.de  ISBN 978-3-7475-0301-0  €28.-

Foto-Storytelling würde ich lieber Fotostory Telling oder telling fotostories nennen, also eine ausgefeilte Form des klassischen Bildjournalismus, mit den heutigen Mitteln der digitalen Fotografie. Wobei vorher feststeht, dass der Text der Geschichte nicht zwingend vom Fotografen kommt, das Drehbuch zur Story hingegen schon 🙂

An Hand von fotografischen Grundsätzen und eigenen Auftragsarbeiten berichtet Finn Beales, der auch seine heimatliche Umgebung in Wales für seine Aufnahmen nutzt, von spezifischen Vorgehen, wenn er visualisierte Geschichten entstehen lässt, in 5 Schritten (Pitch – Vorbereiten – Aufnahme – Bearbeiten – Liefern) und für den geneigten Leser komprimiert auf rund 180 Seiten, ergänzt mit vielzählig ergänzenden Bildbeispielen, ibs. auch deren farblicher Aussage durch Bearbeitung (S.144), passend zum Produkt, der Story und deren Umfeld. 

Der Autor, dessen erstes Buch vorliegt, arbeitet mittlerweile für Apple, Audi, Land Rover und Cartier, er befand die Bilder, die er vor zehn Jahren als Designer in Auftrag gab, für nicht gut genug, deshalb nahm er die Kamera selbst in die Hand. Das Buch basiert auf der Online-Videoversion seiner Workshops www.madebyfinn.com/workshop – wer also ungestilltes Interesse hat… Axel Strohl hat nicht nur das Vorwort zum Buch seines Freundes geschrieben, sondern ihn auch gebeten, die 6 Stunden Videostream vom Online-Workshop aufzunehmen. O-Ton: Finn und ich (wir) sind beide Seiltänzer, sind manchmal heruntergefallen, aber immer wieder aufgestiegen und haben weitergemacht. Er war mutig und hat seinen eigenen Weg gewählt, und als Ergebnis ist er ein Weltklasse-Fotograf geworden… Dieses Buch erzählt von den Praktiken, die ihm geholfen haben, dorthin zu gelangen… Es gibt nur eine Handvoll Leute, die dieses Buch schreiben können, und Finn steht ganz oben auf dieser Liste. S.7

Ich habe das Buch gelesen und für prall befunden, weshalb ich die Rezension pragmatisch auf ein (1!) einfaches und m.E. zielsicheres Beispiel beschränke, und wer jetzt noch mehr mag, liest bitte selber: 

Auf S. 24 finden sich drei Fotos, das erste zunächst als Querformat zeigt einen Mann in Outdoor Kleidung mit einer analogen (?) Kompaktkamera am Auge und einem Ruder zwischen den Sitzen auf dem Beifahrersitz, das zweite wie auch dritte als Hochformat Aufnahme, wie er ein Holzboot in felsiger Uferlandschaft trägt und auf dem dritten aus der Entfernung im quirligen Wasser rudert, mit viel Himmel; auf S.25 die Antwort auf die Frage WAS IST EINE STORY? und ganz unten und in kleiner Schrift die überraschende Erklärung Werbekampagne für die Omega Seamaster !!! Die Omega ist auf der ersten Aufnahme teilweise an seinem linken Handgelenk zu (über)sehen 🙂

Finn Beales zeigt hier auf, wie er zielsicher vorgeht: Struktur, Thema, Atmosphäre und Einfachheit bestimmen die Story, Ort, Darsteller/Charaktere das Ereignis. Fertig. Die Omega habe ich erst richtig erkannt, nachdem ich den Hinweis zur Werbekampagne gelesen hatte, der ja auch bewusst ganz und dann noch in kleiner kursiver Schrift am Ende der Story steht. 

Der Autor nutzt nach eigenen Angaben die Canon EOS 5D Mark IV für 99% seiner Fälle, beschreibt aber genauso über die Nutzung der Smartphone [APPs] Snapseed oder TouchRetouch mit Bildhinweisen zur Anwendung J ich liebe mittlerweile diese Art schneller Bildbearbeitung so sehr, dass ich dafür bestimmte dSLM Aufnahmen auf das iPhone lade! Dieser Workflow ist intensiv verinnerlicht, weil er die Nutzung auch langer Brennweiten und doppelter MPI Bildgrößen unschwer ermöglicht: das 12MPI iPhone 13 Pro Max von 13-77mm KBÄ, die 24MPI EOS M5 von 88-320mm KB-Äquivalent sind immer als Leichtgewichte dabei und für meine Consumer Bedürfnisse okay!

Darüber kann der Profi nur lächeln, RAW und Lightroom, final Photoshop und das in vielen einzelnen eingehend beschriebenen Schritten ist sein Job, den der Auftraggeber eher schwer nachvollziehen kann. Die vielen aufgeführten Stories (S.152 Zusammenbauen als Fortsetzung von S.144) zeigen die Vielfältigkeit der Voraussetzungen, die dann endlich zur großen Story führen – und vor allem die notwendigen Schritte ab Beginn: Auftrag – Planung Location und Umfang – Aufnahmen mit unterschiedlichem Gerät, auch Drohnen –  Entwicklung – Auswahl – Präsentation Print oder Screen – Abrechnung auch nach Nutzung. Professionelles Fotografieren heute hat, wie in allen Bereichen beruflichen Lebens, wenig mit früher zu tun, was nicht bedeutet, das >alte< Fotografen keine wertigen Aufnahmen zustande gebracht haben, im Gegenteil, nur bleibt ein gutes Foto ohne Publikum gestern wie heute unbekannt, es kommt auf die Vermarktung an und was alles dazu gehören kann, findet sich präzise in Finn Beales FOTO-STORYTELLING. 

Alle Fotos sind unbearbeitet aber Daten reduziert

(c) slowfoto.de

TIPP: zu jeder Aufnahme, Frage oder Thematik biete ich auch 2022 ein LIVE COACHING per Videotelefonat an, Infos dazu gerne mobil 0172 7021587 oder kontakt@slowfoto.de 

Die Enkelin – Buchbesprechung

Die Enkelin – Bernard Schlink – Diogenes ISBN 978-3-257-07181-8 €25

Der Buch Tipp kam vom ZDF Chefredakteur Peter Frey (64), empfohlen zum besseren Verständnis, was >Othering< (Anderssein) auch aktuell im Osten ausmacht; wir kennen die DDR seit 1978 und waren seit der Wende regelmäßig in allen fünf neuen Bundesländern, ein Familienmitglied arbeitet und lebt seit vielen Jahren in Berlin-Ost, ich war schon vor meiner Einschulung 1954 Wochen dort, dann 1968 in Ostberlin und mittlerweile bestehen Kontakte zum Cousin mit Familie, uns ist der Osten wohl vertraut:

besuchte Orte nur anhand von iPhone Aufnahmen

Schlink (77) lesen wir gerne und viel, zum Roman: Kaspar Wettner (2.Juli 1944) lernt am 16.Mai 1964 als Westberliner Student im Osten die Ökonomie Studentin Birgit kennen und lieben, seinen Vorschlag, in die DDR auszuwandern, verwarf sie sofort, ihre Flucht über Prag nach Wien kostete 5.000 DM, am 16. Januar 1965 landet Birgit in Tempelhof, 1969 heiraten sie, Kaspar gibt sein Studium auf und wird Buchhändler, die Ehe bleibt kinderlos. Birgit war auch in Indien, hat sich dann auf Goldschmieden, Kochen und schließlich Schreiben verlegt. Später ertrinkt sie in der Jugendstil Badewanne, Alkohol und Valium hatten ihre Depression beendet. Kaspar fotografiert nicht, trägt aber ein Passbild von Birgit in seinem Geldbeutel, das er nach dem Tod seiner Frau vergrößern lässt. Birgits Computer kann er nicht öffnen, er kennt das Passwort nicht, er liest ihren schriftlichen Nachlass als Romandichterin. Er liest, dass sie von Leo, einem zunächst noch verheirateten in exponierter Stellung, ein Kind erwartete, dass dieser dann zuletzt für seine Frau Irma weil kinderlos haben wollte, eine Scheidung käme nicht in Frage. Im Mai 1964 sah man Birgit die Schwangerschaft noch nicht an, in den Semesterferien ist sie zu Paula, der loyalen Freundin aus dem Kindergarten, an die Ostsee gefahren und erst im Oktober zurückgekommen, als alles vorbei war, Paula hat das neugeborene Mädchen beim Pfarrer anonym und sicher >abgelegt<. Birgit hat Kaspar nichts gesagt, sie wusste nicht, was Verschweigen langfristig anrichtet, zumal sie nie aufgehört hat, an ihre Tochter zu denken und sie zu suchen: sie erkennt im Fernsehen ihre Tochter auf einem Bild einer Bushaltestelle mit jungen Männern in Springerstiefeln und mit Tätowierungen. Auch Svenja Renger, mit dem völkischen Siedler Björn verheiratet, hat eine Tochter: Sigrun, Kaspars Enkelin, bis Seite 367 erzählt Bernhard Schlink deren Geschichte… ich habe den Roman in drei Tagen gelesen 🙂

Zitate

S.77 Was ist denn wichtig? Das man es immer wieder machen mag. Eine Straße immer wieder lang gehen. Ein Buch immer wieder lesen. Eine Musik immer wieder hören.

S.80 Ich hatte mit der DDR nichts mehr zu schaffen. Ich wollte mich hier nicht mehr anstrengen und bewähren. Ich wollte nicht Ökonomie studieren, wollte meine Zeit nicht mit der FDJ und Studentenbrigaden und Ernteeinsätzen vertun, wollte nicht aufpassen, wem ich was sage und was ich denke. Ich wollte auf keine neue Zeit und kein neues Land und keinen neuen Menschen warten, ich wollte leben. Ich wollte nicht das bisschen Land zwischen Erzgebirge und Ostsee. Ich wollte die Welt… Und ich will auch hier nichts mehr aufbauen… Also gut, dann hole ich dich hier raus. S.232 Keine Sekunde habe ich gedacht, du seist doof. Du verstehst alles, was ich sage, du schlägst mich im Schach, du kriegst den Klavierunterricht, den wenige kriegen. Du bist stark und ausdauernd, beim Lernen wie beim Laufen. Er machte eine Pause. Sollte er noch sagen, dass er stolz auf sie war? Aber er sah das Gespräch voraus, in dem sie sagen würde, sie sei stolz, eine Deutsche zu sein, und er erwidern würde, man könne stolz nicht auf das sein, was man sei, nur auf das, was man geleistet habe, und Sigrun war gewiss nicht sein Verdienst. Er entschied sich auch dagegen, ihr zu sagen, er freue sich, dass sie seine Enkelin sei; entweder er zeigte ihr seine Freude und sie merkte sie in vielen Situationen, dann musste er sie nicht aussprechen, oder das Aussprechen würde nicht helfen, wo Zeigen und Merken scheiterten. Er wünschte sich keine andere Enkelin, er hatte diese gefunden und wollte sie behalten… Alles falsch sehen – musst du schon alles richtig oder falsch sehen? Musst du das meiste nicht erst einmal sehen? S.233 Du bist vierzehn, niemand hat mit vierzehn schon alles gesehen und weiß bei allem, was richtig und was falsch ist.

(c) slowfoto.de

TIPP: zu jeder Aufnahme, Frage oder Thematik biete ich auch 2022 ein LIVE COACHING per Videotelefonat an: für 30min 30€ und 60min 50€ – mobil 0172 7021587 oder kontakt@slowfoto.de 

WIE FOTOS WIRKEN

Brian DILG Verlag mitp ISBN 978-3-95845-992-2 €24,99

Der Autor ist Dozent, Fotograf und Kameramann, er berichtet auf 160 Seiten Text mit sehr anschaulichem eigenen und Bildmaterial von 50 zeitgenössigen Fotografen über die Grundlagen der menschlichen Wahrnehmung, die Wirkung von Bildern und wodurch welche Fotos beeindruckend gut sind und warum. Als beispielhafte Zitate:

S.58 Die Bandbreite der Wahrnehmung überwinden… Das Bewusstsein ist nicht nur sehr begrenzt, sondern auch langsam. Lustigerweise halten wir dieses winzige Etwas der bewussten Wahrnehmung für unser ganzes >Ich<… Fotos haben die überraschende Eigenschaft, uns nicht nur zu zeigen, was wir verpassen, sondern auch, was uns nicht bekannt war – Dinge, die wir aufgezeichnet, auf die wir reagiert haben, die aber nie unser Bewusstsein erreicht haben.

S.59 Aufmerksamkeit übersetzen… Mit einem Foto möchten Sie nicht nur zeigen, was Sie sahen, sondern auch, was Sie dachten. Sie übertragen nicht einfach ein Bild auf die Kamera, sondern wollen eine Idee vermitteln… Sie müssen auch Platz für den Geist Ihrer Zuschauer lassen. Was Bilder wirklich erfolgreich macht, ist nicht nur die klare Kommunikation einer Idee, sondern die Präsentation eines Erlebnisses, das durch den Fotografen ausgelöst und durch den Betrachter vollendet wird. Erfolgreiche Bilder lenken die Aufmerksamkeit und deuten Ideen an, sind aber auch zu einem gewissen Grad mehrdeutig. Sie fordern die Betrachter auf, aktiv an der endgültigen Bedeutung des Bildes mitzuarbeiten. Zitatende

Zum vorliegenden Buch: 

Für mich gehört diese Publikation zu den wenigen ganz wichtigen, die über die allgemeine Fotografie weit hinausgehen, weil human physiologische und technisch fotografische Parameter klar dargestellt werden: der Mensch sieht mit riesigem Blickwinkel, aber nur ganz wenig fokussiert scharf, was zum Leben völlig ausreicht, im Grunde tasten beide Augen dreidimensional und damit doppelt laserartig ab. Der Sensor erfasst mit einem Klick den vorgegebenen Bildwinkel, mittlerweile auch digital, fehlerkorrigiert und scharf bis in die Bildecken, aber immer nur one shot, also ein Bild. Brian Dilg erklärt diese Unterschiede verständlich, ich habe das Buch in einem durchgelesen. 

Geprägt durch die Zeit der analogen Spiegelreflex Kamera war ich lange ein Freund des optischen Suchers, heute mag ich ohne Live View, möglichst farbtreu und groß, nicht mehr fotografieren, und dabei genau sehen, was ich als Bild bekomme. Nach der Lektüre WIE FOTOS WIRKEN weiß ich auch warum.

Dazu noch einige persönliche Gedanken:

SEHEN

Coaching bei Heiko Preller Hannover 12.05.2013 EOS 5D II f85mm F1.8 1/180sec ISO 100 – wir haben viel über Farben und Töne erfahren und gemäß Vorgaben Aufnahmen erstellt und einzeln besprochen: http://www.heikopreller.de https://slowfoto.wordpress.com/category/studiofotografie/

Sehen ist auch Übersehen, vor allem angesichts dessen, was wir bereits wissen. Es gibt zu viel zu sehen, als dass man alles erkennen könnte Brian Dilg

Wir glauben, wir würden alles aufnehmen, dabei kommt nur eine kleine Menge zum Bewusstsein. Man nennt dies Aufmerksamkeitsengpass. Das ist aber auch sinnvoll. Sie wollen nicht alles aufnehmen, das würde Sie überwältigen. Sie müssen sich nur der Dinge bewusst sein, die wichtig für Sie sind, die beeinflussen, was Sie als nächstes tun. Die Wahrnehmung ist quasi im Dienst der Aktion. Dr. Jay Friedenberg

Du siehst nur was Du kennst Antoine de Saint Exupéry

Das Perfekte ist der Feind des Guten Voltaire

Du musst einige Erfahrungen im Leben gemacht haben, damit Du etwas interessantes zu sagen hast Julie Grahame

Ich fotografiere seit meinem 12 Lebensjahr, damit rund 6 Jahrzehnte lang. Heute interessiert mich die Technik weniger als das, was ich sehe, zumal der Fortschritt meine Fotografie zwar beeinflusst, aber eigentlich nicht sehr verändert hat. Meine Frau schaut immer wieder mit und veranlasst so eine weitere und damit gemeinsame Aufnahme.

slowfoto habe ich meinen Blog genannt, weil wir beide slowfood lieben, Beschaulichkeit, Ehrlichkeit, Nachhaltigkeit, Reflektion, Wiederbesinnen, es geht um Ausdruck, Dokumentation, Erinnerungen und Sammeln.

Ein entstehendes Schwarz Weiss Bild in der Dunkelkammer meines Vaters war die erste Faszination, beim Goldguss in der Handschleuder der Moment der Verflüssigung. Heute ist es das große Live Bild vom iPhone, das jede noch so kleine Veränderung adhoc sichtbar aufzeigt, für mich der ganz große Schritt weil ich jetzt exakt sehe was ich bekomme.

Man sagt ein Bild ist mehr als tausend Worte, ich halte das für Unsinn. Ein Foto drückt die aufgenommene Situation aus, hält sie fest. Wenn man eine Aufnahme kürzer als 1 Sekunde betrachtet, versteht man sie nicht oder das Bild ist uninteressant. Gute Fotografien sind oft technisch nicht wirklich perfekt, haben aber einen tiefen Ausdruck, man schaut viel länger hin und die Gedanken beginnen zu kreisen. Diese Wahrnehmung ist trainierbar, genauso wie das Gehör.

Heute haben wir das unlösbare Problem, viel zu viele (optische) Informationen zu bekommen, und überall rieselt es noch Musik dazu. Auch ist nachts oft viel zu viel künstliche Beleuchtung vorhanden. Die Ruhe geht dabei verloren, wenn das Bild schon vor der Aufnahme versendet werden soll. Als Info ist das oft hilfreich, hat aber mit Fotokunst nichts zu tun. Kunst ist Können mit Fleiß wie Übung, lebenslang. Die neue teure Kamera macht keine besseren Aufnahmen. Ein bleibendes Bild überdauert seien Schöpfer. So sehr ich Film- und Videoproduktionen schätze, so intensiv mag ich Fotografien, seit ich selbst welche erstellt habe: Mit Fotos öffnen Fotografen sich selbst und anderen, oft spiegeln sie auch die Auffassungen des Betrachters wieder. Genauso gerne lese ich >richtige< Bücher 🙂

ein paar Begriffserklärungen

Annahmen der Betrachter – ein cleveres Bild spielt damit und nutzt die Erwartung aus, nur um sie dann umzukehren

Fotos zeigen uns, was wir verpasst haben, Bilder überdauern, wenn sie das Erlebnis des Sehens verlangsamen

Gesichtsfeld und Fokus – wir nehmen nur 1-2% als Spot scharf wahr

Kamera – one shot für die gesamte Szene in einem einzigen Bild mit statischem Blick

Menschen zeichnen beim Sehen Gedanken auf, Kameras hingegen nur Licht

Menschliches Sehen – dynamischer Blick mit Bewegung von Augen und Kopf

Sakkaden – Augenbewegung beim dynamischen Blick

Tunnelblick – wir filtern beim Hören und Sehen auf einen sehr kleinen Spot der Aufmerksamkeit

TIPP: zu jeder Aufnahme, Frage oder Thematik biete ich gerne auch ein LIVE COACHING per Videotelefonat an, Dein/Ihr Beitrag für 30min 30€ und 60min 50€ – mobil 0172 7021587

(c) slowfoto.de

Pilgern – Wege der Stille

Andrea Nuss, Stefan Rosenboom und Dieter Glogowski referieren über Pilgerwege

NEPAL Acht Der Weg hat ein Ziel: blau = Himmel weiß = Geist rot = Feuer grün = Wasser gelb = Erde! Der DAV als Veranstalter lud zum PILGERN Wege der Stille in die Inselhalle Lindau ein.

danke und auf Wiedersehen (Rosenboom – Glogowski – Nuss)

Om nama Shiva – Dein Wille wird geschehen S.189 – Signatur des Autors

einer meiner (vielen) Favoriten aus dem Buch

…wieder hat der DAV zur Vortragsreihe Diakultur eingeladen, mit Stefan Rosenboom (Leica SW), Dieter Glogowski und Andrea Nuss (Foto, Film, Reportagen) als Referenten, deren Vortrag schnell mal 1.800 Besucher in Freiburg erreichte, auch die Lindauer Inselhalle war bis auf den letzten Platz besetzt! Wir erlebten über 2,5 Stunden lang wuchtige Präsentationen mit live Moderationen. Die gezeigten Fotografien zeugen alle von der hohen Professionalität der Vortragenden, die gemeinsam vor allem auch auf die Veränderungen unserer Erde hingewiesen haben, m.E. liegen viele Probleme in der Sucht nach übermäßigem Konsum und fortwährendem Wachstum begründet.

>Die wirkliche Essenz des menschlichen Wesens ist die Güte. Es gibt noch andere Qualitäten, die sich aus der Erziehung, dem Wissen ergeben, aber wenn man wahrhaft ein menschliches Wesen werden und der eigenen Existenz einen Sinn geben will, dann ist es essentiell, ein gutes Herz zu haben< Dalai Lama

Glogowskis Buch >Nepal Acht< ergänzt seinen Vortrag, es ist für die ruhige Nachlese sehr empfehlenswert!

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Slowfotos für die KW 45 ff

…ein paar Aufnahmen zur stillen Zeit aus der Wasserburger Bucht, einem unserer Lieblingsplätze am See

alle Aufnahmen mit der neuen EOS RP (2019) und dem alten EF 28-135 IS USM (1998)  –  plus ganz wenig Snapseed  –  datenreduziert mit Fast Resize

ISBN 978-3-458-17487-5

Hesse`s bemerkenswerte Erinnerungen und Betrachtungen von 1904 bis 1912 in Gaienhofen am Untersee kamen 2014 als Danke für eine Spende (Orgelstuhl) an die Alsfelder Kirche, kurz vor unserem Umzug nach Wasserburg, das Buch beinhaltet viele interessante farbige und SW-Aufnahmen aus der analogen Zeit. Eigene Erinnerungen an den Bodensee habe ich seit 1968 in Pfullendorf sowie Überlingen, an meine Frau seit 1976 🙂 und nunmehr sammeln wir sie hier im 6. Jahr am See gemeinsam und kontinuierlich: Es gibt zwei Zeitphasen, die quirlig sommerliche mit unzähligen Touristen auf der schönen Bodensee Fahrrad Route und die ruhige winterliche fast ohne Besucher und angeblich mit Depressionen. Okay, ganz ohne Sonne wollten wir auch nicht leben, dennoch haben die >grauen< und eher stillen Zeiten auch Reize: Hier die Situation kurz vor dem definitiven Untergang der Sonne in den tiefziehenden Wolken, mit wenig Getier und ganz ohne Publikum, ein paar Minuten von unserem Zuhause entfernt. Schon schön hier sagt meine Frau, mach` da mal ein Foto von…  

NB: weitere sommerliche Impressionen aus Wasserburg und vom Malerwinkel 

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Bücher die sich lohnen: TABU

TABUFerdinand von Schirach Roman PIPER ISBN 978-3-482-30520-4 €9,99

Boulevard du Temple by Daguerre 1838

An einem hellen Frühlingstag des jähre 1838 wurde in Paris auf dem Boulevard du Temple eine neue Wirklichkeit erschaffen. Sie veränderte das Sehen, das Wissen und die Erinnerung der Menschen. Und schließlich veränderte sie die Wahrheit.

Daguerre war ein französischer Theatermaler. Er wollte Kulissen herstellen, die aussahen wie die Wirklichkeit selbst. Durch ein Loch in einem Holzkasten ließ er Licht auf jodierte Silberplatten fallen. Quecksilberdämpfe machten sichtbar, was sich vor dem Kasten befand. Aber es dauerte lange, bis die Silbersalze reagierte: Pferde und Spaziergänger waren zu schnell, Bewegungen noch unsichtbar, das Licht gravierte nur Häuser, Bäume und Straßen auf die Platten. Daguerre hatte die Fotografie erfunden. 

Auf seinem Foto von 1838 ist in dem diffusen Schatten der Kutschen und Menschen merkwürdig deutlich ein Mann zu erkennen. Während alles um ihn rast, steht er still, die Hände auf dem Rücken verschränkt. Der Mann wußte nichts von Daguerre und seiner Erfindung, er war ein Passant, der sich die Schuhe putzen ließ. Der Apparat konnte ihn und den Schuhputzer sehen – es waren die ersten beiden Menschen auf einem Foto. Zitate immer kursiv – S. 7/8

Sebastian von Eschburg hatte oft an den bewegungslosen Mann und seinen zerfließenden Kopf gedacht. Aber erst jetzt, nachdem alles geschehen war und niemand die Dinge mehr rückgängig machen konnte, verstand er es: Dieser Mann war er selbst.   S. 8

Sebastian von Eschburg`s Leben wird vom in Berlin lebenden Autor auf 256 Seiten erzählt: Als Kind verliert er durch den Selbstmord des Vaters den Halt. Er versucht sich durch die Kunst zu retten. Er zeigt mit seinen Fotografien und Videoinstallationen, dass Wirklichkeit und Wahrheit verschiedene Dinge sind. Es geht um Schönheit, Sex und Einsamkeit… Schirach schreibt über ein aktuelles gesellschaftliches Thema, das den Leser zwingt, grundsätzliche Entscheidungen zu treffen. S. 2

Was ist Schuld?… Ich weiß es nicht… S. 122 Wahrheit und Wirklichkeit seien ganz verschiedene Dinge, so wie Recht und Moral sich unterscheiden würden. Haben Sie das nur gesagt, weil es gut klingt?… >Das Gericht ist die letzte wichtige Institution, die sich mit Wahrheit beschäftigt< – genau deshalb will ich, dass Sie mich verteidigen. S.175/176

Bei Gericht stellt man keine Fragen, deren Antwort man nicht kennt. S. 211

Was ist Schuld?… Schuld – das ist der Mensch. S. 249

Dieser (Kriminal-) Roman hat mich gefesselt, zudem war er recht schnell zu lesen. Die Streifzüge in die Fotowelt zeigen hohe Sachkenntnis.

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