Belichtungsmessung aktuell – what`s go-ssen on? Teil 2

Belichtungsmessung aktuell außerhalb der Kamera mit geeigneten Handbelichtungsmessern – was wird eigentlich und wie wird gemessen?

Die Motivhelligkeit, der Lichtwert und die Film- oder Sensorempfindlichkeit stehen miteinander in Beziehung. Ab einer betimmten maximalen Lichtmenge wird zudem eine Sättigung erreicht (sog. Ausbleichen), unterhalb einer minimalen verlieren sich Darstellung und Farben (sog. Absaufen). Innerhalb des Belichtungsspielraums stehen die drei Parameter Blendenwert, Empfindlichkeit und Zeitwert zur Verfügung, um das vorhandene Licht wiederzugeben.

Lichtwert

(LW) ist identisch zum Exposure Value (EV) bedeutet in der Fotografie die Kombination von Belichtungszeit, Blendenwert in Abhängigkeit zur Empfindlichkeit:

LW 0 entspricht dem Lichtwert bei Blende F 1.0 und Belichtung 1,0 sec. Die Erhöhung um einen Lichtwert entspricht einer Halbierung, die entsprechende Minderung einer Verdopplung der Belichtung. Die für die Fotografie gemessenen Lichtwerte können von z.B. -4 bis +21 reichen, aus der Motiv- oder Objekthelligkeit (Leuchtdichte) und der Film- oder Sensorempfindlichkeit ergibt sich ein Lichtwert, mit dem die Aufnahme richtig belichtet ist. Der Lichtwert wird immer in Bezug auf die Empfindlichkeit angegeben, verdoppelt man diese, erhöht sich der LW ebenfalls um eine Stufe.

Somit stellt der LW (oder EV) eine veritable Größe für die >richtige< Ausbelichtung dar, wenn sie denn so vom Anwender genutzt werden soll.

Belichtungsmessung zusätzlich zur Kamerainformation

Die Belichtungsmessung in oder mit der Kamera wird in einem Folgebericht betrachtet. Im Folgenden geht es um externe Belichtungsmessung mit Handbelichtungsmesser, die gleichaltrige Anwender wie ich noch aus der Zeit kennen, in der die Belichtung und Entfernung vor der Aufnahme und unter Zuhilfenahme von zusätzlichen Geräten gemessen oder im Schnellgang geschätzt wurden, bei anschließend vorzunehmender Korrektur im Fotolabor, dieses Vorgehen entspricht ja der aktuellen Nachentwicklung mit DxO oder LightRoom.

Ziel meiner Slowfotografie ist es, möglichst zu Beginn einer Aufnahme die Parameter so präzise festzulegen, dass im Idealfall keine oder nur eine geringe Nachbearbeitung der Bilddatei-en nötig ist. Gerechterweise muss ich sagen, dass die Entwicklung der Rohdaten zum .JPG und dessen Speicherung auf der Karte in der Kamera ibs. bei Serienaufnahmen so schnell erfolgen muss, dass differenzierte Nachentwicklungen von rund 1 Minute pro Bilddatei, wie z.B. DxO sie mit zusätzlicher Korrektur der Fehler jeweiliger Objektive bietet, Verbesserungen erzielen, die dem allgemeinen Anwender mit anderen händischen Programmen nur aufwändig und schwer möglich sind.

Generell ist eine Aufnahme mit einem Belichtungsspielraum von ca. 10 Blendenstufen (das entspricht auch 10 EV/LW), bei größeren Unterschieden zwischen hellster und dunkelster Bildpartie kommt es zu Über- oder Unterbelichtungen, auch Ausfressen oder Absaufen genannt, die sich im Nachhinein nur schwer oder auch gar nicht mit rechnerischen Maßnahmen >ausbügeln< lassen.

Für unkritische Kontrastverhältnisse unterhalb dieses Belichtungsspielraums ist die kameraeigene Belichtungsmessung ein Segen, zumal sie brennweiten- weil objektivabhängig vorgenommen wird. Vorweg bleibt zu sagen, dass diese interne Messung nicht einfach durch einen externen Handbelichtungsmesser zu ersetzen ist.

Möchte ich hingegen ein bestimmtes Objekt oder eine Partie in der Aufnahme bevorzugt und regelrecht ausbelichtet haben, muss ich mich zum Objekt bewegen und dort eine Messung vornehmen. Dazu bedarf es einer Messeinrichtung und die kann auf zwei Arten eingesetzt werden, der >Objektmessung< von reflektiertem Licht direkt am Objekt ohne Diffusorkalotte oder auf eine 18% Graukarte oder vom Objekt zur Kamera gerichteten >Lichtmessung< wieder mit der weißen Kalotte. Mit diesen Messarten entfallen alle von der Kameraautomatik gebildeten Mittelwerte! Bei schwer zugänglichen Objekten wird die Messung an beleuchtungsgleichen Orten durchgeführt.

Abschließend ist zu sagen, dass moderne Belichtungsmesser auch noch sehr präzise das Blitzlicht erfassen können, dies gilt zudem auch für das vorhandene Restlicht im Studio oder draußen, wenn nur ein Aufhellblitz eingesetzt werden soll, um bildwichtige aber dunklere Partien besser zur Geltung zu bringen.

Beide im Folgenden beschriebenen Geräte wurde dankenswerterweise von der Firma GOSSEN – Made in Germany –  zur Verfügung gestellt:

Das DIGIPRO F ist ein 125g leichtes Messgerät für Licht- und Objektmessung, Blitzlicht und Blitzmehrfachkalkulation, Dauerlicht, Kontraste, Umgebungslichtanteile, mit programmierbarer Belichtungskorrektur, mit  25×50 mm großem Display, 5 Bedientaste in drei Gruppen und abnehmbarem Diffusor auf dem 180 Grad drehbarem Messkopf. Es wird von einer handelsüblichen 1,5V LR6 AA Batterie betrieben und schaltet nach 2 min Leerlauf ab. Es hat einen Kabelanschluss für die drahtgebundene Blitzauslösung.

Zur Bedienung der Tasten von links nach rechts:

Wertetasten  = W-Doppeltaste auf+ab zur Einstellung,  die mittlere M-Taste ist die Messwerttaste und die Funktionstasten = F-Doppeltaste sortieren nach links+rechts.

Zuerst ISO im Display mit F anwählen, danach mit W den ISO Wert erhöhen oder reduzieren

  • Blitzlichtmessung
    mit/ohne Synchronkabel: Blitzsymbol mit F  anwählen und die Synchro-Zeit mit W einstellen, z.B. 1/125sec, mit M kabelgebunden den Blitz auslösen oder M drücken und den Blitz auslösen. Zum rechten Zeitwert erscheint links der Blendenwert im Display.
  • Dauerlichtmessung:
    Für Zeitvorwahl mit F t anwählen und mit W die gewünschte Belichtungszeit einstellen – dann M kurz drücken, der Blendenwert erscheint links im Display zum rechts eingestellten Zeitwert.
  • Kontrastmessung:
    Wie vor mit F t anwählen, Motivteile anvisieren und M gedrückt halten, nach Loslassen erscheint der Gesamtkontrast mit Balken auf der Blendenskala.
  • Blendenvorwahl:
    Mit F f anwählen und mit W die gewünschte Blende einstellen, M kurz drücken, die Belichtungszeit erscheint im Display rechts zum links eingestellten Zeitwert.
  • Belichtungswertmessung:
    Mit F EV anwählen, M kurz drücken, der Belichtungswert EV erscheint im Display links, rechts die vorgeschlagene  Belichtungszeit und die Blende unten auf deren Skala.

Nach der ersten Eingewöhnung ist die Anwendung logisch und präzise, nicht nur weil die Ergebnisse numerisch mit großen Ziffern oder auf der unteren Blendenskala mit Balken angezeigt werden. Der DIGIPRO F liegt zudem gut in der Hand, der Daumen bedient die drei Tasten und die Synchronbuchse ist für die rechte Hand ideal links oben im Gehäuse platziert, hier lässt sich natürlich aus der Blitzanlagen Funkauslöser mit kurzen Kabel andocken!

Fazit: Ich empfehle den DIGIPRO F, wenn es um ein handliches und vielseitiges Gerät im täglichen Einsatz geht.

Für die Bergwanderung oder Flugreise und den Einsatz >aus der Tasche< hingegen konnte der DIGIFLASH überzeugen, ein (LxBxH) 50x75x20 mm kleines und 40g superleichtes Messgerät für (Aufhell-) Blitz- und Dauerlicht,  Alarm-, Uhr- und Timerfunktion und Temperaturanzeige, mit verschiebbarem Diffusor aber ohne Blitzkabelbuchse, dauerbetrieben von einer 3V CR 2032 Knopfbatterie, damit abschaltbar durch Herausnehmen derselben, wobei aber die Uhrzeitspeicherung verloren geht, Abschalten ist nach Info des Herstellers wegen des geringen Stromverbrauchs nicht sinnvoll, hier einige Anmerkungen zur Bedienung:

Neben dem (HxB) 13x18mm Display fällt der drehbare weiße Zeitring, der silberne Aufdruck der Blendenskala, ein winziges Mäuskino Einstellfenster für die Übertragung des gemessenen Lichtwert auf die Skalen und die Bedienung mit nur zwei Tasten auf, wobei die obere die Messwerttaste M ist und die unteren Funktionstasten F nach links+rechts sortieren – wie geht so was denn gut? Nach Eingewöhnung und weil die Funktion auf das Wesentliche reduziert ist,  mein uneingeschränktes JA!

Zu den einzelnen Möglichkeiten:

Zuerst ISO im Display mit der gehaltenen F-Taste anwählen, bis der Signalton ertönt, danach den ISO Wert mit der gedrückten M-Taste annähernd und mit Einzelklick präzise in 1/3 Stufen erhöhen oder mindern, mit gedrückter F-Taste bestätigen bis der Signalton wieder ertönt.

  • Die Dauerlichtmessung erfolgt entweder vom Objekt aus in Richtung Kamerastandpunkt  mit geschlossener Diffusorkappe (sog. Lichtmessung) oder mit offener Kappe direkt auf das Objekt, um das reflektierte Licht zu messen (sog. Objektmessung).
  • Für die (Studio-) Blitzlichtmessung muss zuvor die Synchronzeit eingestellt werden, dazu die F bis zum  Bestätigungston gedrückt halten, mit der M die gewünschte Synchronzeit von 1s bis 1/500sec wählen und mit der F bestätigen, den Blitz auslösen, den EV Wert ins Mäusekino übertragen und die passende Blende ablesen.
  • Die Messung der Werte für den Aufhellblitz erscheint mir mit 2 Schritten (Dauerlicht- und Blitzlichtmessung und Bewertung) etwas aufwändig, so dass ich den Weg über die Reduktion des Blitzes um bis zu 2 Stufen an der Kamera vorziehe.
  • Die Kontrastmessung entspricht der Dauerlichtmessung bei gedrückt gehaltener Messtaste, jedes weitere Drücken bei veränderter Visierung zeigt den veränderten Messwert an, ein ideales Vorgehen um abzuchecken, ob in dem geplanten Aufnahmebereich vorhandene Kontraste den Sensor überfordern würden.
  • Korrekturwerte lassen sich nach dem Wiedereinsetzen der Batterie einstellen. Ich habe meinen Korrekturwert für die Belichtung (-1/2 Blende) dauerhaft an der Kamera eingestellt.

Fazit: Ich empfehle den DIGIFLASH, wenn es um ein sehr handliches sowie sehr leichtes und mit den notwendigen Funktionen ausgestattetes immer dabei Gerät für den gelegentlichen Einsatz geht.

…wird fortgesetzt

(c) www.slowfoto.de

Belichtungsmessung aktuell – Licht und Messung Teil 1

Belichtungsmessung am Beispiel der Canon EOS 5D Mark II

EOS 5D II EF 28-135 IS f53mm ISO 100 F32 1/1350sec -1/2LW Integral Distanz 95m Snapshot DxO  D Treysa Bahnhof 17:21 – weitere 52 Bildbeispiele für ausgeglichene und bewußt stark oder knapp belichtete Aufnahmen finden sich in der Kategorie >slowfotos der Woche<:

https://slowfoto.wordpress.com/category/s-l-o-w-f-o-t-o-der-woche/

Meine erste Kleinbildkamera aus 1960 hatte am 50mm Objektiv einen Ring, um die Entfernung von 50cm bis unendlich einzustellen, einen zweiten für den Blendewert 2.8 bis 16 und ein Drehrädchen am Gehäuse für die Belichtungszeiten von 1/500 Sekunde bis zur Langzeitbelichtung B, die den Verschluss solange aufhielt wie auf den Auslöser gedrückt wurde. Belichtung und Entfernung wurden mit einem zusätzlichen Belichtungs-bzw. Schnittbildentfernungsmesser bestimmt oder in der Regel meist geschätzt (´ne Hundertstel bei Blende 8, wenn die Sonne lacht…) und der damals verwendete Schwarzweißfilm verzieh vieles, den Rest ergänzte die Dunkelkammer mit der korrigierenden Ausbelichtung des Fotopapiers und einer speziellen Entwicklung, auch unter direkter Sicht im rotem Licht der Dunkelkammerlampe.

Heute bietet die digitale Spiegelreflex (dSLR) die Qual der Wahl zwischen vier Lichtmesscharakteristiken, hier am Beispiel der Canon EOS 5D MKII:

  • Mehrfeldmessung
  • mittenbetonte Integralmessung
  • selektive Messung
  • Spotmessung

Bei der Mehrfeldmessung wird der gesamte Bildausschnitt des sichtbaren Bildes ausgemessen und bewertet: Damit steht für nicht übermäßig kontrastreiche Lichtsituationen ein Ergebnis der Lichtmessung zur Verfügung, das einen Mittelwert aus allen absorbierenden und reflektierenden Lichtwerten der im Sucher angezeigten Aufnahme bildet.

Die mittenbetonte Integralmessung legt den Messschwerpunkt in einen größeren zentralen Bereich und bewertet den Rest des Bildfeldes integral.

Die Selektivmessung eignet sich vor allem, wenn das wichtige Motiv deutlich heller oder dunkler ist als die Umgebung oder der Hintergrund, es werden nur rund 8% des zentralen Sucherbildes für die Messung bewertet.

Die Spotmessung geht noch einen Schritt weiter und beschränkt die Messung auf rund 4% des zentralen Sucherfeldes.

Der allgemeine Landschafts- und Objektfotograf stellt sich nach meiner Erfahrung mit der Mehrfeld- oder mittenbetonten Integralmessung am besten, allerdings ist das wesentliche Bildobjekt nicht immer in der langweiligen Bildmitte, weshalb ich entweder die Mehrfeldmessung oder die mittenbetonte Integralmessung mit Messwertspeicherung nutze. Je nach Motiv gibt es erkennbare bis keine Unterschiede in der Messung.

Je kleiner der Messbereich gewählt ist, desto stärker kann der Messwert variieren. Werden kleinere Bildwinkel (Telebrennweiten) und bewegte Objekte auch in Bildserien aufgenommen, sind selektive oder Spotmessungen im Vorteil, weil diese bildwichtige Motivanteile besser berücksichtigen. Solche Voreinstellungen lassen sich sinnvollerweise in den Customprogrammen vorabspeichern.

Will ich ein spezielles Objekt richtig ausbelichtet haben, verwende ich einen kleinen Trick: Entweder zoome ich diesen Bereich für die Lichtmessung nahe heran und speichere diesen Belichtungswert (gedrückte Sternchentaste oder halbgedrückter Auslöser) oder ich gehe näher ans Objekt und dort in gleicher Weise vor, das ist die sog. Objektmessung auf das Motiv oder auch in Richtung zur Kamera.

Dies kann am Ort der Begierde auch professionell mit einem Handbelichtungsmesser wie dem Klassiker Lunasix des Nürnberger Herstellers Gossen aus den siebziger Jahren erfolgen, die heutigen Modelle sind (ein Vergleich von Digipro F und Digiflash folgen):

  • Starlite 2 als Spitzenmodell (um € 570.-) misst alles an Blitz-, Dauer – und Umgebungslicht bis zu einer Stunde in der Astrofotografie,
  • Digipro F (um € 280.-) misst wie vor als handliches Gerät mit vielfacher Anzeige, nur nicht ganz so lange,
  • Digiflash (um € 190.-), kaum größer und schwerer als eine Streichholzschachtel, überzeugt durch Handlichkeit, misst Blitz- und Dauerlicht und zeigt noch viel mehr an,
  • Digisix (um € 155.-) misst Dauerlicht wie vormals der Lunasix 3.

Wesentlich ist die richtige Belichtung, die keine bildwichtigen Details verliert, zu hell überstrahlte und damit ausgefressene Bereiche ohne Zeichnung gehören ebenso dazu wie zu dunkle, abgesoffene und somit undurchdringliche Schattenpartien: Der amerikanische Landschaftsfotograf Ansel ADAMS lehnt sich mit seinem neunstufigen >Zonen-System< stark an den für Menschen ohne Adaptation erfassbaren Lichtkontrastumfang an.

Was wird denn letztlich genau gemessen? Für unser Auge sichtbares Licht besteht aus absorbierten und reflektierten Anteilen des Sonnenlichtes, nachdem es auf Flächen aufgetroffen ist. Der Kontrastumfang in der Natur wird in zwanzig sogenannten Lichtwerten (LW, international E für Exposure Value) gemessen. Das menschliche Auge kann ohne weitere Adaptation und gleichzeitig einen Kontrastumfang von etwa zehn Lichtwerten bewältigen, der aktuelle digitale Kamerasensor ist hierbei wie der Diafilm unterlegen, der Farbnegativfilm kann dies etwas besser. Für gut durchgezeichnete Aufnahmen ist also eine präzise und auf die bildwichtigen Partien abgestimmte Belichtungsmessung unbedingt nötig.

Der gemessene Lichtwert gibt einen Hinweis auf die vorhandene Helligkeit in Abhängigkeit zur Bezugsgröße Empfindlichkeit. Deren Wert wird in ISO ausgedrückt, wobei ISO 200 doppelt so empfindlich ist wie ISO 100. Moderne dSLR arbeiten mit ISO 50 bis etwa ISO 6.400, wobei die höheren Empfindlichkeiten nicht durch Adaptation wie beim menschlichen Auge, sondern durch schlichte elektrische Verstärkung erreicht werden: Nachteil hierbei ist ein sichtbar zunehmendes Bildrauschen, das bei kompakten Digitalen mit kleinem Sensor schon ab etwa ISO 400 die Aufnahmen verunziert. Der größere Sensor der dSLR ist hier im Vorteil, weil lichtarme Situationen durchaus und zufriedenstellend auch mit ISO 3200 aufgenommen werden können.

Der LW 1 entspricht dabei einer Lichtmenge für eine korrekte Aufnahme mit dem Blendenwert 1 und einer Sekunde Belichtungszeit, in folgendem Beispiel gewählt in Bezug auf ISO 100:

  • LW 6 bei ISO 100 ( 1/8 sec bei Blende 2.8) entspricht LW 7 bei ISO 200 (1/15 sec bei Blende 2.8 oder 1/8 sec bei Blende 4),
  • die gleiche Belichtung wird durch Halbierung oder Verdopplung der Verschlusszeit in Verbindung mit Öffnen oder Schließen der Blende um jeweils eine Stufe erreicht.

Einstellungen

Welchen Einfluss hat die Messung vorhandenen Lichtes auf die Aufnahmetechnik mit einer modernen digitalen Spiegelreflex wie der EOS 5D MKII? Wie gehe ich möglichst komfortabel und zeitsparend vor? Dazu einige Einstellungen, die nur als persönliche Anhaltspunkte zu bewerten sind und keinesfalls Allgemeingültigkeit haben, jeder Fotograf muss seine Parameter für die Aufnahmesituationen verstehen oder im Zweifelsfall auf die angebotenen Automatiken zurückgreifen und damit auf wertvolle Einflussmöglichkeiten verzichten.

1.  Vor jeder Aufnahmesituation muss der zweckmäßige Brennweitenbereich gewählt werden, ich verwende regelmäßig ein 2.8 16-35mm oder mit Anfangsblende 4 als IS-Zoom 24-105mm, 28-135mm oder 70-200mm Zoom. Dieser Blendenwert 4 ist weder berauschend noch mit denen von lichtstarken Festbrennweiten zu vergleichen, dafür sind diese Zoome noch im mittleren Preissegment.
2.  Als nächster Schritt erfolgt die erste Probebelichtungsmessung, um die sinnvolle Empfindlichkeitseinstellung abzuschätzen. Auf Grund der rauscharmen Vollformat-Sensoren kann ich im Regelfall auf Werte unter ISO 200 verzichten und bedenkenlos bis ISO 800 nutzen. Bietet die Kamera (wie hier die 5DMKII) auch eine ISO Automatik, kann diese mit kontrollierter Anzeige im Sucher gewinnbringend genutzt werden, um noch schneller und ohne Umstellung am Kamerabody die Aufnahme auf die Speicherkarte zu bringen. Diese Kamera wählt bei gutem Tageslicht ISO 100 und in kleinen Schritten eine höhere Empfindlichkeit bis hin zu ISO 3200, wenn die blaue Stunde in die Nacht übergeht.
3.  Viele Aufnahmen erfolgen in den Programmen [Tv = Time Value) mit einer voreingestellten Belichtungszeit von 1/250 sec und kürzer, um auch bei bewegten Objekten etwas Sicherheit zu haben oder Bildwichtiges vor dem Hintergrund besser freizustellen. Längere vorgewählte Belichtungszeiten von 1/60 sec und darunter lassen Bewegungsunschärfen zu, wenn man z.B. einen Gitarristen oder Schlagzeuger >in action< darstellen will.
4.  Für Fotografie mit Augenmerk auf ruhige Areale wähle ich [Av = Aperture Value] mit einer voreingestellten Blende von 8 und mehr, um entsprechende Schärfentiefen zu erreichen. Will ich hingegen den Vorder- und Hintergrund maximal freistellen, also möglichst unscharf wiedergeben, verwende ich dafür offene Blendenwerte wie 4.
5.  Das [M = Meisterprogramm] mit ausschließlich manuell eingestellten Werten ist z.B. ideal für Nahfotografie mit Blitzlicht: ISO 200 und 1/200sec als kürzeste Blitzsynchronzeit zur Vermeidung von Fremdlicht – Blende 19 bis 22 für maximal genutzte Schärfentiefe. Zudem verwende ich dieses Programm auch für Blitzanlagen.
6.  Least and last ein Wort zur Bildgröße, fälschlicherweise und immer wieder auch Qualität genannt: Mann muss nicht immer mit 21 Millionen Pixel 5 MB große Bilddateien bauen, wenn man sehr sorgfältig per Sucherscheibe mit Gitternetz arbeitet und die Bildkomposition mit Gedanken an die Dia-Fotografie aufbaut, also nach der Aufnahme nichts mehr von den Bildrändern abschneiden muss. In der Sportfotografie oder bei bewegten Motiven mit Bildserien ist das anders…
7.  Der Weißabgleich (WB) ist abhängig von der Werkseinstellung für die Farbwiedergabe, nach langen Testreihen und in Anlehnung an die kompetente Beratung professioneller Fotografen wähle ich das Parameter >Natürlich< mit jeweils Plus 1 für Farbintensität und Sättigung oder auch >Snapshot< aus den zusätzlichen neuen Canon Bildstilen. Für kontinuierliche Blitzaufnahmen bzw. Aufnahmen, die ausschließlich vom Blitzlicht ausgeleuchtet werden, kann die Einstellung >Flash< oder ein entsprechendes Filter vor der Blitzröhre (z.B. Lee-Folien im Diffusor) das harte und etwas kalte Blitzlicht wärmer und weicher gestalten. Wird das Blitzlicht hingegen >nur< zur partiellen Aufhellung verwendet, regelt WB >auto< die Farbwiedergabe besser.
8.  Die Aufnahmen speichere ich regelmäßig im Format JPG, bei im Kontrastumfang sichtbar kritischen Situationen auch als zusätzliche RAW Datei. Um überbelichtete Bildpartien zu vermeiden und gleichzeitig noch etwas sattere Farben zu erhalten, stelle ich die Belichtung auf minus ½ Blendenstufe. In der selektiven Nachbearbeitung von JPG Aufnahmen am PC sind dunklere Partien einfacher aufzuhellen als zu helle abzudunkeln, das RAW Format bietet hier viel mehr Möglichkeiten, auch die der Mehrfachentwicklung mit unterschiedlichen Belichtungen (-2 0 +2 Blendenstufen) und anschließender Verrechnung im Sinne einer gepuschten HDR (High Dynamic Range) Aufnahme.

Fazit

Für meine Ansprüche an die mobile availible light Fotografie sind die Lichtmessungen der modernen dSLR Kamera i.d.R. ideal, wobei ich grundsätzlich integral messe oder per bildmäßiger Voreinstellung ausgewählte mittenbetonte Messwerte speichere, die 5D II bietet zudem einen von kompakten Digitalen bekannten und gerne genutzten Live-View-Modus an, der z.B. mit angekoppeltem Notebook (samt farbkalibriertem Bildschirm) eine hervorragende Möglichkeit der präzisen Vorbeurteilung zu erstellender Aufnahmen. Für spezielle Motive mit hohen Kontrasten ist allerdings eine Objektmessung fernab vom Kamerastandpunkt nötig, dazu später mehr.

Alles in allem bieten moderne digitale Spiegelreflexkameras eine Fülle an nützlichen Hilfen, die nach vorgenommener Einstellung und Eingewöhnung den Arbeitsablauf auf ein Minimum verkürzen und die Ausschussquote drastisch reduzieren. Automatisierte Motivprogramme beinhalten unter anderem auch die Farben verändernde Parameter und sind deshalb für mich deshalb ohne Bedeutung, auch wenn sie in guten Lichtsituationen sogenannte schöne Kalenderbilder erzeugen mögen.

…wird mit einem Bericht über externe Handbelichtungsmesser fortgesetzt!

(c) www. s l o w f o t o .de