Bücher die sich lohnen – Langzeitbelichtung und Nachtfotografie

Ronny RITSCHEL – Langzeitbelichtung und Nachtfotografie

Verlag http://www.mitp.de ISBN 978-3-8266-9210-9 €34,95

68 Seiten Basics aus der Erfahrung des Hamburger Fotografen werden verständlich erklärt, es folgt die mehrstufige und sehr persönliche Sichtweise vom Aufnahmeprozess – sowohl ohne als auch mit dem Graufilter! >Das Buch sprüht gerade vor Subjektivität< meint der Autor und genau das ist gut so, keine überall zu findenden Allgemeinplätze, sondern knallharte Statements zu den Abbildungen, man kann da auch mal anderer Meinung sein, aber Ritschel`s Linie ist so konstant wie ein LED Strahl:

Gerade mal eine halbe Seite Text widmet RR sich selbst, schon geht es zum Gestaltungsmittel Langzeitbelichtung, Bewegungsunschärfe und Dynamik, jeweils mit entsprechenden Abbildungen hinreichend erklärt.

Die Ausrüstung findet sich auf 15 Seiten, mit eindeutigen Empfehlungen, was man nicht kaufen soll, lieber wenig und das sehr gut! Beim Objektiv geht der Vorzug eindeutig in Richtung weiter Winkel, wegen der tieferen Schärfenbereiche bereits ab geringen Blendenwerten und der besonderen Eignung für auch mehrere Filter übereinander. Lichtstark kann, muss es aber nicht zwingend sein, Pixel im Randbereich werden auch nicht gezählt 🙂

Die nächsten 10 Seiten widmet RR der Kamera, wobei die schnelle Bildfolge unwichtiger als deren Bulb Modus ist. Selten habe ich eine so knappe aber vollverständliche Erklärung des Histogramm gefunden, weitere 7 Seiten beschreiben den Bildausschnitt und die Fokussierung ohne jegliches Filter, dann den Aufnahmemodus samt passendem ISO Wert.

Kapitel 5 bezeichnet die 1/20 sec schon als Langzeit-Belichtung, sicher oft ein Equipment abhängiger Grenzwert für den Stativeinsatz, der bei 80sec unstrittig notwendig ist, wenn ND-Filter zum Einsatz kommen. Kapitel 6 zeigt die unterschiedlichen Einstellungen für Motive von Landschaft, Urban und Architektur auf, jeweils und wie immer von klar definierten Abbildungen begleitet.

In Kapitel 7 geht es dann um die Nacht, von der blauen Stunde bis hin zur kompletten Dunkelheit mit 12 Minuten Belichtungszeit. Kapitel 8 ist wieder ein technisches, die bevorzugte Ausrüstung und deren Anwendung betreffend, mit umfangreichen Erläuterungen, die man zum besseren Verständnis sogar zu Beginn des Buches lesen sollte. Kapitel 9 zeigt die geeigneten Motive in beeindruckenden Aufnahmen!

In Kapitel 10 stellt der Autor die Frage nach Farbe oder Schwarz Weiß und präsentiert in augenfälligen Beispielen beide Ergebnisse, mit jeweiligen Vorzügen, hier wird der persönliche Geschmack zum tragenden Element. Ich sehe die vom Motiv und der Stimmung abhängige Aussage als Hinweis, welche nachträgliche Bearbeitung die bessere werden kann: die Darstellung einer nebeligen Landschaftsaufnahme verträgt m.E. eine poppige Betonung der Farben weniger, die Nachtaufnahme muss nicht immer nur in SW sein. 

Kapitel 11 beinhaltet die Bildbearbeitung auf über 75 Seiten, mit einem Vergleich von Lightroom zu Photoshop mit sehr ähnlichen Resultaten. Kapitel 12 zeigt eine Abbildung: Alles hat ein Ende…

16mm ISO50 202sec Stativ

Alexander Dacos spricht von >geschwätzigen Farben als Gestaltungselement< und bevorzugt Schwarz-Weiß, Ronny Rietschel von >störenden, unwichtigen Details, die den Blick des Betrachters ablenken< (S.23) und meint Langzeitbelichtungen, der englische Schriftsteller Leigh Hunt meint >Farben sind das Lächeln der Natur< – jeder hat auf seine Weise Recht für die jeweiligen interessanten Vorgehensweisen! 

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(c) slowfoto.de

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Bücher die sich lohnen

beide Publikationen

Alexander DACOS  Digitale Schwarz-Weiss Fotografie  ISBN 978-3-95845-692-1    240 Seiten 12,5cm x 18,5cm  €19,99  www.mitp.de Edition Fotohits

SW Fotografien geht der Ruf voran, zeitlos zu sein. Was zu Beginn der Fotografie ein Must war, ist heute zur Lust geworden: Die Grundsätze für gute Aufnahmen sind hingegen gleich geblieben. Der Wegfall von geschwätzigen Farben als Element der Gestaltung steht ein anderer Anspruch gegenüber: Licht und Schatten, geometrische und fließende Areale sind für den notwendigen Bildausdruck maßgeblich. Wie immer (ent-) steht das Bild am Anfang und zwischen den Ohren. Die moderne digitale Kamera verfügt über Live-View und damit kann die Wirkung von Farbe oder Schwarz-Weiß präzise kontrolliert werden, auch am Händy z.B. auf dem großen Kontrollbildschirm mit z.B. der App [CameraNoir]. Aufnahmen erstelle ich dennoch regelmäßig zunächst in RAW und SW, um sie später nachentwickeln zu können, der Autor erklärt das so (Zitat): wie Sie Ihre Bilder mit nur wenigen Klicks und einigen Tricks mithilfe von Photoshop, Lightroom oder Ihrem RAW-Konverter in moderne und ausdrucksstarke Schwarz-Weiß-Bilder umwandeln. Kritik: S.210 schade, dass hier (nur) die Kamera scharf abgebildet ist Jdas Buch lohnt allemal und sorgt für viele Stunden wertiger Beschäftigung, vielleicht auch länger? 

Dacos beginnt mit dem Ursprung der Fotografie (= Zeichnen mit dem Licht der Himmelskörper), dem gesellschaftlichen Stellenwert, den geschwätzigen Farben, Denken und Sehen in Schwarz Weiß, erklärt Licht und Schatten in der jeweiligen Wirkung, den Wert von graphischen Bildelementen, der Struktur und Symmetrie in der Komposition, behandelt kurz die SW-Kamera (Leica M) und kurz die schlichten Farbfilter samt Tonung in den Kameras, eher lang die digitale Dunkelkammer (im Vergleich zur nassen), deren immenser Einfluss hinsichtlich der Farbkanäle anstelle vorgegebener Filter und die Präsentation in der Öffentlichkeit mit wertigen Hinweisen.

Fazit: RAW plus JPG zum sofortigen Beurteilen, was die digitale Kamera betrifft, aufwendige und gekonnte (Nach-) Bearbeitung am PC und als Ziel ein beeindruckendes Bild! RAW vom iPhone exportiert man mit Airdrop. Die unspektakuläre SW Bearbeitung mit Snapseed erfolgt u.a. mit allen SW Filtern oder per Photoshop Elements -> Überarbeiten -> in SW konvertieren mit 6 Vorgaben samt Infrarot und RGB und Kontrast Intensitätsregler.

Nebenbei, meine >alte< 12,7MPI EOS 5D hatte ich bisher nur noch für SW-Aufnahmen verwendet, nun aber die Einstellungen etwas aktualisiert: RAW (für alle Fälle) und JPG im Bildstil [schwarz/weiß] weder Filter noch Effekt, Schärfe 0 Kontrast +2 bei ISO 800 und +-0EV für knackige SW-Aufnahmen, die nur noch wenig Nachbearbeitung erfahren! Entdeckung nebenbei an der EOS 6D mit ISO [auto]: Für reine SW Dateien reichen i.d.R. geringere ISO Empfindlichkeiten, für die gleiche Aufnahme in Farbe benötigt der Sensor höhere Werte! Ob das parallel zu unserem Nachtsehen mit dem Auge läuft?

Seite 210

Michael FRYE Digitale Landschaftsfotografie ISBN 978-3-95845-238-1
176 Seiten  21cm x 23,5cm €29,99  www.mitp.de Edition Profi-Foto

An eigenen und fremden Fotografien erklärt Michael Frye >die Kunst des Sehens, die Bedeutung des Lichts, der digitalen Dunkelkammer und des Drucks< versetzt mit eingängigen Zitaten: Es gibt nichts Schlimmeres als ein scharfes Bild eines verschwommenen Konzepts – Zitat Ansel Adams. Frye begann mit Diafilm, die richtige Belichtung zeigte sich erst später im Lichtkasten. Der Trommelscanner ersetzte zunächst die schlichten Digitalkameras, die Scans wurden mit Photoshop bearbeitet. RAW Dateien dienten später als Rohdateien, kreative Augen waren immer gefordert. Kunst kann man nicht einfach lernen, sondern nur mit viel Training eigene Fähigkeiten verbessern. Dazu wird jeder Schritt mit entsprechend ausgewählten Abbildungen erklärt. So kann aus der ersten Vorstellung ein Ergebnis werden, wenn man die Techniken beherrscht… also kein Werk für Anfänger, auch der Engagierte sollte viel Zeit aufbringen, denn die Anforderungen sind hoch, die Ergebnisse dafür erstklassig und zeitlos.

Frye erläutert mit immensem bildlichem Aufwand und dazu korrelierenden Zitaten Bildqualität, Schärfenkontrolle, Filter, Weißabgleich (ibs. nachträglich bei den RAW Dateien und dort nach dem gewonnenen Eindruck), Belichtung samt Histogramm in Hinblick auf Licht und Schatten, also der Lichtwirkung, und Licht und dessen Komposition als die Kunst des Sehens einer einzufangenden Stimmung, die anschließende digitale Dunkelkammer mit dem Ablauf der Bearbeitung und dem Druck und schließt mit einem Fazit mit Zitaten und eindrucksvollen Aufnahmen!

Nebenbei, meine >neue< 19,9MPI EOS 6D habe ich bisher ibs. bei wenig Licht bevorzugt für Farbaufnahmen verwendet (die 21MPI EOS 5DII rauscht früher) und die Einstellungen ebenfalls aktualisiert: RAW (für alle Fälle) und JPG im Bildstil [Natürlich] 0 1 1 0 bei ISO auto bis 25.600 und -1/2 EV für farblich korrekte Aufnahmen, die ebenfalls nur noch wenig Nachbearbeitung erfahren!

S. 55 El Capitan

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Barbara klebt

>Verboten schön!< schreibt die Süddeutsche Zeitung,

ichwillanonymbleiben
ichwillanonymbleiben

ich habe das Buch (LUEBBE ISBN 978-3-7857-2579-5) als Geschenk genossen, danke – Du weißt schon wen ich meine 🙂

unddabeideutlich!
unddabeideutlich!

Barbara (whozefuckisbarbara?) kommentiert, klebt und fotografiert: Kritische Unterhaltung ist garantiert!

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