Belichtungsmessung aktuell – Licht und Messung Teil 1

Belichtungsmessung am Beispiel der Canon EOS 5D Mark II

EOS 5D II EF 28-135 IS f53mm ISO 100 F32 1/1350sec -1/2LW Integral Distanz 95m Snapshot DxO  D Treysa Bahnhof 17:21 – weitere 52 Bildbeispiele für ausgeglichene und bewußt stark oder knapp belichtete Aufnahmen finden sich in der Kategorie >slowfotos der Woche<:

https://slowfoto.wordpress.com/category/s-l-o-w-f-o-t-o-der-woche/

Meine erste Kleinbildkamera aus 1960 hatte am 50mm Objektiv einen Ring, um die Entfernung von 50cm bis unendlich einzustellen, einen zweiten für den Blendewert 2.8 bis 16 und ein Drehrädchen am Gehäuse für die Belichtungszeiten von 1/500 Sekunde bis zur Langzeitbelichtung B, die den Verschluss solange aufhielt wie auf den Auslöser gedrückt wurde. Belichtung und Entfernung wurden mit einem zusätzlichen Belichtungs-bzw. Schnittbildentfernungsmesser bestimmt oder in der Regel meist geschätzt (´ne Hundertstel bei Blende 8, wenn die Sonne lacht…) und der damals verwendete Schwarzweißfilm verzieh vieles, den Rest ergänzte die Dunkelkammer mit der korrigierenden Ausbelichtung des Fotopapiers und einer speziellen Entwicklung, auch unter direkter Sicht im rotem Licht der Dunkelkammerlampe.

Heute bietet die digitale Spiegelreflex (dSLR) die Qual der Wahl zwischen vier Lichtmesscharakteristiken, hier am Beispiel der Canon EOS 5D MKII:

  • Mehrfeldmessung
  • mittenbetonte Integralmessung
  • selektive Messung
  • Spotmessung

Bei der Mehrfeldmessung wird der gesamte Bildausschnitt des sichtbaren Bildes ausgemessen und bewertet: Damit steht für nicht übermäßig kontrastreiche Lichtsituationen ein Ergebnis der Lichtmessung zur Verfügung, das einen Mittelwert aus allen absorbierenden und reflektierenden Lichtwerten der im Sucher angezeigten Aufnahme bildet.

Die mittenbetonte Integralmessung legt den Messschwerpunkt in einen größeren zentralen Bereich und bewertet den Rest des Bildfeldes integral.

Die Selektivmessung eignet sich vor allem, wenn das wichtige Motiv deutlich heller oder dunkler ist als die Umgebung oder der Hintergrund, es werden nur rund 8% des zentralen Sucherbildes für die Messung bewertet.

Die Spotmessung geht noch einen Schritt weiter und beschränkt die Messung auf rund 4% des zentralen Sucherfeldes.

Der allgemeine Landschafts- und Objektfotograf stellt sich nach meiner Erfahrung mit der Mehrfeld- oder mittenbetonten Integralmessung am besten, allerdings ist das wesentliche Bildobjekt nicht immer in der langweiligen Bildmitte, weshalb ich entweder die Mehrfeldmessung oder die mittenbetonte Integralmessung mit Messwertspeicherung nutze. Je nach Motiv gibt es erkennbare bis keine Unterschiede in der Messung.

Je kleiner der Messbereich gewählt ist, desto stärker kann der Messwert variieren. Werden kleinere Bildwinkel (Telebrennweiten) und bewegte Objekte auch in Bildserien aufgenommen, sind selektive oder Spotmessungen im Vorteil, weil diese bildwichtige Motivanteile besser berücksichtigen. Solche Voreinstellungen lassen sich sinnvollerweise in den Customprogrammen vorabspeichern.

Will ich ein spezielles Objekt richtig ausbelichtet haben, verwende ich einen kleinen Trick: Entweder zoome ich diesen Bereich für die Lichtmessung nahe heran und speichere diesen Belichtungswert (gedrückte Sternchentaste oder halbgedrückter Auslöser) oder ich gehe näher ans Objekt und dort in gleicher Weise vor, das ist die sog. Objektmessung auf das Motiv oder auch in Richtung zur Kamera.

Dies kann am Ort der Begierde auch professionell mit einem Handbelichtungsmesser wie dem Klassiker Lunasix des Nürnberger Herstellers Gossen aus den siebziger Jahren erfolgen, die heutigen Modelle sind (ein Vergleich von Digipro F und Digiflash folgen):

  • Starlite 2 als Spitzenmodell (um € 570.-) misst alles an Blitz-, Dauer – und Umgebungslicht bis zu einer Stunde in der Astrofotografie,
  • Digipro F (um € 280.-) misst wie vor als handliches Gerät mit vielfacher Anzeige, nur nicht ganz so lange,
  • Digiflash (um € 190.-), kaum größer und schwerer als eine Streichholzschachtel, überzeugt durch Handlichkeit, misst Blitz- und Dauerlicht und zeigt noch viel mehr an,
  • Digisix (um € 155.-) misst Dauerlicht wie vormals der Lunasix 3.

Wesentlich ist die richtige Belichtung, die keine bildwichtigen Details verliert, zu hell überstrahlte und damit ausgefressene Bereiche ohne Zeichnung gehören ebenso dazu wie zu dunkle, abgesoffene und somit undurchdringliche Schattenpartien: Der amerikanische Landschaftsfotograf Ansel ADAMS lehnt sich mit seinem neunstufigen >Zonen-System< stark an den für Menschen ohne Adaptation erfassbaren Lichtkontrastumfang an.

Was wird denn letztlich genau gemessen? Für unser Auge sichtbares Licht besteht aus absorbierten und reflektierten Anteilen des Sonnenlichtes, nachdem es auf Flächen aufgetroffen ist. Der Kontrastumfang in der Natur wird in zwanzig sogenannten Lichtwerten (LW, international E für Exposure Value) gemessen. Das menschliche Auge kann ohne weitere Adaptation und gleichzeitig einen Kontrastumfang von etwa zehn Lichtwerten bewältigen, der aktuelle digitale Kamerasensor ist hierbei wie der Diafilm unterlegen, der Farbnegativfilm kann dies etwas besser. Für gut durchgezeichnete Aufnahmen ist also eine präzise und auf die bildwichtigen Partien abgestimmte Belichtungsmessung unbedingt nötig.

Der gemessene Lichtwert gibt einen Hinweis auf die vorhandene Helligkeit in Abhängigkeit zur Bezugsgröße Empfindlichkeit. Deren Wert wird in ISO ausgedrückt, wobei ISO 200 doppelt so empfindlich ist wie ISO 100. Moderne dSLR arbeiten mit ISO 50 bis etwa ISO 6.400, wobei die höheren Empfindlichkeiten nicht durch Adaptation wie beim menschlichen Auge, sondern durch schlichte elektrische Verstärkung erreicht werden: Nachteil hierbei ist ein sichtbar zunehmendes Bildrauschen, das bei kompakten Digitalen mit kleinem Sensor schon ab etwa ISO 400 die Aufnahmen verunziert. Der größere Sensor der dSLR ist hier im Vorteil, weil lichtarme Situationen durchaus und zufriedenstellend auch mit ISO 3200 aufgenommen werden können.

Der LW 1 entspricht dabei einer Lichtmenge für eine korrekte Aufnahme mit dem Blendenwert 1 und einer Sekunde Belichtungszeit, in folgendem Beispiel gewählt in Bezug auf ISO 100:

  • LW 6 bei ISO 100 ( 1/8 sec bei Blende 2.8) entspricht LW 7 bei ISO 200 (1/15 sec bei Blende 2.8 oder 1/8 sec bei Blende 4),
  • die gleiche Belichtung wird durch Halbierung oder Verdopplung der Verschlusszeit in Verbindung mit Öffnen oder Schließen der Blende um jeweils eine Stufe erreicht.

Einstellungen

Welchen Einfluss hat die Messung vorhandenen Lichtes auf die Aufnahmetechnik mit einer modernen digitalen Spiegelreflex wie der EOS 5D MKII? Wie gehe ich möglichst komfortabel und zeitsparend vor? Dazu einige Einstellungen, die nur als persönliche Anhaltspunkte zu bewerten sind und keinesfalls Allgemeingültigkeit haben, jeder Fotograf muss seine Parameter für die Aufnahmesituationen verstehen oder im Zweifelsfall auf die angebotenen Automatiken zurückgreifen und damit auf wertvolle Einflussmöglichkeiten verzichten.

1.  Vor jeder Aufnahmesituation muss der zweckmäßige Brennweitenbereich gewählt werden, ich verwende regelmäßig ein 2.8 16-35mm oder mit Anfangsblende 4 als IS-Zoom 24-105mm, 28-135mm oder 70-200mm Zoom. Dieser Blendenwert 4 ist weder berauschend noch mit denen von lichtstarken Festbrennweiten zu vergleichen, dafür sind diese Zoome noch im mittleren Preissegment.
2.  Als nächster Schritt erfolgt die erste Probebelichtungsmessung, um die sinnvolle Empfindlichkeitseinstellung abzuschätzen. Auf Grund der rauscharmen Vollformat-Sensoren kann ich im Regelfall auf Werte unter ISO 200 verzichten und bedenkenlos bis ISO 800 nutzen. Bietet die Kamera (wie hier die 5DMKII) auch eine ISO Automatik, kann diese mit kontrollierter Anzeige im Sucher gewinnbringend genutzt werden, um noch schneller und ohne Umstellung am Kamerabody die Aufnahme auf die Speicherkarte zu bringen. Diese Kamera wählt bei gutem Tageslicht ISO 100 und in kleinen Schritten eine höhere Empfindlichkeit bis hin zu ISO 3200, wenn die blaue Stunde in die Nacht übergeht.
3.  Viele Aufnahmen erfolgen in den Programmen [Tv = Time Value) mit einer voreingestellten Belichtungszeit von 1/250 sec und kürzer, um auch bei bewegten Objekten etwas Sicherheit zu haben oder Bildwichtiges vor dem Hintergrund besser freizustellen. Längere vorgewählte Belichtungszeiten von 1/60 sec und darunter lassen Bewegungsunschärfen zu, wenn man z.B. einen Gitarristen oder Schlagzeuger >in action< darstellen will.
4.  Für Fotografie mit Augenmerk auf ruhige Areale wähle ich [Av = Aperture Value] mit einer voreingestellten Blende von 8 und mehr, um entsprechende Schärfentiefen zu erreichen. Will ich hingegen den Vorder- und Hintergrund maximal freistellen, also möglichst unscharf wiedergeben, verwende ich dafür offene Blendenwerte wie 4.
5.  Das [M = Meisterprogramm] mit ausschließlich manuell eingestellten Werten ist z.B. ideal für Nahfotografie mit Blitzlicht: ISO 200 und 1/200sec als kürzeste Blitzsynchronzeit zur Vermeidung von Fremdlicht – Blende 19 bis 22 für maximal genutzte Schärfentiefe. Zudem verwende ich dieses Programm auch für Blitzanlagen.
6.  Least and last ein Wort zur Bildgröße, fälschlicherweise und immer wieder auch Qualität genannt: Mann muss nicht immer mit 21 Millionen Pixel 5 MB große Bilddateien bauen, wenn man sehr sorgfältig per Sucherscheibe mit Gitternetz arbeitet und die Bildkomposition mit Gedanken an die Dia-Fotografie aufbaut, also nach der Aufnahme nichts mehr von den Bildrändern abschneiden muss. In der Sportfotografie oder bei bewegten Motiven mit Bildserien ist das anders…
7.  Der Weißabgleich (WB) ist abhängig von der Werkseinstellung für die Farbwiedergabe, nach langen Testreihen und in Anlehnung an die kompetente Beratung professioneller Fotografen wähle ich das Parameter >Natürlich< mit jeweils Plus 1 für Farbintensität und Sättigung oder auch >Snapshot< aus den zusätzlichen neuen Canon Bildstilen. Für kontinuierliche Blitzaufnahmen bzw. Aufnahmen, die ausschließlich vom Blitzlicht ausgeleuchtet werden, kann die Einstellung >Flash< oder ein entsprechendes Filter vor der Blitzröhre (z.B. Lee-Folien im Diffusor) das harte und etwas kalte Blitzlicht wärmer und weicher gestalten. Wird das Blitzlicht hingegen >nur< zur partiellen Aufhellung verwendet, regelt WB >auto< die Farbwiedergabe besser.
8.  Die Aufnahmen speichere ich regelmäßig im Format JPG, bei im Kontrastumfang sichtbar kritischen Situationen auch als zusätzliche RAW Datei. Um überbelichtete Bildpartien zu vermeiden und gleichzeitig noch etwas sattere Farben zu erhalten, stelle ich die Belichtung auf minus ½ Blendenstufe. In der selektiven Nachbearbeitung von JPG Aufnahmen am PC sind dunklere Partien einfacher aufzuhellen als zu helle abzudunkeln, das RAW Format bietet hier viel mehr Möglichkeiten, auch die der Mehrfachentwicklung mit unterschiedlichen Belichtungen (-2 0 +2 Blendenstufen) und anschließender Verrechnung im Sinne einer gepuschten HDR (High Dynamic Range) Aufnahme.

Fazit

Für meine Ansprüche an die mobile availible light Fotografie sind die Lichtmessungen der modernen dSLR Kamera i.d.R. ideal, wobei ich grundsätzlich integral messe oder per bildmäßiger Voreinstellung ausgewählte mittenbetonte Messwerte speichere, die 5D II bietet zudem einen von kompakten Digitalen bekannten und gerne genutzten Live-View-Modus an, der z.B. mit angekoppeltem Notebook (samt farbkalibriertem Bildschirm) eine hervorragende Möglichkeit der präzisen Vorbeurteilung zu erstellender Aufnahmen. Für spezielle Motive mit hohen Kontrasten ist allerdings eine Objektmessung fernab vom Kamerastandpunkt nötig, dazu später mehr.

Alles in allem bieten moderne digitale Spiegelreflexkameras eine Fülle an nützlichen Hilfen, die nach vorgenommener Einstellung und Eingewöhnung den Arbeitsablauf auf ein Minimum verkürzen und die Ausschussquote drastisch reduzieren. Automatisierte Motivprogramme beinhalten unter anderem auch die Farben verändernde Parameter und sind deshalb für mich deshalb ohne Bedeutung, auch wenn sie in guten Lichtsituationen sogenannte schöne Kalenderbilder erzeugen mögen.

…wird mit einem Bericht über externe Handbelichtungsmesser fortgesetzt!

(c) www. s l o w f o t o .de

DxO zum Jahresende wieder rabattiert -30%

Von slowfoto

LiLi, ich verwende DxO seit 2009 und möchte es nicht mehr vermissen, weil ich seitdem viel mehr über Objektive weiß,
als Beispiele siehe auch

https://slowfoto.wordpress.com/2010/09/08/bildbearbeitung-nach-der-kamera/

beste Grüsse  ppz

Fotosoftware von der Presse gekürt…

http://trc.emv2.com/HM?a=ENX7CqcuM_L_8SA9MKIw7O7nGHxKD7p

DPfcStGb5lw8W0bBhOG5mpqVsje_HxHAdaVBs

…und im Onlineshop gibt es noch bis zum 25. Dezember 2010 einen Preisnachlass von 30%

http://trc.emv2.com/HP?a=ENX7CqcuM_L_8SA9MKIw7O7nGHxKD7pDN

_cStGb5lw8W0bBhOG5mpqVsje_HxHAdaVB2

Nachtrag aus der Mail eines Freundes:

…habe mir gerade DxO 6.0 bei Amazon bestellt – Preis 83,89 € – die Lieferung dauert ca 1-3 Wochen – aber dafür ist es nochmals 16 € günstiger als im DxO-Shop und das Update auf die Version 6.5 ist ja kostenlos.

CANON EOS 5D – EOS 5D MkII – EOS 7D und (m)ein vergleichender Erfahrungsbericht

Aufnahmen mit diesen drei Kameras und vielen EF/EF-S Objektiven finden sich in den slowfotos der Woche-n, mein Dank geht an die CANON Pressestelle und den Leihpool für die geduldige und umfangreiche Unterstützung.

Welche denn nun?

Als langjähriger und wirklich zufriedener Eigner einer EOS 5D versuche ich, nach intensiven Nutzungsphasen mit einigen tausend zum Teil in gleichen Gebieten erstellten Aufnahmen, meine gemachten Erfahrungen mit der nicht mehr ganz neuen EOS 5D Mark II und der relativ jungen EOS 7D zu vergleichen: Kompakte haben für mich bei differenzierter Fotografie keine grosse Bedeutung mehr, einmal sehe ich bei Sonne nichts auf dem Bildschirm, zum zweiten kann ich nicht gegenüber dem Hintergrund wirklich freistellen und zudem ist der AF bei Telebrennweiten nervend langsam. Das ist bei spezieller Nahfotografie nicht der Fall. Andererseits ermöglicht auch eine 300-1000D mit dem Kit-Objektiv bei f55mm und 28cm Distanz  Nahaufnahmen von 40x60mm Objekten, was für Blüten o.ä. gut ausreicht, sei es mit oder ohne den kameraeigenen Pop-Up Blitz.

Gehäuse und mehr

Alle drei Kameras verfügen über das Magnesium Gehäuse mittlerer Abmessung mit dem optionalen Batteriegriff (BG). Bei dieser Gehäusegröße ist der Einsatz des BG auch ein Gewichtsproblem, im Gegensatz zu den kleinen und leichten Kunststoffgehäusen der xxx/xD, die sich mit BG deutlich besser oder sicherer fassen und handhaben lassen.

Das gilt besonders für die Verwendung mit großen und schweren Zoom-Objektiven wie dem EF 100-400 L IS (optisch ein Genuss) oder dem EF 28-300 L IS (gleiches hohes Gewicht). Mein Favorit schon an der 5D ist das Kit-Objektiv EF 24-105 L IS, wer mehr Tele braucht, ist auch mit dem EF 28-135 IS vor allem wegen der kurzen Naheinstellung von 35 cm gut bedient, wobei mir das 24-105 bildmäßig etwas besser erscheint, was aber auch am besseren optischen Stabilisator liegen kann – ähnlich festgestellt am EF 70-300 IS gegenüber dem EF 70-300 DO IS!

Die 7D wird optional mit dem EF-S 18-135 IS oder dem EF-S 15-85 IS ausgeliefert, wobei das letztere im Weitwinkelbereich eher dem EF 24-105 entspricht, ich habe eine gewisse Vorliebe für kurze Brennweiten. Wer bereits über das EF-S 10-22 verfügt, hat mit dem EF-S 18-135 ein universelles >immer drauf< Angebot.

Ein Vorteil bei festeingestellten [Av] Blenden- oder [Tv] Zeitwerten ist die ISO Automatik 100-3200 für die 5DII und 100-1600 für die 7D, die bei gutem Licht den niedrigen ISO Wert 100 vorgibt. Aufnahmen der 5D bei manueller Wahl von ISO 3200 erscheinen mir gegenüber der 5DII noch etwas weniger verrauscht.

Generell ist zu sagen, dass Crop Sensoren gegenüber vollformatigen bei sehr wenig Licht unterlegen sind: Wer gerne und bei jedem vorhandenem Licht (AL) und ohne Blitz und Stativ unterwegs ist (wie ich), weiß die Vorteile der größeren Pixel im Sinne der Rauscharmut zu schätzen.

Sehr gut arbeitet die automatische Sensorreinigung der 5DII und 7D, ich hatte nur wenige sichtbare Verschmutzungen auf den Sensoren trotz häufiger Objektivwechsel. Für die 5D suche ich immer noch die ultimate Lösung, der Speckgrabber bedarf einer präzisen Ausleuchtung der Sensoroberfläche und ist nur für ruhige Hände geeignet.

Bemerkenswert an beiden neueren EOS ist die Vignettierungskorrektur für ca. 35 Canonobjektive, Abschalten zeigt den Unterschied besonders an Gläsern wie dem EF 2.8 14mm L, der für mich bisher ungewöhnlichsten Festbrennweite; wegen der größeren Variabilität habe ich mich dennoch für das EF 2.8 16-35 L entschieden. Ich nutze die kameraseitige Korrektur allerdings nicht, weil ich (fast) alle Aufnahmen (JPG wie RAW) direkt nach der externen Speicherung mit DxO Optics Pro 6.2 Elite nachentwickeln lasse, die Optimierung von Belichtung, die Eliminierung der Vignettierungen und die anamorphen räumlichen Korrekturen erzeugen eine für mich im direkten Vergleich zum Original i.d.R. sichtbar bessere Bildqualität, die ich so auf anderem Weg noch nicht gefunden habe.

Ein bauartbedingter Nachteil beider 5D/5DII ist der massebedingt stärkere Spiegelschlag vor allem bei langen Brennweiten, hier ist der kleinere Spiegel des Crop Sensors wie bei der 7D von leichtgewichtigem Vorteil. Eine gewisse Abhilfe schafft der Live-View Modus bei 5DII und 7D, der zusätzlich zum optischen Stabilisator der Objektive noch ungewöhnlich lange Belichtungszeiten aus der Hand zulässt. Ausgiebig habe ich diese live Funktionen an der 5DII und 7D intensiv genutzt, bei längeren Brennweiten und meinen beliebten Sonnenuntergängen kommen andere Unterschiede zum tragen, hier belichtet der Live-Modus deutlich knapper als der SLR-Modus.

Der feststehende TFT gibt wenig Freiheiten, die EOS auf dem Stativ plus einem verkabelten Notebook noch weniger Mobilität, allerdings dann live mit voller Bedienung der Kamera Objektiv Kombination über das Utility Programm schon bei der Aufnahme und nicht erst in der Betrachtung nach dem Klick, im Studio kann das einen enormen Vorteil darstellen.

Der Autofokus-Modus beider Vollformaten ist vergleichbar, die 7D bietet für die Aktionsfotografie mehr an wählbaren Einstellungen (AF-Gruppen), zudem ist die Bildfolge mit 7 Aufnahmen pro Sekunde deutlich schneller.

Meine vorgeschlagenen Menue & Custom Einstellungen zu diesen drei Kameras finden sich in den speziellen slowfoto-Guides.

Objektive

Zu den Kit-Objektiven habe ich bereits oben einiges erwähnt, wesentlich außer der optischen Leistung erscheinen mir Gewicht und Handling: Grundsätzliche Vorteile ergeben sich für die kleineren Sensoren, vor allem wenn EF-S Zoome zum Einsatz kommen, eine schwerere Ausnahmen bildet das EF-S 15-85 IS, ohne mit besserer Lichtstärke zu punkten. Die 7D mit dem EF-S 10-22 oder dem EF-S 17-85 IS wirkt schon leichter und vom Spiegelschlag her leiser als beide Vollformaten, die Aufnahmen sind wohl nicht zuletzt wegen der kürzeren Brennweiten auf den ersten Blick etwas wirkungsschärfer, was gewünschtes Freistellen gegenüber dem Hintergrund wiederum erschwert. Allerdings stellt sich schon ab dem mittleren Telebereich die berechtigte Frage, ob nicht EF Objektive oder Zoome an Bedeutung gewinnen sollten, um eine parallele oder spätere Verwendung am Vollformaten zu ermöglichen. Zur Investitionsplanung für Objektive bleibt zu sagen, dass diese durchaus längere Verwendungszyklen als Gehäuse haben, mein ältestes, ein EF 20-35 zählt mittlerweile über 20 Jahre…

Objektive für Panoramen sind ein Sonderfall, wobei die notwendigen Korrekturen keinesfalls zu vernachlässigen sind: DxO spielt hier in vorderster Front mit, wenn es um weitest mögliche Vorarbeiten geht. Sind diese nicht erbracht, müssen an den Nahtstellen auffällige Übergänge in Kauf genommen werden. Ideal sind feste Brennweiten ab 20 bis 50mm, vorzugsweise im Hochformat! Ohne DxO nachentwickelte 15mm Aufnahmen aus der 7D verderben nicht nur jedem Anfänger die Lust auf zusammenfügen, wozu ich für präzise vorbereitete Serien das CANON eigene Programm PhotoStitch gerne und mit Erfolg verwende.

Fazit oder der Versuch einer vergleichenden Zusammenstellung

Fotografieren ist für mich wie mobiles Transistor-Radiohören oder Musik-Genuss vom Stick, alles was dabei hindert, mag ich weniger: Trotz höherem Gewicht mag ich auf die Präzision einer 5D/5DII oder die Schnelligkeit einer 7D nicht verzichten, wenn es nur ums Schleppen geht, ist mir jede EOS D mit den drei Ziffern auch recht: Die Crop Sensor Kameras aus der Serie mit den 3-4 Zahlen unterscheiden sich wesentlich im Gehäuse und der Bedienung, gute Aufnahmen bei halbwegs Licht machen sie alle. Beim Bergwandern ist eine preiswerte Crop-Kamera mit Handschlaufe ein leichter Segen, etwas abgeblendet sind die Aufnahmen, gleiche Voreinstellungen vorausgesetzt, nicht wirklich voneinander zu unterscheiden. Grundsätzlich stört mich bei allen kleinen Sensoren das kleine Sucherbild. Andererseits ist aber auch die Kombination C-Sensor plus EF-S 10-22 (entspricht 16mm KBÄ) eine mögliche und preisgünstige Alternative, zumal eine zweite Kamera immer ein Vorteil ist. Gleiches gilt für ein EF 70-300 (DO/L) IS am kleineren Sensor, es stehen dann bis 480mm KBÄ zur Verfügung.

EOS 7D

Die 7D ist die erste Crop-Sensor Kamera, die das große Sucherbild bietet und damit einen für mich unschätzbaren Vorteil hat. Zudem ist sie die schnellste in der Bildfolge und hat die meisten Kreuzsensoren für nachgeführte Autofokus Funktionen, für Action oder Sport Fotografie geradezu unverzichtbar. Mit 18 MPI bietet sie derzeit eine für diese Sensorgröße hohe Auflösung, die für viele professionelle Aufnahmen ausreicht. Sensorreinigung und ISO-Automatik ist inklusiv. Über die Bildqualität lässt sich, genügend Licht vorausgesetzt, nur Gutes berichten. Wer Wert auf ausgedehnte Schärfenbereiche legt, wer eher scharfe Landschaftsaufnahmen den Porträts mit ausgedehnter Freistellung vorzieht und wer letztlich weniger in den Objektivpark investieren möchte, ist mit der 7D sehr gut beraten. Nicht zuletzt ist der Pop-Up Blitz ein Schmankerl für Nahaufnahmen und reicht ebenso zum Aufhellen oder für das kabellose Blitzen, das im Sucher eingeblendete Gitternetz erleichtert ausgerichtete Aufnahmen. Sie bietet fullHD Videosequenzen mit der Möglichkeit des Filmschnitts in der Kamera.

EOS 5D MkII

Die 5DII ist eine sehr gute Kamera mit wirklich vernünftigen Features wie Sensorreinigung und ISO-Automatik. Beim Blick durch den Sucher ab Werk vermisse ich mein präferiertes und wie bei der 5D nachrüstbares Gitternetz, das aber in der Live-Bildfunktion auf dem TFT einblendbar ist. In dieser Funktion ist weiterhin ein langsamer, aber dafür äußerst präziser AF nutzbar, alles auch per Fernbedienung über das angeschlossene Notebook zu händeln, vorzugsweise wenn die Kamera fixiert ist. Aus der Hand ist die Livefunktion dann vorteilhaft, wenn sich der TTL-Sucher verbietet, aber das kennen wir alle schon von den Kompakten. Diese Livebildfunktion bietet auch bei available light Fotografie den langsamen und präzisen Fokus. Im Studio oder bei spezieller Objektfotografie ist das Livebild eine Option, vor allem, wenn man einen größeren als den rückseitigen Kameramonitor verwendet. Ein reisefähig kleines Netbook ist eine ideale Sicherung der tagsüber gemachten Aufnahmen, und beim Abendessen oder danach lassen sich die neuen Aufnahmen einfach als Diaschau genießen. Das höhere Gewicht beim Vollformat-Body wird nicht nur gelobt, vor allem mit netten Objektiven (2:8 14mm) oder lichtstarken, L oder IS-Zoomen. Vom 17-40 L war ich wegen der Randunschärfen bei offener Blende schon zweimal weniger angetan, dafür ist es relativ preiswert, das nur noch gebraucht aber günstig erhältliche und weitgehend unbekannte 20-35 entspricht optisch hingegen den Festbrennweiten. Besonders hervorheben möchte ich noch die Möglichkeit, bei Nacht mit ISO 12.800 oder besser gleich 25.600 zu fotografieren, diese Aufnahmen sind zwar sichtbar verrauscht, zeigen dafür aber mehr Details als das Auge zunächst erkennt. Die ISO Automatik beschränkt sich sinnvoll auf 100-3.200 und arbeitet eher an der unteren Grenze, so dass gerade IS Zoome sinnvoll verwendet werden können. Die EOS 5DII ist bezüglich >normaler< fotografischer Aufnahmen derzeit so etwas wie eine Referenz mit sehr positiven Ergebnissen beim Einsatz entsprechender Optiken, guter ISO Automatik hinsichtlich vorhandenem Lichtverhältnissen, vielen Objektivanpassungen für Randabschattungen oder Fokus, einer funktionierenden Ultraschallreinigung des Sensors bei Verschmutzung und vielen anderen angenehmen Handlichkeiten.

Ein Ausflug in die FullHD Videografie, direkt über HDMI Kabel wiedergegeben mit einem 24´´ TFT fullHD mit 1920×1200 (nötig wären in der Höhe nur 1080) Bildpunkte hatte zunächst Kritik zur Folge: Nach ausgiebiger Kalibrierung des neuen Bildschirms ergab sich, dass die Wiedergabe von Standbildern über ein Notebook mit HDMI Ausgang schlichtweg hervorragend ist, eine bisher noch nicht gesehene Präzision, wobei die eher geringe Bildgröße von 24 Zoll für den kurzen Office-Arbeitsabstand von Vorteil ist. Die direkte HDMI-Verkabelung mit der EOS 5DII mit diesem Bildschirm hingegen erbrachte weniger gute Standbild Wiedergaben (zu harte Kontraste), Tests mit anderen Kabeln konnten noch nicht weiterverfolgt werden.

Die EOS 5DII bietet verschiedene Voreinstellungen für Videoclips. Einzig ist hier die Verwendung aller Canon EF Objektive (für die EOS 7D auch für EF-S Objektive), wobei wie bei allen Videokameras auch ein stabiler Stand (Stativ) von Vorteil ist. Gutes Licht – die gute Optik hier nochmals erwähnt – sorgen für bemerkenswerte Clips! Bei der 5DII sollte man auf den gegenüber Videokameras fehlenden kontinuierlich arbeitenden (aber hier eben auch oft pumpenden) Autofokus verzichten, hat dafür im Weitwinkelbereich die optische Welt offen, wenn der Schärfenbereich vorgewählt ist! Der Live-Modus AF in der 5DII arbeitet zwar langsam, dafür präzise und auf Wunsch auch mit Gesichtserkennung. Wer mit statischer Kameraführung arbeiten mag, findet hier ein interessantes Betätigungsfeld zusätzlich zur Standbildfotografie. Aus der Hand ist Videografieren auch mit gewissen Einschränkungen möglich. Für den ambitionierten dSLR Fotografen war schon die EOS 5D eine gute Wahl, die 5DII geht einen ganzen Schritt in Richtung Aufnahmekomfort weiter und bietet zudem noch eine Videofunktion, die Einschränkungen im dynamischen Fokusbereich und enorme Vorteile bei den Weitwinkelbrennweiten bietet, allerdings ohne die bequeme Schnittfunktion in der Kamera.

EOS 5D

Für den Standbild Fotografen bleibt die EOS 5D immer noch eine gute Alternative, zumal in Kombination mit dem EF 24-105 L IS. Es bedarf einer gewissen Neigung zu manuellen und geänderten (Vor-)Einstellungen, zumal auch nur ein Custom Programm verfügbar ist. Die 5D ist nicht ganz so wählerisch in der Auswahl der montierten Objektive wie die 5DII, es wäre aber ganz falsch, eine billige Linse zu montieren. Die Objekte sollten eher ruhiger Bewegung frönen, die schnellste Kamera ist sie eben nicht. Ganz wichtig ist die Verwendung von Gegenlichtblenden vor allem bei weiten Winkeln, um präzise belichtete Aufnahmen zu erhalten, zumal die [A]utomatisch Belichtung eher zu helle Bilder liefert, eine halbe Blende Unterbelichtung erzielt sattere Farben. Bis ISO 3.200 liefert sie einwandfreie Aufnahmen. Wer aber den Sensor nicht reinigen kann oder will, sollte eine andere Wahl treffen.

(c) www.slowfoto.de

Kaufberatung – Wie sage ich es meinem Freund?

Einfach bessere Fotos

 

 

Bieten die kleinen Digitalen zu wenig an Gestaltungsmöglichkeiten? Ist der Autofokus zu langsam? Ist der weite Winkel nicht weit genug? Dann sollte man mal eine Spiegelreflexkamera näher betrachten:

Die Einstiegsmodelle sind mittlerweile recht günstig, die Bildqualitäten top und die Möglichkeiten übertreffen die der Kompaktmodelle um Längen, zudem beinhalten sie Automatikprogramme für Einsteiger und Umsteiger. Einmal richtig programmiert und kennengelernt, lässt sich die Spiegelreflexkamera viel schneller bedienen als ein Kompaktmodell und gibt dem Fotografen zudem neue gestalterische Freiheiten. Die Anschaffungskosten für kompakte Topmodelle liegen sogar über dem Einstieg in die Welt der digitalen Spiegelreflexfotografie, in der die Möglichkeiten der Nachinvestition hingegen unendlich bleibt. Man muss also wissen, was man nicht benötigt.

Wer in (Vor-) Einstellungen schwelgen möchte: Belichtungszeit, Blende, Blitzeinstellungen und vieles andere mehr lassen sich frei wählen: [M] für manuell stellt das Meisterprogramm dar. Wechsel-Objektive, Filter, Konverter und Zubehör wie entfesselter Blitz verbessern die Funktionalität weiter, als Beispiel die echten Weitwinkel bis hin zum Fischauge oder Teleobjektive mit langen Brennweiten: Man wechselt die Bodys nach Bedarf, nicht die Objektive und kann somit die Kameraausrüstung exakt für jede Situation anpassen. Der Nachteil ist die Anschaffung, das Gewicht und die Größe der mitgeführten Ausrüstung.

Wer also bessere Bilder und die alte Kamera ersetzen will, achtet beim Kauf einer digitalen Spiegelreflex-System-Kamera auf diese Tipps: 

DSLR – Systemkamera

Spiegelreflexkameras (aus dem Englischen für single lens reflex) werden in der digitalen Version  DSLR oder D-SLR abgekürzt, die Bezeichnung Systemkamera ist entstanden, weil eine Spiegelreflexkamera mit dem Zubehör wie Wechsel-Objektiven oder externen Blitzgeräten und vielem anderen mehr ein System bildet. Und dieses System ist an einen (1!) Hersteller gebunden…

Auflösung oder Bildgröße

Eine hohe Auflösung ist zunächst kein Garant für hohe Bildqualität: Ein schlechtes Objektiv macht an einer guten Kamera keine sehr gute Bilder, ein sehr gutes hingegen auch an Kameras mit niedrigen Auflösungen beste Aufnahmen.

Die Auflösung entscheidet die maximale Bildgröße im Ausdruck oder in der Darstellung in höchster Qualität. Für die Postkartengröße 10x15cm reichen 2 Megapixel, für DIN-A4 4-5 Megapixel. Solche Ausdrucke wirken, wenn gute Objektive und Kameras vorausgesetzt sind. Die größtmögliche Auflösung benötigt man, wenn nur Teilbereiche der Fotos z.B. bei Aktions- oder Sportfotografie verwendet werden (Freistellen). Das geht mit höherer Auflösung besser.

6 oder 21 Megapixel

Die Einstiegsmodelle verfügen über mindestens 6 Megapixel und sind für den gelegentlichen Nutzer ordentlich ausgestattet, die nächsten Modelle besitzen 8-12 Megapixel-Sensoren. Für höhere Ansprüche an die Bildgröße  eignen sich 18 Megapixel Auflösung und (Vollformat-) Sensoren professioneller Kameras mit 10-21 Megapixel.
Die Auflösung der DSLRs kann man nicht mit der von Kompakten vergleichen: Schon die alte Spiegelreflexkamera mit 6 Megapixel Auflösung liefert in vielen Situationen ein besseres Bild als ein Kompaktmodel mit 12Megapixeln auf Grund der unterschiedlich großen Sensoren und Pixel.

Sensorgröße

In der Kompakten ist ein kleiner bis sehr kleiner Sensor mit (sehr) vielen Pixel verbaut, das führt zu Rauschanfälligkeit und geringer Lichtausbeute, die größeren DSLR-Sensoren sind rauschärmer und lichtempfindlicher. Selbst die in leichten und kompakten DSLR eingesetzten Sensoren sind deutlich größer als die von Kompaktmodellen.

Bei Spiegelreflexmodellen trifft man auf drei verschiedene Sensorgrößen: Je größer der Sensor, desto teurer ist er und damit die Kamera auch. Der Vollformatsensor ist genauso groß ist wie ein Dia beim so genannten Kleinbildformat analoger Kameras, identisch sind auch die Bildwinkel der gewohnten Brennweitenangaben auf den Objektiven. Bei kleineren Sensoren muss man den Bildwinkel reduzieren oder die Brennweite mit einem Verlängerungsfaktor entsprechend hochrechnen. Bei Canon gilt für die Umrechnung häufig der Faktor 1,6 und bei Nikon beträgt dieser zumeist 1,5 bis 2.0 bei Olympus.

Verlängerungsfaktor (Crop-Faktor)

Ein Rechenbeispiel: Das sogenannte Standard Kit-Objektiv mit 18-55 mm Brennweite führt bei Canon zu realen Bildwinkeln entsprechend Brennweitenwerten von 29-88 mm, da man die Objektivangaben mit 1.6 multipliziert, für Nikon gilt 1.5, dass ergibt Bildwinkel entsprechend 27-82 mm Brennweite, dies wird auch Kleinbild-Äquivalent (KBÄ) genannt.

Seitenverhältnis

Digitale Kompakte bieten wie das Fernsehen (PAL) ein 4:3-Format. Analoge und digitale Systemkameras bilden dagegen mit einem 3:2-Verhältnis wie Kleinbild oder Dia ab, mit Ausnahme der DSLR von Kodak und Olympus, deren Four-Thirds-Standard ebenfalls 4:3 beträgt. Durch nachträgliches Beschneiden lässt sich fast jedes Format bauen, durch Stitchen (Zusammenrechnen) entstehen echte Panoramen.

Prozessor und Speicherkarten

Hohe Auflösungen verursachen große Bilddateien auf der Speicherkarte, besonders wenn sie im RAW-Format oder wenig komprimiert ablegt werden. Man sollte beim Kauf eher große Speicherkarten mit einplanen. Nicht nur der Speicher muss bei diesen Datenmengen groß sein, sondern der Prozessor auch schnell, ansonsten kann es zu Verzögerungen kommen, weil man mit der Bildfolge oder dem Video-Clip warten muss. Hohe Anforderungen an die Schreibgeschwindigkeit hat die Videofunktion oder der Serienbildmodus, weil dabei kontinuierliche Datenmengen gesichert werden müssen. Das sind Höchstleistungen für den oder die kameraeigenen Prozessor-en und Speicherchip. Wenn der Speicher mitspielt, schaffen viele Kameras etwa drei bis acht Fotos pro Sekunde, jedoch nicht grenzenlos. Spätestens am Ende der Speicherkarte ist Schluss.

Bei digitalen Kameras beherrschen zwei Speicherformate das Feld: CF (CompactFlash), einschließlich der veralteten Microdrive-Mini-Laufwerke und SD (Secure Digital) und deren aktuelle Variante SDHC (High Capacity). Wichtig ist, dass die verwendete Karte den Speicheranforderungen und Übertragungsgeschwindigkeiten der jeweiligen DSLR gerecht wird, denn es gibt unterschiedlich schnelle Karten und Kameras.
Die weiter entwickelte SDHC ist trotz äußerlich gleichem Format nicht mit SD zu vergleichen, die Kamera muss deshalb SDHC kompatibel sein. Als Vorteil speichern diese Karten bisher 16GB, bis 32 GB sind geplant in den Klassen 2, 4 und 6, der jeweilig maximalen dauerhaften Übertragungsmenge in Megabyte also dauerhaft bis sechs Megabyte Daten pro Sekunde! SDHC sind kostengünstiger als CFC und mit einem Adapter aber auch im CFC Slot verwendbar.

Lichtempfindlichkeit ISO

Der Lichtempfindlichkeit der Kamera-Sensoren kommt eine besondere Bedeutung zu: Nach ISO (International Standard Organisation) gemessen, findet man Werte ab 50 bis 3200, viele Kameras erreichen ISO 50 nicht und wenige bieten ganz hohe Werte bis 25.600. Diese Angaben müssen immer mit der entsprechenden Bildqualität einhergehend verglichen werden, sonst ähneln sie den automobilen Norm-Verbrauchsdaten.

Je kleiner der Wert, desto niedriger die Lichtempfindlichkeit, der größere Wert steht für höhere Signalverstärkung mit  dem Nachteil verstärktem Rauschens. Den gleichen Empfindlichkeitseffekt erreicht man auch mit offeneren  Blenden oder längeren Belichtungszeiten, bis hin zur Stativnutzung.

Viel Licht durch Spiegelungen auf Wasseroberflächen oder Schneelandschaften erfordert niedrige ISO-Werte (50 oder 100) und kurze Belichtungszeiten. Im Konzert in Räumen oder zum Ende der blauen Stunde im Freien sind höhere ISO-Werte (400-3200) nötig. Allerdings neigen bei hohen ISO-Werten viele Kameras zum gefürchteten Bild- und Farbrauschen, was auch bei analogen Fotos zur groben Körnung geführt hat (nachträglich gepuschte Unterbelichtung).

Die großen Pixel der größeren Sensoren rauschen deutlich weniger und das auch später als die Kleinen in den kompakten Digitalen, die DSLR bietet eindeutig mehr Spielraum, vor allem als Vollformat. Zudem gibt es selbst zwischen vermeintlich gleichwertigen Kameras recht deutliche Unterschiede im Rauschverhalten, was auf durchaus positive Weiterentwicklungen in der Signalverarbeitung durch die Kameraprozessoren beruht.

Optischer Sucher und Monitor
 
Mittlerweile kann man bei den aktuellen DSLR die bewegte Live-Vorschau, wie von den Kompakten gewohnt, per fest eingebautem oder klappbarem Bildschirm auf der Kamerarückseite oder per Kabelverbindung auf einem Notebook verfolgen, was vor allem in der Lupenbetrachtung präzise Einstellungen ermöglicht. So lassen sich Bildkompositionen und Einstellungen auch fernab vom Auge bestimmen. Bei der mobilen Verwendung reicht der 3 Zoll Monitor in den meisten Fällen für eine erste Kontrolle aus.
Ein Vorteil ist zudem ist der SLR typische Blick durch das Objektiv, wie aus analogen Zeiten, jetzt vor allem beim Vollformatsensor mit dem großen Sucherbild für die manuelle Fokus-Bestimmung: Ein großes Sucherbild ist in den kompakten DSLR Bauart bedingt kein Standard. 
 
Automatiken und Bedienung

Kompaktkameras glänzen eher mit zu vielen Automatiken, jedoch weniger mit manuellen Einstellungen. Wer ohne Automatiken überfordert ist, verliert früh den Spaß am Fotografieren. Für Ein- und Umsteiger bieten DSLR auch verschiedene Motiv-Automatikmodi. Von analogen Spiegelreflexkameras ist der [A] als Blenden-Zeit Modus bekannt, weiter differenziert als [Av] Blenden- oder [Tv] Zeitvorwahl. Der Versierte hat im vollmanuellen [M] Programm und im Menü Bildarten alle Möglichkeiten, die Aufnahmen entsprechend zu beeinflussen.

Bei Motivprogrammen sind die festgelegten Parameter dann von Nachteil für die Aufnahmen, wenn man sie weder kennt noch beachtet.

Einschaltzeit und Auslöseverzögerung

Einschalten und Auslösen ist der Idealfall, vor allem in Verbindung mit schneller Serienbildfunktion und präziser AF-Nachführung, einschlägige Testberichte zeigen Trefferquoten um 50% und mehr für scharfe Aufnahmen. Abhilfe schafft eine Trennung von Autofokus und Auslösung durch Vorfokusieren, sei es mit Hilfe der mittlerweile verbreiteten AF-Taste, der individuell belegten Sternchentaste oder der Speicherfunktion bei halb gedrücktem Auslöser, von der Verwendung lichtstarker Objektiven mal ganz abgesehen.

Bildbearbeitung intern oder nachträglich

Ein Teil der eventuell nötigen Bildbearbeitung kann oft auch in der Kamera vorgenommen werden: Rote-Augen-Korrektur, Beschneiden, D-Lightning, Filtereffekte, wie Schwarzweiß-Fotografie und mehr. Ich ziehe dafür die Nachbearbeitung am großen und kalibrierten Bildschirm vor. Im Zweifelsfall ist eine RAW-Aufnahme wertiger, bei der sich viele Korrekturen ohne Verluste bewerkstelligen lassen. Ein Sonderfall ist die nachträgliche Entwicklung von JPG oder RAW Bilddateien mit Hilfe von spezieller Software (DxO), die objektiv typische optische und Belichtungsfehler herausrechnet, eine kostengünstige, aber eher wenig bekannte und weitgehend automatisch ablaufende Maßnahme, auf die auch Berufsfotografen nicht verzichten.

Gehäuse

DSLR Gehäuse sind auch ohne Objektiv deutlich größer und schwerer als die der Kompakten oder analogen SLR, dafür liegen sie in der Regel sehr gut in der Hand, das robuste Magnesium Gehäuse sorgt mit Abdichtungen und wertigen Ausführungen für lange Nutzungsphasen.

Günstige Einstiegsmodelle haben aus Kostengründen mehr Kunststoff verbaut, sie sind auch kleiner und kompakter, ideal bei sportlichen Betätigungen. Für Anwender mit großen Händen empfiehlt sich ein Batteriegriff, damit die Kamera besser in der Hand liegt. Mit zu vielen Knöpfen übersäht kann die Bedienung bei jeder Kamera geringer Größe fummeliger werden. Das Handling variiert leider auch innerhalb eines Herstellers von Modell zu Modellpflege und wird immer weiter optimiert, was auch immer die Entwicklungsabteilungen darunter verstehen mögen. 

Schwere (Zoom-) Objektive

Erheblichen Einfluss auf das Gesamtgewicht haben die wechselbaren (Zoom-) Objektive, vor allem die lichtstarken und bildstabilisierten. Das Objektiv kann bei aufwendiger Konstruktion und großem Brennweitenbereich deutlich mehr wiegen kann als das Kameragehäuse, oft erkennbar an der Stativschelle..

Staub nicht nur auf dem Sensor

Ein typisches SLR Problem ist das Wechselbajonett als Öffnung für alles, was nicht in die Kamera eindringen soll, wenn man vom inneren Abrieb absieht. Wurde früher der Film regelmäßig erneuert, verschmutzt heute auch der Sensor mit Staub, vor allem bei unsachgemäßem Objektivwechsel (Bajonett offen nach oben) oder unsauberen Gehäuse- und Objektivdeckeln. Ultraschallmechanismen reinigen zyklisch den Sensor und wirken nahezu einwandfrei, wer sich an die Sensorreinigung mit Licht und Lupe und speziellen Mitteln nicht traut, ist damit gut versorgt. Selber reinigen ist gründlicher: Man kann auch beim Händler oder Service den Sensor gegen Gebühr reinigen lassen.

Bildstabilisator

Wer mit bildstabilisierten (Tele-) Objektiven gute Erfahrungen gemacht hat, wird darauf nicht mehr verzichten.  Allerdings kosten diese fast soviel wie die lichtstarken Alternativen, und diese mit Stabilisator nochmals mehr. Dafür gleichen sie durch Gegenbewegungen leichte Bewegungen aus und machen auch mit weniger Licht noch scharfe Fotos, wenn das Objekt eher ruhig bleibt. Im Weitwinkelbereich sind lichtstarke oder feste Brennweiten auch gut ohne Stabilisierung einzusetzen.

Stromversorgung

DSLR haben ohne Ausnahme einen deutlich höheren Strombedarf als analoge Modelle, Autofokus und Stabilisator, Display und Elektronik fordern Tribut. Akkus sollten 500 oder mehr Aufnahmen durchhalten.  Abendliches Nachladen ersetzt den Zweitakku, Batteriegriffe können auch mit AA-Zellen bestückt werden. Meine Erfahrungen mit Sanyos Eneloop Akkus z.B. für Blitzgeräte sind sehr gut. 

Objektive – Investitionen ohne Ende

Der Vorteil von SLR liegt im Blick durch das Wechselobjektiv, der Nachteil in der Nachinvestition. Wer die erste DSLR kauft, sollte die Set-Angebote der Hersteller nutzen und ein Gehäuse im Paket mit einem oder zwei Objektiven kaufen. Für den Anfang bieten Komplettpakete eine gute Wahl, üblich sind dabei Standard Zoom-Objektive mit einem Brennweitenbereich von 15 oder 18 bis 55, 85 oder 135 respektive 55-250 mm Brennweite, die für viele fotografische Situationen gut ausreichen.

Das richtige Objektiv zu finden ist zu Beginn nicht einfach, denn hochwertige Sensoren stellen höhere Anforderungen als analoge Kleinbildfilme. Sehr schnell übersteigen diese Investition den Preis für das Kameragehäuse. Objektive sind Anschaffungen für eine längere Anwendung, Kameragehäuse wie Computer für eine kürzere Phase.

Die größte Auswahl an Objektiven bieten die Marktführer Canon und Nikon. In der Regel sind die Objektive von Fremdanbietern günstiger, aber nicht immer besser. Festbrennweiten werden besonders von ambitionierten Anwendern eingesetzt, da man mit ihnen eine bessere und verzeichnungsärmere Bildqualität erzielt. Alte Objektive können manuell oft mit entsprechenden Adaptern weiter verwendet werden, man muss darauf achten, dass diese ohne Korrekturlinsen für die unendliche Entfernungseinstellung auskommen.  

Blitz (extern)

Systemblitze garantieren alle vorgesehenen Funktionen. Ideal sind Kabel, um den Blitz etwas freier führen zu können. Infrarot-Steuerungen ermöglichen noch mehr entfesseltes und von der Kamera gesteuertes Blitzen, sofern der Blitz einen schwenkbaren Reflektor hat, denn der Empfänger muss mit der Kamera in Sichtverbindung stehen. Während der eingebaute Pop-Up-Blitz mit Leitzahlen (LZ) um 14 auskommt und für Aufhellen oder Nahaufnahmen gut geeignet ist, sollte der externe große Blitz satte Leistung bieten (LZ 40 und mehr).

Bildformate

JPEG: Großes Bild mit geringster Kompression ist die Wahl. Man kann JPG sogar sehr gut extern nachentwickeln (DxO).
 
RAW: Steht der nachträgliche Farbabgleich und mehr im Vordergrund, ist die Rohdatendatei im Vorteil, als Nachteil ist diese größer. Dafür stehen alle Möglichkeiten der Bildveränderung in Ruhe offen. Leider haben alle Hersteller ein eigenes RAW Format oder sogar mehrere.

Aktuelle, aber nicht alle Browser- und Grafikprogramme unterstützen diese vielen Rohdatenformate (Irfanview, Picasa, Photoshop CS). Wichtig ist deshalb auch die den Kameras beiliegende Software: Sie sollte das Format nicht nur weitgehend verarbeiten können, sondern auch leicht und intuitiv zu bedienen sein.

…wird mit einem Langzeit-Erfahrungsbericht über die Canon EOS 5D 5D MkII und 7D fortgesetzt

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Availible Licht – das vorhandene Licht

AL – Das vorhandene Licht

http://de.wikipedia.org/wiki/Available Light

Available Light (dt. verfügbares Licht, vorhandenes Licht, Restlicht) bedeutet in der Fotografie bzw. beim Film und Fernsehen, dass für die Aufnahme trotz ungünstiger Lichtverhältnisse (z. B. Aufnahmen bei Dämmerung oder in schlecht ausgeleuchteten Innenräumen) nur mit den ohnehin vorhandenen Lichtquellen am Aufnahmeort, dem vorhandenen Licht, gearbeitet und auf zusätzliche Beleuchtung wie Blitzlicht oder Scheinwerfer verzichtet wird.

Beispiele

Abendliche Stimmung unter freiem Himmel 

EOS 7D EF-S 18-135 IS f 18mm ISO 400 F11 180sec LW+1,5 f18mm mittenbetont

Außenaufnahme bei zusätzlicher Illumination

EOS 5D EF 24-70 2.8 L f24mm ISO 1.600 F3.5 1/45sec LW-0,5 integral

Available-Light-Aufnahmen können ästhetischen oder künstlerischen Entscheidungen entspringen oder aber durch die Umstände erzwungen werden, etwa weil sich zusätzliche Beleuchtung am Aufnahmeort (Location) störend auswirken würde. Die Available-Light-Fotografie ist besonders geeignet, um die Lichtstimmung eines Motivs authentisch wiederzugeben. Der filmische Verzicht auf künstliche Lichtquellen aus künstlerischen Gründen ist z. B. Teil des Dogma-95-Manifests.

Im Gegensatz zur Nachtfotografie wird bei der Available-Light-Fotografie häufig auf ein Stativ verzichtet, stattdessen werden hochempfindliche Filme oder Digitalkameras und besonders lichtstarke Objektive eingesetzt.

Wird mit „normaler“ Ausrüstung gearbeitet, führen die verhältnismäßig langen Belichtungszeiten zu den mit Langzeitbelichtungen verbundenen Problemen, die Laien oft überfordern: Das Verwackeln lässt sich zwar durch Auflage der Kamera auf einen als „Stativ“ genutzten Gegenstand vermeiden, ungewollte Bewegungsunschärfe – beispielsweise von Personen – bleibt jedoch als weitere Schwierigkeit. Zusätzliche Probleme, deren Bewältigung vom Fotografen/Kameramann einiges an Kenntnis und Geschick verlangt, um zu qualitativ befriedigenden Ergebnissen zu kommen, sind hoher Kontrastumfang des Aufnahmegegenstandes, sowie Mischlicht, bedingt durch Lichtquellen verschiedener Farbtemperatur.

Hier ist eine sorgfältige Kombination aus möglichst offener Blende (<3.5), ausreichend hoher Empfindlichkeit (>ISO800), langer Belichtung (<1/60sec) und die Verwendung eines Stabilisators (IS, VR) nötig, kurze Brennweiten lassen sich einfacher händeln. Ein weiterer Schritt ist die Nachentwicklung knapp belichteter Aufnahmen (DxO) zur soften Aufhellung von Rand- oder Schattenpartien, ohne das Rauschen sichtbar zu erhöhen. Aktuelle und vor allem vollformatige Spiegelreflexkameras bieten mittlerweile eine Rauscharmut bei höheren ISO Werten, die mehr als befriedigende Aufnahmen bei geringem vorhandenem Licht ermöglichen. Diese positive Entwicklung ist hinsichtlich des vom Sensor erfassbaren Kontrastumfanges noch nicht eingetreten.

Fotografie (Photographie altgriechisch φως,φωτoς Licht der Himmelskörper, Helligkeit und γραφειν malen, schreiben) bedeutet Zeichnen mit dem Licht der Himmelskörper. Ziel meiner slowfotografischen Bemühungen ist die möglichst identische Wiedergabe vorhandener Lichter. Dazu bedarf es sowohl weitgehend kalibrierter Einstellungen für Aufnahme und Wiedergabe der Bilddateien. Digitale Kameras unterschiedlicher Hersteller sind ab Werk eher auf den vermeintlichen Publikumsgeschmack als auf naturgetreue Farbwiedergabe ausgelegt. Glücklicherweise lassen sich in vielen Kamera Menues Einstellungen finden, die dem Ideal sehr nahe kommen. Zum Kalibrieren von Ausgabegeräten dienen Fotometer, die per Messprogramm kleine Steuerprogramme für die Grafikkarte oder den Drucker erzeugen.

Natürlich ist ein Beharren auf Farbtreue nicht für jede Aufnahme sinnvoll, aber als Ausgangspunkt für gezielte Manipulationen unerlässlich: Als Beispiel ein Kalenderbild, dass im Original mit eher blassen Farben kaum einen Monat lang das Auge erfreut, hier muss gezielt nachgearbeitet werden: Ein Bild ist ein Gedicht ohne Worte CORNIFICIUS, gestorben 42 vor Christus.

In der präzisen und vergleichenden Wiedergabe von Farben hingegen ist die Norm >natürlich< von Bedeutung. Nicht zuletzt arbeitet der Studiofotograf mit Licht identischer Farbtemperatur. Spätestens bei der zwingenden Verwendung von Blitzlicht muss der AL-Fotograf entscheiden, ob das am Ort vorhandene Licht maßgeblich bleiben und das Blitzlicht nur dezent aufhellen soll.

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Picture Style – Bildstil oder die unendliche Suche nach der richtigen Farbwiedergabe

JPG aus RAW in der Kamera EOS 7D ISO400 1/60sec f85mm F5.6 Mittenbetont -1/2LW Blitz

 

 

Sind Picture Styles echte Bildstil-Elemente oder nur die unendliche Suche nach der richtigen Farbwiedergabe?

Canon bietet schon lange die Möglichkeit, in der Kamera sogenannte Bildstile oder Einstellungen als sogenannte Anwenderdefinition 1 bis 3 vor dem Abspeichern als JPG auf die Bilddateien anzuwenden. Wer davon keinen Gebrauch machen will, weil diese Parameter erst im Nachhinein festgelegt werden sollen, speichert die Aufnahmen für die spätere Bearbeitung nur als RAW Format ab, Canons Digital Photo Professional bietet dazu wie in der Kamera vorhanden sechs integrierte Bildstile (und dazu noch drei weitere frei speicherbare) mit folgenden ->Tendenzen an:

STANDARD ->etwas dunkler

PORTRÄT ->heller mit mehr rot

LANDSCHAFT ->heller mit mehr gelb

NEUTRAL ->dunkler bis grauer

NATÜRLICH ->etwas heller als Porträt, mehr rotgelb, als o11o in der Kamera meine bisherige Priorität für Hautfarben

MONOCHROM ->Wegfall der Farbinformationen, mögliche Filter und Tonungen kommen hinzu

Zusätzliche sieben Picture Styles von Canon Image Gateway sind bisher (Stand 09/2010):

NOSTALGIA

CLEAR

TWILIGHT

EMERALD

AUTUMN HUES

P-STUDIO

P-SNAPSHOT

Die oberen sechs Stile sehe ich für viele Motive interessant, wenn die Veränderung in der entsprechenden Art gesucht wird. Bedeutend für die authentische Fotografie mit möglichst naturidentischer Farbwiedergabe von Gesichtern oder Hautfarben ist mE der Vergleich:

NATÜRLICH mit Anhebung (0110) von Kontrast und Sättigung von 0 auf Wert 1

zu SNAPSHOT -> heller und frischer, mehr gelbrot,

wobei mir Snapshot im Vergleich zu meinen bisher präferierten Stil Natürlich 0110 fast schon besser gefällt, zumindest im angeführten Porträt-Bildbeispiel, aber darüber kann man trefflich streiten! 

Zur exakten Beurteilung ist ein kalibrierter Bildschirm nötig (siehe dazu www.slowfoto.de ->Presse ->Bildschirme kalibrieren NZB 01/2008), die Veränderungen der einzelnen Bildstile sind allerdings auch ohne zu erkennen. Letztlich entscheidet der Anwender, welche Stile der Betrachter bekommt. Wer  Aufnahmen ohne finanziellen Hintergrund erstellt, hat sicher ein Mehr an Freiheit…

Einstellungstipp

Anwender Definition ->1 Snapshot ->2 Autumn Hues ->3 Nostalgia, bei EOS ohne LiveView (5D) Auswahl auf SET-Taste legen

Weitere (Grund-) Einstellungen zur EOS 5D, 5D MkII, 7D, 400D und der Powershot D10 finden sich im Blog s l o w f o t o – Guide, viel Spaß beim differenziertem slowfotografieren.

wird fortgesetzt…

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Bildbearbeitung nach der Kamera

Tipps für digitale (Spiegelreflex-) Kameras

Nachentwicklung der Bilddateien JPG und RAW mit DxO Optics pro

EOD 5D MkII f14mm JPG wie aus der Kamera

EOS 5D MkII f14mm JPG nach manueller DxO Nachentwicklung

Ich verwende diese Nachentwicklung seit der Installation von DxO Optics Pro v6 und habe Erfahrungen mit meinen eigenen und anderen Aufnahmen sammeln können, hier eine Zusammenfassung der positiven Eindrücke:

* DxO lohnt sich vor allem für Anwender der Module (Kamera/Objektiv Kombination, siehe dabei Standard resp. Elite Version), die auf der DxO-Liste aufgeführt sind, speziell dSLR mit x-fachen Zoomobjektiven.

* DxO reinigt im Preset Standard (entspricht einer [auto] Funktion) JPG oder RAW Aufnahmen hinsichtlich Belichtungskorrekturen (nach heller und dunkler), DxO Lightning (Kontraste uam), Farbfehlern, Verzeichnungen und Vignettierungen und Rauschen (RAW) vor allem auch automatisch und sehr zuverlässig. Lässt man zB eine lichtmäßig kritische, eher knapp ausbelichtete und weitwinklige Aufnahme damit entwickeln, so findet sich als Ergebnis eine farbgleiche (!), in den Schattenpartien soft aufgehellte und wesentlich besser durchgezeichnete Aufnahme, die gleichzeitig deutlich rauschfreier wirkt als das Original. Zudem werden tonnenförmige Verbiegungen einwandfrei korrigiert, die zoombedingten dreidimensionalen Verzeichnungen sauber eingeebnet, was für mich den größten Effekt darstellt (sog. Volumenanamorphose), denn daraus resultiert ein bisher unbekannter Gewinn an natürlicher Plastizität, sprich Schärfe, man glaubt es sei ein anderes Objektiv im Sinne einer guten Festbrennweite. Der wirklich nur minimale Verlust an Bildgröße betrifft nur den äußeren Rand und ist gut zu verschmerzen.

War es bisher eine gewisse Hürde, wenn die PhotoShop Automatismen STRG L und M keine wirkliche Verbesserung oder sogar eine Verschlechterung meiner Bilder gebracht haben, bin ich von eher richtigen Grundoptionen im Kameramenue und präzisen Kameraeinstellungen bei der Aufnahme ausgegangen. Heute mit DxO ist es anders, erst nach dem Entwickeln kann ich wirklich beurteilen, wie weit meine aus der Kamera gespeicherten Aufnahmen konstruktionsbedingt mit Fehlern behaftet waren. Zum ersten mal habe ich diesen Effekt bei der Canon EOS 5D MK II erkennen können, die kamerainterne Korrekturen für ca. 30 EF-Objektive im Menue anbietet, Vignettierungen beim EF 2.8 14mm waren zuverlässig weggerechnet. Dieser Effekt und darüber hinaus viel mehr funktioniert bei DxO auch nur, wenn die spezifische Kamera-Objektiv Kombination als Modul vorhanden ist, in Worten: Aufnahmen aus einer gelisteten dSLR plus Zoom erfahren die umfangreichste Entwicklung. Diese ist auf einen Stapel von 500 Aufnahmen pro sogenanntem Projekt beschränkt, man kann dabei von etwa einer Minute pro Bildentwicklung ausgehen. Damit steht eine wesentlich längere Entwicklungszeit und zudem eine leistungsfähigere Kombination an SoftWare und Rechner als in der Kamera zur Verfügung, deren Prozessor im wesentlichen Daten auslesen und vor allem schnell auf die Speicherkarte schaufeln soll.

Das war tell me, show me kann jeder Interessierte für sich mit der Demoversion von DxO erfahren.

Für meinen Teil bleibt zu sagen, es lohnt, bereits bei der [automatischen] Entwicklung, für manches Bild mehr noch beim gezielten und manuellen Einsatz der einzelnen Module, die sogar noch verschiedene aus PS&Co bekannte Arbeitsschritte aufweisen. Doch da bleibe ich zunächst lieber bei dem gewohnten Vorgehen. Ich hoffe, die positive Wirkungsweise von DxO trotz meiner Begeisterung ein wenig veständlich beschrieben zu haben.

http://www.scandig.de/software/digitalkamera/dxo-optics-pro-elite.html

http://www.dxo.com/de/photo/dxo_optics_pro/product_editions

/roadmap_dop_modules

Dieser Scrennshot zeigt links das RAW-Original, rechts die DxO-Standard Entwicklung, bitte auch vergrößert und in Ruhe betrachten, danach können wir gerne über den Nutzen der Anwendung hier im Blog diskutieren.

Hier noch einige weiterführende Links, von oben (+++) nach unten geordnet entsprechend meiner Einschätzung,
und danach meine kurze Zusammenfassung nach vielen DxO Behandlungen, viel Spaß beim Lesen:

http://www.fotowissen.eu/dxo-vs-lightroom/

http://www.filmscanner.info/DxO_Optics_Pro.html

http://www.digitalkamera.de/Software/DxO_Optics_Pro_Elite

_5_2/5043.aspx

Mein Fazit:

DxO ist eine vor allem [auto]matisch sehr treffsicher ablaufende Bildverbesserungssoftware für gelistete Body Objektiv Kombinationen, wobei sorgfältig, aber eher knapp belichtete JPG genügen (integral -1/2 Blende). DxO korrigiert dabei die Belichtung und Vignettierung und rechnet das gesamte Bildvolumen zu einem deutlich schärferen Bildeindruck um, diesen positiven Effekt setzte ich von der Bedeutung her nicht mit einer einfachen Belichtungskorrektur gleich. Leichte Objektivfehler (Kissen und Tonnen) werden zusätzlich und sorgfältig geradegebügelt.

Manuell können u.a. der Horizont oder stürzende Linien, sofern gewünscht, ausgerichtet werden.

DxO sollte keinesfalls verleiten, sich bei der Aufnahme weniger Mühe zu geben, was ja auch dem s l o w f o t o-Grundgedanken widerspräche. Sehr kritische Kontraste nehme ich deshalb wie bisher mit RAW+JPG auf. Allen Korrekturen ist eine physikalische Grenze gesetzt. Gerade deswegen ist es eine besondere Freude, diese für die eigene Kamera Objektiv Kombination weiter nach oben auszunutzen, für mich ist DxO deswegen als erste Bearbeitung mittlerweile ein Muss, abgesehen von Motiven, bei denen zB der dunklere Hintergrund als Stilmittel verwendet wird.

Vor einer Objektiv Bewertung ist es für mich mittlerweile obligat, einige kritische Probeaufnahmen mit DxO nachzuentwickeln und dabei die Unterschiede vorher und nachher kritisch zu würdigen.

wird fortgesetzt…

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Einfach bessere Fotos – slowfotos Reisefotografie

 Canon 400D ISO 200 Blende F 11 Brennweite f 14mm Zeit 1/350 sec Uhrzeit 15:10 – Panorama aus fünf Einzelaufnahmen

Reisefotografie – richtig Auswählen, Fotografieren und Präsentieren

Jeder kann überzeugende Bilder von Reisen aufnehmen, wenn das Auge geschult und die Technik einigermaßen vertraut ist. Start at the beginning: Man muss sich nur innerhalb der Grenzen bewegen, die das Objekt der Begierde, die Technik und die Physik auferlegen.

Nicht alles, was ich sehe, kann ich wiedergeben, vieles davon eignet sich jedoch für eindrucksvolle Standbilder: besser ist es, mit Gefühl und guten Willen schon in der Kamera zur perfekten Bilddatei zu gelangen, der richtige Weg, um anschließende und zeitaufwendige Nachbearbeitung am PC zu minimieren.

Wie geht das? Dabei helfen die zwölf folgenden und einfachen Regeln

Canon 350D ISO 200 Blende F 11 Brennweite f 10mm Zeit 1/350 sec Uhrzeit 12:49 Panorama aus zwei Einzelaufnahmen

Zwölf Wege zum Erfolg

1)    Das richtige Equipment – weder zu viel noch zu wenig

2)    Eigene Fähigkeiten – Erkennen und Umsetzen

3)    Die richtige Komposition – was darf keinesfalls aufs Bild

4)    Kontraste zwischen Vorder- und Hintergrund – was verträgt der Sensor

5)    Zur richtigen Zeit am richtigen Ort – Planung ist alles

6)    Zwischen Licht und Schatten – darin liegt der eigentliche Reiz

7)    Die richtige Einstellung – oder wie beherrsche ich die Technik

8)    Interessante Aufnahmen mit Menschen – alt,  jung oder fremd

9)    Schlechtes Wetter – es gibt nur ungeeignete Motive

10)   Nachbearbeitung am PC – so wenig wie sinnvoll

11)   Bildauswahl – was ist langweilig

12)   Präsentation – optisch oder gedruckt

Canon 400D ISO 200 Blende F 11 Brennweite f 24mm Zeit 1/250 sec Uhrzeit 13:18

1)   Equipment

Manches davon bleibt besser zu Hause

und oft ist weniger mehr!

Nicht die apparative Ausrüstung, sondern die genutzte Situation und die beherrschte Technik sichern gute Ergebnisse: Eine digitale SLR-Kamera mit präzisem, schnellen Autofokus, ein >Fußgängerzoom< (max. 18-135mm) oder einige Zoomobjektive (darüber kann man Stunden streiten), Ersatzakkus plus Speicherkarten und vielleicht noch ein Netbook zum Speichern sind notwendig, vielleicht auch weniger.

Als pragmatischer Minimalist nimmt man mit, was man benötigt oder letztendlich doch etwas mehr. Die Tasche sollte weder Blicke und Begehrlichkeiten anziehen noch zu schwer sein, wenn es zu Fuß auf Motivjagd geht. Ich verzichtete gerne auf Blitztechnik und Stativ: >available light Fotografie< ist die Herausforderung für mich in vollem Belichtungsspielraum von ISO 100 bis 3200 plus die Nutzung von allem, woran oder worauf die Kamera ruhen kann (Geländer, Hauswände, Laterne, Tische und Stühle), mit zwei oder drei Bildern in Folge, wobei eines davon besonders gut und scharf sein sollte.

2) Eigene Fähigkeiten

Canon 400D ISO 200 Blende F 9,5 Brennweite f 10mm Zeit 1/250 sec Uhrzeit 10:25

Wie so oft zählt das Wissen mehr als die beste verfügbare Technik, sogar mit einfachen Kameras lassen sich ansprechende und aussageträchtige Aufnahmen machen, ohne dass zuvor ein Vermögen investiert wird.

Fotografie basiert auf einigen optischen und physikalischen Grundregeln über Licht und Tageszeit, Bildwinkel und Bildkomposition, der Rest ist Erfahrung und Intuition. Wer vorher mitdenkt, muss nachher nur wenige Aufnahmen löschen = s l o w f o t o. Und ein Bild ist erst dann gut, wenn man nichts mehr abschneiden oder verändern muss (und Frauenaugen dies bestätigen).

Am Kiosk oder im Zeitungsgeschäft lässt sich schnell herausfinden, wo die richtig guten Standpunkte für die bisherigen Fotografen waren. Wichtig ist die Wahl des interessanten Tageslichts, high noon ist ungeeignet, weil die Sonne zu hoch steht, zu grelles Licht bei zu dunklen Schatten verursacht und die interessante, weil seitliche Schattenwirkung entfällt.

Meine Highlights entstehen am frühesten Morgen, oft schon direkt nach Sonnenaufgang, oder zur „Blauen Stunde“, also in den 20 bis 40 Minuten nach Sonnenuntergang, wenn der Himmel leuchtet, aber noch nicht zu dunkel ist und ISO zur Bedeutung kommt. Der erkannte Zufall sichert die besten Motive, man sollte vorher wissen wo, denn die Ausbeute eines ganzen Tages entsteht so oft innerhalb weniger Minuten.

Canon 400D ISO 800 Blende F 3,5 Brennweite f 10mm Zeit 1/4 sec Uhrzeit 17:29

Mit dem Stadtplan in der Hand oder einer geplanten Tour im Kopf suche ich die entsprechenden Standpunkte und verwende passende Brennweiten. Bin ich mit dem Ergebnis nicht wirklich zufrieden, suche ich sofort nach besseren Kompositionen. Vor allem in alten Städten ist ein super Weitwinkel (16mm KB oder 10mm KBÄ) von Nöten, schmale Gassen erfordern Hochformate.

Eher statische Motive werden mit [Av = aperture value] und Blende 7 oder mehr aufgenommen, um möglichst große Schärfentiefe zu erreichen, dynamische Motive mit Personen bedürfen kurzer Belichtungszeiten mit [Tv = time value] ab 1/250 sec und kürzer, um Bewegungsunschärfen sicher zu vermeiden.

Eine präferierte Einstellung ist dann oft auch die [P]rogrammautomatik mit einem prüfenden Blick auf die von der Kamera vorgeschlagenen Werte für Belichtungszeit und Blende bei vorgegebener ISO oder der ISO [Automatik].

ISO Werte hängen vom verfügbaren Licht und der Dynamik der Aufnahmen sowie der Brennweite ab. Wenn es hell genug ist und das Objekt sich sehr wenig oder nicht bewegt, kann ISO 50-100 sinnvoll sein, dunklere Situationen erfordern bis ISO 800-3200 und noch viel mehr, hier sind kompakte Kameras mit den kleinen Sensorabmessungen in Nachteil, weil frühes Rauschen angesagt ist.

3) Die richtige Komposition

Canon 350D ISO 400 Blende F 5,6 Brennweite f 85mm Zeit 1/90 sec Uhrzeit 21:15

Ganz wichtig ist die zwar standardisierte aber interessante Bildkomposition, hälftige Aufteilungen (Himmel und Natur jeweils 1:1) sind langweilig, vor allem bei kurzen Brennweiten, ebenso exakt in der Bildmitte platzierte Objekte. Besser ist der goldene Schnitt (Drittelregel zur horizontalen und vertikalen Aufteilung), beim 2:3 Format der Spiegelreflex ist 2/5 zu 3/5 oft interessanter.

Andreas FEININGER hat zur Bildkomposition einige Klassiker geschrieben, die heute so aktuell sind wie damals, denn trotz der digitalen Sensoren und Prozessoren hat sich an der Optik und Physik der Fotografie nichts geändert. Letztlich muss man schon vor dem Blick in den Sucher erkennen, was bildunwichtig und damit langweilig ist und das ganz einfach weglassen, das ist die wesentliche Aussage zum  s  l o w f o t o.

Die durch die Abmessung der sensorbedingt kleineren (als beim Kleinbildformat, Ausnahme EOD 7D) Sucherbilder digitaler Spiegelreflexkameras sind für mich ein Grund, noch besser auf eine exakte waagrechte und senkrechte Ausrichtung der Kamera zu achten, um spätere Nachbearbeitungen am PC zu minimieren:

  • Vor dem Druck auf den Auslöser sollten in der perspektivischen Betrachtung alle vor der Kamera liegenden Hilfslinien von Bauwerken oder dem Horizont parallel zum jeweiligen Bildrand verlaufen, sonst wirken die Fotos schlichtweg amateurhaft.
  • Bei Personenaufnahmen als schlechtes Beispiel abgeschnittene Beine und viel zu viel Himmel über dem Kopf. Wer mit der Kompakten fotografiert, ist mit einem 3 Zoll großen Bildschirm ordentlich beraten.

Abhilfe bietet der Vollformatsensor oder die EOS 7D in Verbindung mit Gittereinstellscheiben, für mich schließlich ein wesentlicher Grund zur Anschaffung.

4) Kontraste zwischen Vorder- und Hintergrund

Canon 5D ISO 50 Blende F 9,5 Brennweite f 85mm Zeit 1/250 sec Uhrzeit 16:20

Abwechslung schafft Spannung, Anfänger verschenken oft große Teile des Bildes für uninteressante Inhalte, dabei wäre mit etwas längerer Brennweite die Komposition viel gelungener, sofern man nicht einfach näher ans Objekt gehen kann.

Erst Gegensätze lassen den Betrachter die Größendimensionen erfassen, auch starke Farbkontraste verfehlen selten ihre Wirkung, dankbar sind Spiegelungen auf Glas- oder Wasseroberflächen. Oft ist die Nähe zum Motiv besser, um leere Bereiche im Bild zu vermeiden. Die Entfernung stimmt erst dann, wenn man nicht näher rangehen braucht oder kann.

Ebenso ist es sinnvoll, zu einem Motiv nach passenden Rahmen oder Ergänzungen im Vordergrund zu suchen, Gebäude erhalten durch angrenzende Bäume eine andere Dimension, Blicke durch Fenster oder Mauerdurchbrüche einen Rahmen. Dadurch kann ein zweidimensionales Foto den Eindruck von bildlicher Tiefe erwecken und somit erst richtig interessant wirken, denn weitwinklige Landschaftsaufnahmen ohne entsprechenden Vordergrund langweilen einfach.

5) Zur richtigen Zeit am richtigen Ort

Canon 350D ISO 400 Blende F 11 Brennweite f 15mm Zeit 1/250 sec Uhrzeit 6:44

Die besten Zeiten für gute Stadt- und Naturfotos sind in der morgendlichen Frühe, am späten Nachmittag und nach Sonnenuntergang zur Blauen Stunde. Deren jeweiliger Beginn lässt sich am einfachsten durch Probeaufnahmen feststellen – wenn das Licht des Himmels kräftig oder dunkel wird, wirken beleuchtete Motive im Vordergrund besonders gut.

In Städten achtet man auf verkehrsarme Zeiten, überfüllte Märkte oder Straßen lohnen nicht: Übersichten mit weiten Winkeln wirken uninteressant, nur Ausschnitte mit langen Brennweiten sind vielleicht noch möglich.

Canon 5D ISO 400 Blende F 5.6 Brennweite f 24mm Zeit 1/250 sec Uhrzeit 19:04

Schöne Motive findet man nur in Zeiten besten fotografischen Lichtes, für den Rest des Tages dagegen bieten sich Innenaufnahmen an – oder einfach eine Pause, schließlich ermüdet nach ein paar Stunden auch der fotografische Blick. Vergleicht man bei interessanten Außenaufnahmen die Uhrzeiten, fallen gewisse Zeit- (=Licht-) Phasen schlicht weg.

Canon 5D ISO 200 Blende F 4 Brennweite f 55mm Zeit 1/30 sec Uhrzeit 19:19

So schön die pralle Mittagssonne für den Urlauber zunächst auch wirken mag – auf Fotos wirkt das weniger grelle Vor- oder das warme Nachmittagslicht einfach schöner, die sanfte Schattenwirkung eingeschlossen. 

6) Zwischen Licht und Schatten

Licht wird in der Maßeinheit Candela/m² (cd für lateinisch Kerze) gemessen, egal ob es ausgestrahlt (Sonne) oder reflektiert wird (Mond). Die Sonnenscheibe hat eine Leuchtdichte von über einer Milliarde, die Nachtszene mit Sternenlicht hingegen 0,001 cd/m².

Der Kontrastumfang von hellem Mittagslicht beträgt etwa 1.000.000:1, unser Auge kann ohne Adaptation Kontraste bis 10.000:1 erfassen, der Sensor im Unterschied dazu nur 1.000:1, der Dynamikumfang guter Monitore reicht bis 500:1!

Wenn Helligkeitswerte in einer Datei mit 8 Bit Speicherplatz pro Kanal und Pixel gespeichert werden, stehen nur 256 (0 bis 255) Werte zur Verfügung, die im Histogramm dargestellt sind. Wer mehr darstellen will, muss also heftig tricksen.

Canon 5D RAW ISO 50 Blende F 6.7 Brennweite f 300mm Zeit 1/350 sec Uhrzeit 21:10 bearbeitet RawTherapee und easyHDR

Wie lässt sich die gebotene Lichtfülle überhaupt einfangen? Man kann heute mehrere Aufnahmen mit einer Belichtungsreihe vom Stativ erstellen und diese am PC übereinanderrechnen (High Dynamic Range), um die Lichtdynamik in der Aufnahme zu steigern.

Fotografiert man lieber aus der Hand, lässt sich die sogenannte Rohdatei (RAW) auch in den überbelichteten Bereichen nachträglich korrigieren. Wer Aufnahmen sorgfältig komponiert, Wert auf ausgewogene Belichtung legt und dabei allzu große Helligkeitsunterschiede vermeidet, kann die Mehrzahl seiner Aufnahmen bereits so auf die Speicherkarte bringen, dass nachträgliche Bildbearbeitungen weniger erheblich sind, wenn man von objektiven Fehlern absieht, dafür gibt es Abhilfe wie DxO.

Anfänger achten nicht auf das Licht und fotografieren Gesichter im Schatten. Sie sehen nicht das bei seitlicher Sonne leuchtende Blattwerk oder Kirchenfenster, gerade dieses weiche Licht betont architektonische oder gewachsene Strukturen besonders schön. Nur darf man die Fähigkeiten des Sensors nicht überschätzen: Zu starke Licht- und Schattenkontraste mögen für das sich selbst adaptierende Auge interessant wirken, kein Kamerasensor kann jedoch beides gut darstellen, da die Belichtung auf helle oder dunkle Fläche gemittelt ist. Große Plätze, die halb von der Sonne beschienen werden und halb im Schatten liegen, werden so mit zwei Aufnahmen besser wiedergegeben.

Ein konturlos bedeckter Himmel über dem Motiv wirkt nicht und sollte deshalb nur als kleiner Streifen in die Bildkomposition einbezogen werde, besser ist es hier, mit geneigtem Blickwinkel Gebäude oder die Landschaft aufzunehmen. Wenn beispielsweise nur ein kleiner Teil der Komposition extrem hell ist, sollte man im dunklen Bereich messen. In der Regel ist die eher knappe Belichtung richtig: Während beim Diafilm auf die dunklen Partien spotgemessen wurde, um sie nicht absaufen zu lassen und damit Überbelichtungen bei den Spitzlichtern in Kauf genommen wurden, müssen bei digitalen Aufnahmen die hellen Bildanteile richtig belichtet werden, um deren Strukturen zu erhalten.

Canon 350D ISO 200 Blende F 13 Brennweite f 10mm Zeit 1/500 sec Uhrzeit 14:27

Wenn nur die Schnelligkeit bei Aufnahme zählt, verwende ich die mittenbetonte Integralmessung und versuche, den Bildwinkel eher klein zu halten, dabei sind verwacklungsoptimierte Zoomobjektive in Verbindung mit dem kontinuierlichen Autofokus ein Garant für hohe Bildausbeute.

 7) Die richtige Einstellung hilft

s l o w f o t o bedeutet: Vorher nachdenken und die Einstellung wählen ist besser als aufwendige Bildbearbeitung oder ein einziges und dann noch misslungenes Foto. Die wohl wichtigste Einstellung ist die ISO-Empfindlichkeit entsprechend dem vorhandenen Licht. In vielen Aufnahmesituationen mit der [P] Programmautomatik mache ich mir keine weiteren Gedanken über Belichtungszeit und Blende: Ich verwende kein Stativ, den eingebauten Blitz gelegentlich zur Aufhellung, und achte nur auf korrekte Belichtung und vor allem präzise Fokussierung. Lieber etwas unterbelichten, denn was zu hell ist, lässt sich kaum retten, weil Konturen verloren gehen, hingegen kann ich ein dunkleres Bild in der DxO-Nachbearbeitung leicht anheben. Für Panoramaaufnahmen sollte der Weißabgleich je nach Licht fixiert werden, um Aufnahme für Aufnahme konstante Farben zu gewähren. Geht es um Schärfentiefe, ist das [Av] = Aperture Value Programm mit vorgegebener Blende F8-11 ideal, geht es um Schärfe, wird die 1/500sec und schneller im [Tv] = Time Value Programm voreingestellt, um den bildwichtigen Part scharf zu erfassen.

Noch ein Wort zum Autofokus, er kann nicht präzise und schnell genug sein! Moderne Spiegelreflexkameras bieten den nachgeführten Autofokus, somit können auch bewegte Motive scharf abgebildet werden. Ich bevorzuge den Autofokus als Extrafunktion auf der Sternchen- oder der [AF]-taste, damit ich als Erstes die exakte Entfernung einstellen kann, bewegt sich das Motiv, bleibt diese Taste gedrückt. [Sport] Programme können ähnlichen Komfort bieten.

 

Canon 350D ISO 200 Blende F 9.5 Brennweite f 300mm Zeit 1/1000 sec Uhrzeit 16:47  

8) Interessante Aufnahmen mit Menschen

Canon 300D ISO 100 Blende F 5 Brennweite f 46mm Zeit 1/60 sec Uhrzeit 16:13

Modelle sind Fotosessionen gewöhnt, Familienmitglieder oder Freunde in der Regel nicht! Aufnahmen von Fremden können ein Eingriff in deren Intimsphäre sein: Ungefragt und ohne Einverständnis schießt man mit der Kompakten mit drehbarem Objektiv oder Bildschirm aus der Hüfte, jedoch mit der Kamera vor dem Auge ist die Frage sinnvoll: „Stört es Sie, wenn Sie mit im Bild sind?“ Schon beim ersten Kopfschütteln klickt der Auslöser für zwei oder mehrere Bilder aus der Nähe und noch ein paar Fotos aus der Distanz. Die besten Personenfotos entstehen, wenn sich das Motiv entspannt oder glaubt, nicht mehr im Bild zu sein.

Canon 350D ISO 200 Blende F 8 Brennweite f 135mm Zeit 1/250 sec Uhrzeit 15:27

Menschen sehen am besten aus, wenn sie nicht erwarten, fotografiert zu werden. Hier helfen längere Brennweiten und Distanzen, dabei verändert sich wieder die Darstellung des Hintergrundes, der auch näher herangeholt wird. Ideale Motivquellen sind Märkte oder Spektakel auf der Straße. Gestellte Gruppenaufnahmen von Mitreisenden sind regelmäßig zum Gähnen: Besser positioniert man die Personen seitlich und beschäftigt sie dabei interaktiv, sei es mit Einkauf auf dem Marktplatz, im Gespräch untereinander oder mit Einheimischen oder beim Betrachten der ausgestellten Speisekarte. Es gibt so viele ablenkende Beschäftigungen, die den direkten Blick in das Objektiv vermeiden!

Canon 5D ISO 200 Blende F 96.7 Brennweite f 32mm Zeit 1/60 sec Uhrzeit 12:04

Natürlich darf und soll man nicht kompromittierende Situationen ausnutzen. Ein kurzer Blick, ein fragendes Lächeln oder ein freundliches Winken sichert die Zustimmung derjenigen, die mit ins Bild genommen werden.

 9) Schlechtes Wetter

Canon 350D ISO 200 Blende F 4.5 Brennweite f 10mm Zeit 1/60 sec Uhrzeit 16:43

Regen und bedeckte Himmel sorgen für Abwechslung: Man wählt einfach andere Motive oder Blickwinkel aus! Ungewöhnliche Bilder entstehen, wenn man mit der Kamera aus der Froschperspektive, also in Bodennähe oder hoch über den Schultern schießt. Ideal sind auch Spiegelungen von Sehenswürdigkeit in Fensterscheiben oder großen Wasseroberflächen, notfalls mit dem Weitwinkel und einer Pfütze. Auch Tele- und Makroaufnahmen von Spiegelungen in Eiszapfen oder Wassertropfen können spektakulär aussehen, wenn man sich mit der Suche nach dem interessanten Blickwinkel Mühe gibt.

Alternativ bieten sich Fotos in Innenräumen an, Ausstellungen oder Kaufhäuser sind dabei sehr ergiebige Quellen: In Städten mit erhaltenem altem Bauwerk sind innenarchitektonischer Kleinode leicht zu finden. Allerdings gilt dort auch die Frage nach dem der Erlaubnis als Pflicht.

Canon 5D ISO 3200 Blende F 4.5 Brennweite f 105mm Zeit 1/125 sec Uhrzeit 17:45

Besteht kein Fotografierverbot und dürfen Aufnahmen ohne Blitzlicht gemacht werden, bieten auch hier rauscharme Sensoren enorme Vorteile.

10) Nachbearbeitung am PC

Man muss nicht jedes Bild (für den Druck) nachbearbeiten, es sei denn, man kann nur unter Zeitdruck oder mit Lichtdefiziten aufnehmen, dann ist DxO und PhotoShop angesagt. Ein zwingendes Beispiel dafür sind langbrennweitige Teleaufnahmen von Landschaften, sie sind oft kontrastarm und dunstig, einzige Abhilfe: Die vorhandenen Farben im Histogramm etwas spreizen, damit den Kontrast anheben und über den Gammaregler die Helligkeit beeinflussen, abschließende Feinarbeiten mit Unscharf maskieren vornehmen. Dazu sind Kenntnisse und Verständnis gefragt!

Übertriebene Bildbearbeitung lässt Bilder oft unnatürlich aussehen, deshalb ist für die Bildbearbeitung am PC ein kalibrierter Bildschirm unerlässlich. Wer Objektive oft wechselt, muss manchmal den Staub auf dem Sensor im Bild retouchieren oder den Sensor reinigen oder Bild- und Pixelfehler mit dem Stempel ausmerzen.

Sanyo Xacti VPC-E6EX ISO 100 Blende F 7.6 Brennweite f 12mm Zeit 1/50 sec

Canon 350D ISO 200 Blende F 20 Brennweite f 18mm Zeit 1/200 sec – Kitobjektiv in Retrostellung mit dem www.traumflieger.de makro flash kit

11) Auswahl des besten Bildes

Wer zu viel knipst, hat viel zu löschen! Beschränkt man sich bei den Aufnahmen auf die weitgehend perfekten Bilder und löscht schon in der Kamera, erspart dies lästiges und nachträgliches Suchen und Auswählen am PC.

Nicht nur bei Personenaufnahmen ist oft die zweite oder dritte Aufnahme die bessere, weil die Akteure entspannter sind. Reicht das vorhandene Licht nicht aus, sind Serienbilder eine Möglichkeit, dem Verwackeln entgegenzuwirken. Gleiches gilt für den Selbst- oder Kabelauslöser. Kompakte verfügen wie manche Telewechselobjektive über optische Hilfen oder Stabilisatoren bei langen Belichtungszeiten, die ein Segen für die Bildqualität sein können.

Canon 5D ISO 3200 Blende F 4 Brennweite f 24mm Zeit 1/15 sec Uhrzeit 19:51 unbearbeitet!

Technische Aspekte wie Schärfe und gerade Horizonte sind ebenso wichtig wie richtige Belichtung, überbelichtet ist schlimmer als knappe Belichtung mit satteren Farben: Deshalb muss man die Komposition und das Licht an den wesentlichen Stellen des Motivs überprüfen – trotzdem bleibt die Bildauswahl natürlich immer subjektiv.

Zur richtigen Bildauswahl (m)ein Rezept: Frauen haben oft ein untrüglich perfektes Gefühl für gute und weniger aussagefähige Aufnahmen…

12) Präsentation

Druck oder Projektion? Wer sich an Postkartengröße 10×15 cm erfreut, ist mit einem Thermosublimationsdrucker (Wachsdruck) von CANON sehr gut beraten, die Farbtreue und Haltbarkeit sind einfach hervorragend. Größere Formate lasse ich im Fotogeschäft oder Versand printen, die Kosten liegen weit unter den empfindlichen Tintendrucken, die Qualität ist viel besser.

Canon 300D ISO 100 Blende F 10 Brennweite f 33mm Zeit 1/160 sec Uhrzeit 12:51

Aktuelle Beamer sind leistungsfähiger geworden, HD-Fernseher auch. Allerdings lassen sich 10 Millionen Pixel noch nicht als optisches Bild wirklich darstellen, bei 72 Pixel pro inch wäre die notwendige Bildschirmgröße für die pixelgenaue Darstellung immerhin 137×92 cm! Die Preise für >24 Zoll fullHD TFTs sind mittlerweile so günstig, sodass auch diese großen Bildschirme für die schönen Erinnerungen an Reisen in Betracht kommen.

Und manche Motive sind und bleiben in der Präsentation einfach schwierig…

Canon 400D ISO 200 Blende F 9.5 Brennweite f 85mm Zeit 1/250 sec Uhrzeit 19:52 Panorama aus sieben Einzelaufnahmen

 

wird mit anderen Themen fortgesetzt…

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Einfach bessere Fotos – Teil 7

Tipps für alle digitalen Kameras

Der (Durch-) Blick für das Wesentliche am und im Bild

Es gibt keine Kamera, mit der man alle Aufnahmesituationen gleichgut bewältigen kann. Vor allem kann der bewußte Verzicht auf allzu hochgezüchtete Technik durchaus förderlich sein, wenn es um die langlebige Anschaffung der für die eigenen Bedürfnisse geeigneten Kamera oder Ausrüstung geht. Zunächst muss man die Frage ehrlich beantworten, welches Equipment man nicht braucht und was an Aufwand zwingend nötig ist, denn auch für einen langjährigen Nutzer ist die Entscheidung pro oder contra immer nur eine persönliche:

Wer gut fotografieren kann, erstellt auch mit einer kleinen Kompakten, in meinem Fall mit der knuddeligen und wasserdichten CANON D10 mit innenliegendem 3-fach-Zoom, sehr gute Aufnahmen bei ordentlichem Licht, wobei ich hier sogar die in dieser Kamera angebotenen sinnvollen Automatiken nutze. Da ich den exakt über dem Objektiv platzierten Blitz wegen Entfall der häßlichen seitlichen Schlagschatten vorziehe, kommen alle anderen Kompakten nur ohne Blitzbetrieb in Betracht. Weitere Vorteile bietet ein klappbarer Bildschirm für knifflige Aufnahmesituationen, ebensolche der kleine Sensor in Verbindung mit der kurzen Brennweite ab etwa 6mm für extreme Makroaufnahmen.

Mehr Telebereich bieten sogenannte kompakte Superzoomkameras, die ich wegen der Trägheit von Autofokus und anderem lieber liegenlasse, ähnlich schwierig finde ich im Handling kleine VideoCams mit diesen Zoomobjektiven. Eine Kompakte mit weiterem Winkel von 24mm Kleinbildäquivalenz (KBÄ) und weniger als Zoombeginn würde mich eher interessieren. Bei stillen Motiven verwende ich ersatzweise Panoramen aus Hochformataufnahmen.

Wer gut fotografieren und wenig schleppen will, ist mit den preiswerten dSLR Einstiegsmodellen samt angebotenen Kit-Objektiven gut bedient, wobei live-view und full-HD Video auf Wunsch heute schon beinhaltet ist. Der mittelgroße Crop-Format Sensor spielt viele hier Vorteile aus, diese Kamera-Gattung gehört nicht umsonst zu den meistverbreiteten Modellen. Die neu berechneten Objektive beginnen ab 10mm Brennweite (entspricht 16mm KBÄ) und sind oft leichter und preiswerter als die entsprechenden vollformatigen Zoome.

Die Königsklasse im Kleinbildformat bleiben Kameras mit dem sogenannten Vollformatsensor, für die eine fast unüberschaubare Auswahl an originalen und fremden Objektiven und anderem Zubehör angeboten wird. Sowohl Gewicht als auch Anschaffungskosten liegen durchaus bei einem Vielfachen, noch weiter steigerungsfähig wird dann das Mittelformat.

Die Entscheidungsnot reduziert sich, wenn ich folgende Fragen für meine persönlichen Bedürnisse ehrlich beantworte:

Benötige ich für den geplanten Einsatz regelmäßig hohe ISO-Werte?

Benötige ich regelmäßig große Brennweitenbereiche oder Spezialobjektive?

Lege ich Wert auf eine geringe Schärfentiefe und damit auf eine gezielte Freistellung des Hintergrundes?

Muss die Kamera besonders schnell fokussieren können?

Muss die RAW-Bildfolge mehrere Aufnahmen pro Sekunde betragen?

Welcher Ausrüstungsumfang und welches Gewicht soll nicht überschritten werden?

Welche geplanten Anschaffungskosten limitieren den Einkauf?

Möchte ich eine einzige Kamera für alles oder mehrere für unterschiedliche Zwecke?

Wie lange möchte ich speziell diese Anschaffung nutzen?

Sinnvollerweise sollte vor jedem Kauf feststehen, was ich zum Fotografieren nicht benötige.

Denn letzten Endes geht es doch vor allem um die Fähigkeit des Fotografen, sich mit einem Motiv auseinander zu setzen und seine ganz persönliche Sichtweise in die Aufnahme einzubringen, denn das Bild entsteht zuerst zwischen den Ohren und ein Bild ist erst dann gut, wenn man daran nichts mehr ändern sollte.

wird irgendwann ergänzt oder fortgesetzt…

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Einfach bessere Fotos – Teil 6

Tipps für digitale Kompakte und Spiegelreflexkameras

Gemeinsamkeiten und Unterschiede von digitalen Bridge-, kompakten, spiegellosen und Spiegelreflex-System-kameras

 

Versuch einer persönlichen Wertung nach Zusammenfassung

Besondere Eigenschaften verschiedener Kameratypen wurden in den vorausgegangenen Artikeln bereits erwähnt. In der folgenden, nach den oben genannten Kameratypen geordnete Liste werden die wichtigen Merkmale der aktuellen Kameras summarisch benannt und aus der eigenen Erfahrung bewertet.

 

Kompaktkameras, auch mit Superzoom

kompakte, transportfreundliche Gehäuse, auch mit großem Brennweitenbereich

oft sehr gute Makro-Fähigkeiten im Weitwinkelbereich

starkes Bildrauschen meist bereits ab ISO 400, danach unbrauchbar

große Schärfentiefe auch bei maximaler Blendenöffnung

weniger Einstelloptionen als Bridge- und Systemkameras

Kontrast-AF, damit langsamer als Phasen-AF

manuelle Fokussierung oft nicht möglich oder unpraktisch über Menue (Balken)

Motorzoom (langsamer und unpräziser als manuelles Drehzoom), verbraucht zudem Strom

kein Okularsucher, der aber wegen der Parallaxe im Nahbereich bauartbedingt ungenau ist

Verwendung von Studioblitzen nur über Lichtauslösung möglich

fallende Preise je nach Markteinführung

 

Bridgekameras

relativ kompaktes Gehäuse, mit den dSLR Einstiegsmodellen vergleichbar

Telelastiger Brennweitenbereich, änderbar nur über Vorsatzlinsen

wenig Zubehör

oft sehr gute Makro-Fähigkeiten im Weitwinkelbereich bei kleinen Sensoren

umfangreichere Einstellungen als bei Kompakten

manuelle Fokussierung oft unpraktisch

Verwendung von Studioblitzen nur über Lichtauslösung möglich

Bildrauschen, ISO-Werte, Schärfentiefe, Blendöffnung, Kontrast-AF und Motorzoom mit meist gleichen Nachteilen wie Kompaktkameras, vor allem in Abhängigkeit von der Sensorgröße

 

Systemkameras dSLR

hohe Bildqualität auch bei hohen ISO-Werten, vor allem beim Vollformatsensor

geringe Schärfentiefe bei großer Blendenöffnung (auch für Video)

mittlerweile oft zu umfangreiche Einstelloptionen

Abblenden je nach Objektiv bis mindestens bis f/16 oder sogar f/32 möglich

meist höhere Serienbildgeschwindigkeit als Bridge- und Kompaktkameras

sehr gute Eignung für die Verwendung von Studioblitzen, auch kabellose E-TTL Steuerung der Blitzleistung mehrerer Blitze

als (semi) professionelle Gehäuse groß und schwer, das gilt auch für viele Zoome mit integrierten Bildsabilisator

echte Makrofähigkeiten meist nur mit entsprechenden Objektiven oder speziellem Zubehör

auch hoher Kaufpreis, wenn ein aktuelles Modell mit Objektiv Grundausstattung gewünscht ist

umfassendes Angebot an System- und Fremdobjektiven und Blitzen, unüberschaubares  Zubehörangebot

Besonderheiten neuer spiegelloser Systemkameras

etwas kompaktere Bauweise als Spiegelreflexkameras

Okularsucher elektronisch, nicht optisch, besser ist ein großer Kontrollbildschirm wie bei der VideoCam

Kontrast-AF, damit langsamer als Phasen-AF

derzeit noch geringes Objektivangebot und geringes Zubehörangebot

Adapter für verwandte Systemobjektive meist ohne Übertragung von AF und Blendenautomatik

Besonderheiten aller Spiegelreflexsystemkameras

meist exzellente und schnelle Nachführ-AF-Leistungen und rasante Bildfolgen

optischer Okularsucher durch das Objektiv (TTL), bei Vollformat und semiprofessionellen Gehäusen groß

größer und schwerer als spiegellose Systemkameras (Magnesiumgehäuse)

Videoaufnahmen meist mit deutlich schwächeren AF-Leistungen als spiegellose Systemkameras oder guten VideoCams, dafür exzellente Freistellungen ab C-Sensor unter Zuhilfenahme offener Blenden aller passenden Systemobjektive oder -zoome

Adapter für verwandte Systemobjektive meist ohne Übertragung von AF und Blendenautomatik

wird fortgesetzt…

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