FAQs: Welche Rolle spielt meine Kamerawahl?

Ken Rockwell: Your Camera Doesn’t Matter

slowfotos Antwort: Eine Kamera ist ein käufliches Produkt wie jedes andere industriell gefertigte Gerät. Damit ist die Wahl bei der Anschaffung reiflich zu überlegen, auch wenn man Fehlkäufe im Web relativ einfach in einer Frist zurückgeben kann. Letztlich bleibt die falsche Entscheidung mit fahlem Geschmack. Allerdings ist heute ein neu gekaufter Artikel, vor allem bei elektronischen Apparaten, bereits vom Nachfolgemodell als alt bedroht.

Wo entsteht ein Bild?
Zwei magische Laternen: Wo entsteht das Bild? 

Ken Rockwell hat 2009 dazu geschrieben (Zitate immer kursiv)t:

Deine Kamera spielt keine Rolle – Die einzige Aufgabe einer Kamera ist es, beim Fotografieren nicht hinderlich zu sein.

und damit einen heftigen Sturm ausgelöst. Ich will es mal anders formulieren:

Die einzige Aufgabe meiner Kamera ist es, beim Fotografieren förderlich zu sein.

Andreas Feininger`s Publikationen zur Fotolehre waren zu meinen Studienzeiten begehrter als manches Fachbuch – die Kamera dazu eine gebrauchte Zeiss Ikon Contarex mit Aufsicht Sucher und dem legendären M42 Tessar 2.8 50mm (1970). Als Filmmaterial gab es für mich nur Kodakchrome 25 mit Entwicklung plus Papprähmchen, weil damit ein originales Diapositiv vorhanden war und davon aus Kostengründen selten Papierbilder geprinted wurden. Lunasix von Gossen war der Belichtungsmesser schlechthin. Wenn ich allein diese alte Kamera mit einer aktuellen Digitalen vergleiche… und dennoch waren damit eindrucksvolle Aufnahmen zu erstellen, mit dem Prickeln vorher nicht zu wissen was nachher rauskommt 🙂 Jedenfalls hatte auch diese langsame Aufnahmetechnik Reize, ebensolche hat heute das Smartphone mit der mobilen Anbindung an die halbe Welt zum Versand. Und eine große Industrie lebt von dieser Kommunikation.

Wer heute einen Fotoapparat kaufen will, verliert schnell den Überblick, zu vielfältig ist das Angebot. Mein regionaler Fotohändler lebt aktuell vom Neukauf der Crop Spiegellosen, vor allem vom Ersatzkauf neuer Objektive, die Nachfrage an dSLR und insbesondere von Vollformaten geht kontinuierlich zurück weil zu groß und zu schwer. Mein Eindruck dazu ist, dass die Aufnahmen dennoch nicht besser werden. Hilfreich für den Überblick sind Rockwell`s zahlreiche und m.E. sehr fundierte Tipps für einzelne Bereiche Recommended Cameras  resp. zu entsprechenden Objektiven, seine Einteilungen sind so individuell wie sie nützlich sind. 

Meine Empfehlungen sind schlichter: iPhone 6+ für fast alles, Canon EOS M für leichtes Gepäck und die EOS 6D für jedes vorhandene Licht, vor allem mit leichten Festbrennweiten. Aber darüber kann man vortrefflich streiten, Alternativen gibt es die Menge.

Im Folgenden noch ein paar provokante Merksätze aus dem o.a. Artikel, die zum Nachdenken anregen können:

  • Es ist immer besser, Zeit und Geld in künstlerische und fotografische Weiterbildung zu investieren statt in weitere Kameras.
  • Großartige Fotos entstehen durch eigene Einfälle, nicht durch Nachahmung.
  • Fotos werden nicht von Kameras gemacht, sondern von Fotografen. Kameras sind nur ein künstlerisches Werkzeug.
  • Sogar Ansel sagte: „Der wichtigste Teil der Kamera sind die 30 Zentimer dahinter.“
  • Eine Kamera fängt Deine Phantasie ein. Keine Phantasie, kein Bild – nur Müll.
  •  Die Qualität eines Objektivs oder einer Kamera hat kaum etwas zu tun mit der Qualität der Bilder, die damit aufgenommen werden können.
  • Je weniger Zeit man mit Überlegungen zum Equipment vergeudet, umso mehr Zeit und Mühe kann man ins Erschaffen toller Bilder investieren. Das richtige Equipment macht es nur leichter, schneller oder bequemer, die gewünschten Ergebnisse zu bekommen.
  • Neues Zeug zu kaufen verbessert NICHT Deine Fotografie. 
  • Andreas Feininger (Franzose, 1905-1999), meinte: „Fotografen-Deppen, von denen es allzu viele gibt, sagen: ‚Wenn ich doch nur eine Nikon oder Leica hätte, dann könnte ich tolle Fotos machen.‘ Das ist das Blödeste, was ich je gehört habe. Es geht ausschließlich um das Sehen, das Denken und das Interesse. Das ist es, was eine gute Fotografie ausmacht. Und dann muss man alles meiden, was schlecht für das Bild wäre: das falsche Licht, den falschen Hintergrund, die falsche Zeit usw. Sonst sollte man das Bild erst gar nicht machen, egal wie schön das Motiv ist.“
  • Jeder weiß, dass Autos nicht von selber fahren, Schreibmaschinen nicht von selber Romane schreiben und Rembrandts Pinsel nicht von selber gemalt haben. Warum glauben dann intelligente Menschen, Kameras bildeten eine Ausnahme und machten Fotos ganz von allein?
  • Endlich versteht man, dass das ganze Zeug, das man mit so viel Zeitaufwand angesammelt hat, es lediglich leichter macht, den Klang oder den Bildeindruck oder die Bewegungen hinzukriegen. Aber man könnte dasselbe Ergebnis, vielleicht mit etwas mehr Aufwand, auch mit dem windigen Stück Equipment hinkriegen, mit dem man einst angefangen hat. Man kapiert, dass der Hauptzweck der Ausrüstung darin besteht, nicht hinderlich zu sein. Außerdem kapiert man, dass man wesentlich schneller zum Ziel gekommen wäre, wenn man seine Zeit nicht mit Gedanken an die Ausrüstung sondern mit dem Üben des Instruments, dem Fotografieren oder dem Wellenreiten verbracht hätte.
  • Genauso wird niemand, der Eure Bilder anschaut, erkennen oder sich überhaupt dafür interessieren, welche Kamera benutzt wurde. Es spielt einfach keine Rolle. Zu wissen, wie man etwas macht, bedeutet nicht, es auch tatsächlich machen zu können, oder gar, es gut machen zu können.
  • Glaubt bloß nicht, das teuerste Zeug sei das beste. Zu viel Foto-Equipment zu besitzen ist der sicherste Weg zu schlechten Fotos. Die teureren Kameras und Objektive bringen für ihren saftigen Mehrpreis keinen nennenswerten Mehrnutzen!

Alles Gute zum Neukauf – © slowfoto.de

FAQs: Welche Kamera ist die richtige für mich?

Frage: Digitale Kameras gibt es wie Sand am Meer, welche soll ich nehmen?

hier geht es zu einer guten Kamera
…hier geht es zu einer guten Kamera

Ohne Wissen versinkt man im Angebot, Männer sammeln (nicht nur) Kameras, auch Frauen benutzen oft untaugliches Gerät. Ein paar eigene Gedanken dazu:

Anschaffungen: Welche Kamera ist die beste für mich?

  1. Wieviel Gewicht will ich herumtragen?
  2. Welche maximale Bildgröße (MPI) benötige ich überhaupt?
  3. Welche Bildfolge (Schnelligkeit fps) samt Autofokus ist für mich wichtig?
  4. Wieviele Objektive möchte ich kaufen?
  5. Wie resp. wo kann ich testen, wem kann ich vertrauen?

Anhand meines aktuell genutzten Equipments möchte ich auf die für mich wesentlichen Ausstattungen einiger Kameras, deren Bildgrößen und Preise (Body, http://www.asgoodasnew.de) hinweisen, jede der Kameras wurde mehrfach hier im slowfoto Blog vorgestellt und besprochen:

Das iPhone6+ ist meine leichteste immer dabei Kamera, hat einen 8MPI Sensor mit einer Bildgröße von 3.264×2.448, eine f4.5mm Festbrennweite (ca. 28mm Kleinbild äquivalent) mit fixer Offenblende F2.2 und kostet mit 128GB ca. € 700

Die alte 6,5fps schnelle dSLR Canon EOS 40D hat einen 10.1MPI Drop Sensor mit einer Bildgröße von 3.888×2.552, den großen dSLR Body mit ordentlichem Sucherbild und kostet neuwertig nur noch ca. € 210

Die alte 3fps langsame Canon EOS 5D hat einen 12.8MPI Vollformatsensor mit einer Bildgröße von 4.368×2.912, kommt mit nahezu allem an Objektiven zurecht und kostet neuwertig nur ca. € 390

Die erste kleine und leichte, 4fps schnelle spiegellose Canon EOS M hat wie die aktuelle EOS M10 einen 18MPI Crop Sensor mit einer Bildgröße von 4.608×3.456, die M10 kostet aktuell ohne Objektiv nur ca. €250

Der ebenfalls 4fps schnelle Klassiker an Bildqualität Canon EOS 5DII hat einen 21.1MPI VF-Sensor mit einer Bildgröße von 5.616×3.744, sollte mit gutem Glas gepaart werden und kostet neuwertig nur noch ca. €700

Die aktuelle und 5fps schnelle Canon EOS 5Ds hat einen 50,6MPI VF-Sensor mit einer Bildgröße von 8.688×5.792, ist ab €2.040 als Body zu erstehen und erstellt Aufnahmen von ungeahnter Auflösung, wenn bestimmte wertige Objektive zum Einsatz kommen, deren Anschaffung dann schnell im 5-stelligen Bereich liegt

Wer mit Vergrößerungen im Postkartenformat 10x15cm (Selphy Drucker) leben kann, ist bereits mit 5MPI auf der sicheren Seite, mit dem i- oder Smart Phone also bestens gerüstet. Ab 10MPI sind Vergrößerungen bis DIN A3, ab ca. 20MPI bis DIN A2 und mehr problemlos möglich. Letztlich muss man noch die Bildfolge pro Sekunde (fps) und die nachführende Qualität (Trefferquote) des Autofokus berücksichtigen, wenn man dynamische und scharfe Bildserien erstellen möchte. Im Tempo liegt das iPhone6+ mit 10fps sogar ganz weit vorn. Mit den ehemals Kompakten habe ich abgeschlossen, weil die Handy Kameras auf hohem Niveau sind und die Spiegellosen bereits die Top Crop Qualität erreicht haben.

Testberichte lese ich nur wenige, weil erstens die meisten keine Tests, sondern abgeschriebene Texte vom Hersteller sind, und zweitens viele Redaktionen zu wenig Zeit zur ausgiebigen Nutzung haben. Besser sind ehrliche Erfahrungen aus Langzeitanwendungen.

Man hat also die Lust der Wahl, für den eigenen Einsatz die richtige(n) Kamera(s) anzuschaffen. Grundsätzlich gilt, dass eine neue und teure Kamera keine besseren Bilder >macht< als die alte(n Augen sehen)!

© slowfoto.de