FAQs: Welche Rolle spielt meine Kamerawahl?

Ken Rockwell: Your Camera Doesn’t Matter

slowfotos Antwort: Eine Kamera ist ein käufliches Produkt wie jedes andere industriell gefertigte Gerät. Damit ist die Wahl bei der Anschaffung reiflich zu überlegen, auch wenn man Fehlkäufe im Web relativ einfach in einer Frist zurückgeben kann. Letztlich bleibt die falsche Entscheidung mit fahlem Geschmack. Allerdings ist heute ein neu gekaufter Artikel, vor allem bei elektronischen Apparaten, bereits vom Nachfolgemodell als alt bedroht.

Wo entsteht ein Bild?
Zwei magische Laternen: Wo entsteht das Bild? 

Ken Rockwell hat 2009 dazu geschrieben (Zitate immer kursiv)t:

Deine Kamera spielt keine Rolle – Die einzige Aufgabe einer Kamera ist es, beim Fotografieren nicht hinderlich zu sein.

und damit einen heftigen Sturm ausgelöst. Ich will es mal anders formulieren:

Die einzige Aufgabe meiner Kamera ist es, beim Fotografieren förderlich zu sein.

Andreas Feininger`s Publikationen zur Fotolehre waren zu meinen Studienzeiten begehrter als manches Fachbuch – die Kamera dazu eine gebrauchte Zeiss Ikon Contarex mit Aufsicht Sucher und dem legendären M42 Tessar 2.8 50mm (1970). Als Filmmaterial gab es für mich nur Kodakchrome 25 mit Entwicklung plus Papprähmchen, weil damit ein originales Diapositiv vorhanden war und davon aus Kostengründen selten Papierbilder geprinted wurden. Lunasix von Gossen war der Belichtungsmesser schlechthin. Wenn ich allein diese alte Kamera mit einer aktuellen Digitalen vergleiche… und dennoch waren damit eindrucksvolle Aufnahmen zu erstellen, mit dem Prickeln vorher nicht zu wissen was nachher rauskommt 🙂 Jedenfalls hatte auch diese langsame Aufnahmetechnik Reize, ebensolche hat heute das Smartphone mit der mobilen Anbindung an die halbe Welt zum Versand. Und eine große Industrie lebt von dieser Kommunikation.

Wer heute einen Fotoapparat kaufen will, verliert schnell den Überblick, zu vielfältig ist das Angebot. Mein regionaler Fotohändler lebt aktuell vom Neukauf der Crop Spiegellosen, vor allem vom Ersatzkauf neuer Objektive, die Nachfrage an dSLR und insbesondere von Vollformaten geht kontinuierlich zurück weil zu groß und zu schwer. Mein Eindruck dazu ist, dass die Aufnahmen dennoch nicht besser werden. Hilfreich für den Überblick sind Rockwell`s zahlreiche und m.E. sehr fundierte Tipps für einzelne Bereiche Recommended Cameras  resp. zu entsprechenden Objektiven, seine Einteilungen sind so individuell wie sie nützlich sind. 

Meine Empfehlungen sind schlichter: iPhone 6+ für fast alles, Canon EOS M für leichtes Gepäck und die EOS 6D für jedes vorhandene Licht, vor allem mit leichten Festbrennweiten. Aber darüber kann man vortrefflich streiten, Alternativen gibt es die Menge.

Im Folgenden noch ein paar provokante Merksätze aus dem o.a. Artikel, die zum Nachdenken anregen können:

  • Es ist immer besser, Zeit und Geld in künstlerische und fotografische Weiterbildung zu investieren statt in weitere Kameras.
  • Großartige Fotos entstehen durch eigene Einfälle, nicht durch Nachahmung.
  • Fotos werden nicht von Kameras gemacht, sondern von Fotografen. Kameras sind nur ein künstlerisches Werkzeug.
  • Sogar Ansel sagte: „Der wichtigste Teil der Kamera sind die 30 Zentimer dahinter.“
  • Eine Kamera fängt Deine Phantasie ein. Keine Phantasie, kein Bild – nur Müll.
  •  Die Qualität eines Objektivs oder einer Kamera hat kaum etwas zu tun mit der Qualität der Bilder, die damit aufgenommen werden können.
  • Je weniger Zeit man mit Überlegungen zum Equipment vergeudet, umso mehr Zeit und Mühe kann man ins Erschaffen toller Bilder investieren. Das richtige Equipment macht es nur leichter, schneller oder bequemer, die gewünschten Ergebnisse zu bekommen.
  • Neues Zeug zu kaufen verbessert NICHT Deine Fotografie. 
  • Andreas Feininger (Franzose, 1905-1999), meinte: „Fotografen-Deppen, von denen es allzu viele gibt, sagen: ‚Wenn ich doch nur eine Nikon oder Leica hätte, dann könnte ich tolle Fotos machen.‘ Das ist das Blödeste, was ich je gehört habe. Es geht ausschließlich um das Sehen, das Denken und das Interesse. Das ist es, was eine gute Fotografie ausmacht. Und dann muss man alles meiden, was schlecht für das Bild wäre: das falsche Licht, den falschen Hintergrund, die falsche Zeit usw. Sonst sollte man das Bild erst gar nicht machen, egal wie schön das Motiv ist.“
  • Jeder weiß, dass Autos nicht von selber fahren, Schreibmaschinen nicht von selber Romane schreiben und Rembrandts Pinsel nicht von selber gemalt haben. Warum glauben dann intelligente Menschen, Kameras bildeten eine Ausnahme und machten Fotos ganz von allein?
  • Endlich versteht man, dass das ganze Zeug, das man mit so viel Zeitaufwand angesammelt hat, es lediglich leichter macht, den Klang oder den Bildeindruck oder die Bewegungen hinzukriegen. Aber man könnte dasselbe Ergebnis, vielleicht mit etwas mehr Aufwand, auch mit dem windigen Stück Equipment hinkriegen, mit dem man einst angefangen hat. Man kapiert, dass der Hauptzweck der Ausrüstung darin besteht, nicht hinderlich zu sein. Außerdem kapiert man, dass man wesentlich schneller zum Ziel gekommen wäre, wenn man seine Zeit nicht mit Gedanken an die Ausrüstung sondern mit dem Üben des Instruments, dem Fotografieren oder dem Wellenreiten verbracht hätte.
  • Genauso wird niemand, der Eure Bilder anschaut, erkennen oder sich überhaupt dafür interessieren, welche Kamera benutzt wurde. Es spielt einfach keine Rolle. Zu wissen, wie man etwas macht, bedeutet nicht, es auch tatsächlich machen zu können, oder gar, es gut machen zu können.
  • Glaubt bloß nicht, das teuerste Zeug sei das beste. Zu viel Foto-Equipment zu besitzen ist der sicherste Weg zu schlechten Fotos. Die teureren Kameras und Objektive bringen für ihren saftigen Mehrpreis keinen nennenswerten Mehrnutzen!

Alles Gute zum Neukauf – © slowfoto.de

FAQs – Neukauf Canon EOS 7D oder 5DMkII?

…ein eher reiseuntaugliches Makro-Set über 3 Kg

Frage: Ich möchte eine neue digitale SLR, soll ich die 7D oder die 5DII anschaffen?

slowfoto: Zunächst must Du überlegen, welche Objektive Du bereits hast und/oder welche Investition in weitere Objektive geplant ist. An der Crop Format Sensor 7D lassen sich alle EF-S und EF Objektive weiterverwenden, an der Vollformat 5DII nur die EF Objektive. Mit einem Objektivsatz aus dem Kit Objektiv EF-S 18-55 IS plus einem EF-S 55-250 IS (ca. € 200) ist der Einstieg kostengünstigst vollzogen. Weitere leckere EF-S Gläser haben allerdings auch ihren Preis, vom mittlerweile sehr günstigen EF-S 17-85 IS abgesehen (ca. € 285). Die 7D ist auch im Kit mit dem EF-S 18-135 IS erhältlich (ca. € 1.500), ein m.E. recht reisetaugliches Set, mit dem ich gerne gearbeitet habe.

Grundsätzlich sind die Objektive die wertigeren Investitionsgüter und sollten umfassender geplant werden als die Anschaffung eines Kamerabodies, der schon nach 1-2 Jahren vom Nachfolger überholt wird.

Mit der 7D hat Canon 2010 einen Renner auf den Markt gebracht, der immer noch relativ preisstabil gehandelt wird (ab ca. € 1.260). Diese Kamera ist aus meiner Sicht nicht nur auf Grund des großen Sucherbildes eindeutig als das Crop-Sensor Modell von Canon zu empfehlen. Wer für die 7D mehr an weiten Winkeln will, muss zum EF-S 10-22 gereifen (ca. € 690), alternativ wäre dies das noch günstige EF 17-40 (ca. € 640) für die ebenso preisstabile und vollformatige 5DII (ca. € 1.850). Man muss sich vorher für den Objektivsatz entscheiden und genaues rechnen. Jedes EF Objektiv hat am Crop-Sensor einen 1,6 fach kleineren Bildwinkel, aus dem preiswerten EF 1.8 50mm wird somit ein lichtstarkes kurzes 80mm Tele an der 7D.

Alle Preise siehe auch www.idealo.de und andere Web-Preisvergleiche, also ohne Gewähr!

Viel Erfolg bei der sicher nicht einfachen Entscheidung, weitere Hilfen können die bisherigen Berichte sein:

https://slowfoto.wordpress.com/2010/09/07/ein-paar-bemerkungen-zu-canon-objektiven/

https://slowfoto.wordpress.com/2010/09/06/tipps-zur-ausrustung-fur-die-reisefotografie/

(c)www.slowfoto.de

Kaufberatung – Wie sage ich es meinem Freund?

Einfach bessere Fotos

 

 

Bieten die kleinen Digitalen zu wenig an Gestaltungsmöglichkeiten? Ist der Autofokus zu langsam? Ist der weite Winkel nicht weit genug? Dann sollte man mal eine Spiegelreflexkamera näher betrachten:

Die Einstiegsmodelle sind mittlerweile recht günstig, die Bildqualitäten top und die Möglichkeiten übertreffen die der Kompaktmodelle um Längen, zudem beinhalten sie Automatikprogramme für Einsteiger und Umsteiger. Einmal richtig programmiert und kennengelernt, lässt sich die Spiegelreflexkamera viel schneller bedienen als ein Kompaktmodell und gibt dem Fotografen zudem neue gestalterische Freiheiten. Die Anschaffungskosten für kompakte Topmodelle liegen sogar über dem Einstieg in die Welt der digitalen Spiegelreflexfotografie, in der die Möglichkeiten der Nachinvestition hingegen unendlich bleibt. Man muss also wissen, was man nicht benötigt.

Wer in (Vor-) Einstellungen schwelgen möchte: Belichtungszeit, Blende, Blitzeinstellungen und vieles andere mehr lassen sich frei wählen: [M] für manuell stellt das Meisterprogramm dar. Wechsel-Objektive, Filter, Konverter und Zubehör wie entfesselter Blitz verbessern die Funktionalität weiter, als Beispiel die echten Weitwinkel bis hin zum Fischauge oder Teleobjektive mit langen Brennweiten: Man wechselt die Bodys nach Bedarf, nicht die Objektive und kann somit die Kameraausrüstung exakt für jede Situation anpassen. Der Nachteil ist die Anschaffung, das Gewicht und die Größe der mitgeführten Ausrüstung.

Wer also bessere Bilder und die alte Kamera ersetzen will, achtet beim Kauf einer digitalen Spiegelreflex-System-Kamera auf diese Tipps: 

DSLR – Systemkamera

Spiegelreflexkameras (aus dem Englischen für single lens reflex) werden in der digitalen Version  DSLR oder D-SLR abgekürzt, die Bezeichnung Systemkamera ist entstanden, weil eine Spiegelreflexkamera mit dem Zubehör wie Wechsel-Objektiven oder externen Blitzgeräten und vielem anderen mehr ein System bildet. Und dieses System ist an einen (1!) Hersteller gebunden…

Auflösung oder Bildgröße

Eine hohe Auflösung ist zunächst kein Garant für hohe Bildqualität: Ein schlechtes Objektiv macht an einer guten Kamera keine sehr gute Bilder, ein sehr gutes hingegen auch an Kameras mit niedrigen Auflösungen beste Aufnahmen.

Die Auflösung entscheidet die maximale Bildgröße im Ausdruck oder in der Darstellung in höchster Qualität. Für die Postkartengröße 10x15cm reichen 2 Megapixel, für DIN-A4 4-5 Megapixel. Solche Ausdrucke wirken, wenn gute Objektive und Kameras vorausgesetzt sind. Die größtmögliche Auflösung benötigt man, wenn nur Teilbereiche der Fotos z.B. bei Aktions- oder Sportfotografie verwendet werden (Freistellen). Das geht mit höherer Auflösung besser.

6 oder 21 Megapixel

Die Einstiegsmodelle verfügen über mindestens 6 Megapixel und sind für den gelegentlichen Nutzer ordentlich ausgestattet, die nächsten Modelle besitzen 8-12 Megapixel-Sensoren. Für höhere Ansprüche an die Bildgröße  eignen sich 18 Megapixel Auflösung und (Vollformat-) Sensoren professioneller Kameras mit 10-21 Megapixel.
Die Auflösung der DSLRs kann man nicht mit der von Kompakten vergleichen: Schon die alte Spiegelreflexkamera mit 6 Megapixel Auflösung liefert in vielen Situationen ein besseres Bild als ein Kompaktmodel mit 12Megapixeln auf Grund der unterschiedlich großen Sensoren und Pixel.

Sensorgröße

In der Kompakten ist ein kleiner bis sehr kleiner Sensor mit (sehr) vielen Pixel verbaut, das führt zu Rauschanfälligkeit und geringer Lichtausbeute, die größeren DSLR-Sensoren sind rauschärmer und lichtempfindlicher. Selbst die in leichten und kompakten DSLR eingesetzten Sensoren sind deutlich größer als die von Kompaktmodellen.

Bei Spiegelreflexmodellen trifft man auf drei verschiedene Sensorgrößen: Je größer der Sensor, desto teurer ist er und damit die Kamera auch. Der Vollformatsensor ist genauso groß ist wie ein Dia beim so genannten Kleinbildformat analoger Kameras, identisch sind auch die Bildwinkel der gewohnten Brennweitenangaben auf den Objektiven. Bei kleineren Sensoren muss man den Bildwinkel reduzieren oder die Brennweite mit einem Verlängerungsfaktor entsprechend hochrechnen. Bei Canon gilt für die Umrechnung häufig der Faktor 1,6 und bei Nikon beträgt dieser zumeist 1,5 bis 2.0 bei Olympus.

Verlängerungsfaktor (Crop-Faktor)

Ein Rechenbeispiel: Das sogenannte Standard Kit-Objektiv mit 18-55 mm Brennweite führt bei Canon zu realen Bildwinkeln entsprechend Brennweitenwerten von 29-88 mm, da man die Objektivangaben mit 1.6 multipliziert, für Nikon gilt 1.5, dass ergibt Bildwinkel entsprechend 27-82 mm Brennweite, dies wird auch Kleinbild-Äquivalent (KBÄ) genannt.

Seitenverhältnis

Digitale Kompakte bieten wie das Fernsehen (PAL) ein 4:3-Format. Analoge und digitale Systemkameras bilden dagegen mit einem 3:2-Verhältnis wie Kleinbild oder Dia ab, mit Ausnahme der DSLR von Kodak und Olympus, deren Four-Thirds-Standard ebenfalls 4:3 beträgt. Durch nachträgliches Beschneiden lässt sich fast jedes Format bauen, durch Stitchen (Zusammenrechnen) entstehen echte Panoramen.

Prozessor und Speicherkarten

Hohe Auflösungen verursachen große Bilddateien auf der Speicherkarte, besonders wenn sie im RAW-Format oder wenig komprimiert ablegt werden. Man sollte beim Kauf eher große Speicherkarten mit einplanen. Nicht nur der Speicher muss bei diesen Datenmengen groß sein, sondern der Prozessor auch schnell, ansonsten kann es zu Verzögerungen kommen, weil man mit der Bildfolge oder dem Video-Clip warten muss. Hohe Anforderungen an die Schreibgeschwindigkeit hat die Videofunktion oder der Serienbildmodus, weil dabei kontinuierliche Datenmengen gesichert werden müssen. Das sind Höchstleistungen für den oder die kameraeigenen Prozessor-en und Speicherchip. Wenn der Speicher mitspielt, schaffen viele Kameras etwa drei bis acht Fotos pro Sekunde, jedoch nicht grenzenlos. Spätestens am Ende der Speicherkarte ist Schluss.

Bei digitalen Kameras beherrschen zwei Speicherformate das Feld: CF (CompactFlash), einschließlich der veralteten Microdrive-Mini-Laufwerke und SD (Secure Digital) und deren aktuelle Variante SDHC (High Capacity). Wichtig ist, dass die verwendete Karte den Speicheranforderungen und Übertragungsgeschwindigkeiten der jeweiligen DSLR gerecht wird, denn es gibt unterschiedlich schnelle Karten und Kameras.
Die weiter entwickelte SDHC ist trotz äußerlich gleichem Format nicht mit SD zu vergleichen, die Kamera muss deshalb SDHC kompatibel sein. Als Vorteil speichern diese Karten bisher 16GB, bis 32 GB sind geplant in den Klassen 2, 4 und 6, der jeweilig maximalen dauerhaften Übertragungsmenge in Megabyte also dauerhaft bis sechs Megabyte Daten pro Sekunde! SDHC sind kostengünstiger als CFC und mit einem Adapter aber auch im CFC Slot verwendbar.

Lichtempfindlichkeit ISO

Der Lichtempfindlichkeit der Kamera-Sensoren kommt eine besondere Bedeutung zu: Nach ISO (International Standard Organisation) gemessen, findet man Werte ab 50 bis 3200, viele Kameras erreichen ISO 50 nicht und wenige bieten ganz hohe Werte bis 25.600. Diese Angaben müssen immer mit der entsprechenden Bildqualität einhergehend verglichen werden, sonst ähneln sie den automobilen Norm-Verbrauchsdaten.

Je kleiner der Wert, desto niedriger die Lichtempfindlichkeit, der größere Wert steht für höhere Signalverstärkung mit  dem Nachteil verstärktem Rauschens. Den gleichen Empfindlichkeitseffekt erreicht man auch mit offeneren  Blenden oder längeren Belichtungszeiten, bis hin zur Stativnutzung.

Viel Licht durch Spiegelungen auf Wasseroberflächen oder Schneelandschaften erfordert niedrige ISO-Werte (50 oder 100) und kurze Belichtungszeiten. Im Konzert in Räumen oder zum Ende der blauen Stunde im Freien sind höhere ISO-Werte (400-3200) nötig. Allerdings neigen bei hohen ISO-Werten viele Kameras zum gefürchteten Bild- und Farbrauschen, was auch bei analogen Fotos zur groben Körnung geführt hat (nachträglich gepuschte Unterbelichtung).

Die großen Pixel der größeren Sensoren rauschen deutlich weniger und das auch später als die Kleinen in den kompakten Digitalen, die DSLR bietet eindeutig mehr Spielraum, vor allem als Vollformat. Zudem gibt es selbst zwischen vermeintlich gleichwertigen Kameras recht deutliche Unterschiede im Rauschverhalten, was auf durchaus positive Weiterentwicklungen in der Signalverarbeitung durch die Kameraprozessoren beruht.

Optischer Sucher und Monitor
 
Mittlerweile kann man bei den aktuellen DSLR die bewegte Live-Vorschau, wie von den Kompakten gewohnt, per fest eingebautem oder klappbarem Bildschirm auf der Kamerarückseite oder per Kabelverbindung auf einem Notebook verfolgen, was vor allem in der Lupenbetrachtung präzise Einstellungen ermöglicht. So lassen sich Bildkompositionen und Einstellungen auch fernab vom Auge bestimmen. Bei der mobilen Verwendung reicht der 3 Zoll Monitor in den meisten Fällen für eine erste Kontrolle aus.
Ein Vorteil ist zudem ist der SLR typische Blick durch das Objektiv, wie aus analogen Zeiten, jetzt vor allem beim Vollformatsensor mit dem großen Sucherbild für die manuelle Fokus-Bestimmung: Ein großes Sucherbild ist in den kompakten DSLR Bauart bedingt kein Standard. 
 
Automatiken und Bedienung

Kompaktkameras glänzen eher mit zu vielen Automatiken, jedoch weniger mit manuellen Einstellungen. Wer ohne Automatiken überfordert ist, verliert früh den Spaß am Fotografieren. Für Ein- und Umsteiger bieten DSLR auch verschiedene Motiv-Automatikmodi. Von analogen Spiegelreflexkameras ist der [A] als Blenden-Zeit Modus bekannt, weiter differenziert als [Av] Blenden- oder [Tv] Zeitvorwahl. Der Versierte hat im vollmanuellen [M] Programm und im Menü Bildarten alle Möglichkeiten, die Aufnahmen entsprechend zu beeinflussen.

Bei Motivprogrammen sind die festgelegten Parameter dann von Nachteil für die Aufnahmen, wenn man sie weder kennt noch beachtet.

Einschaltzeit und Auslöseverzögerung

Einschalten und Auslösen ist der Idealfall, vor allem in Verbindung mit schneller Serienbildfunktion und präziser AF-Nachführung, einschlägige Testberichte zeigen Trefferquoten um 50% und mehr für scharfe Aufnahmen. Abhilfe schafft eine Trennung von Autofokus und Auslösung durch Vorfokusieren, sei es mit Hilfe der mittlerweile verbreiteten AF-Taste, der individuell belegten Sternchentaste oder der Speicherfunktion bei halb gedrücktem Auslöser, von der Verwendung lichtstarker Objektiven mal ganz abgesehen.

Bildbearbeitung intern oder nachträglich

Ein Teil der eventuell nötigen Bildbearbeitung kann oft auch in der Kamera vorgenommen werden: Rote-Augen-Korrektur, Beschneiden, D-Lightning, Filtereffekte, wie Schwarzweiß-Fotografie und mehr. Ich ziehe dafür die Nachbearbeitung am großen und kalibrierten Bildschirm vor. Im Zweifelsfall ist eine RAW-Aufnahme wertiger, bei der sich viele Korrekturen ohne Verluste bewerkstelligen lassen. Ein Sonderfall ist die nachträgliche Entwicklung von JPG oder RAW Bilddateien mit Hilfe von spezieller Software (DxO), die objektiv typische optische und Belichtungsfehler herausrechnet, eine kostengünstige, aber eher wenig bekannte und weitgehend automatisch ablaufende Maßnahme, auf die auch Berufsfotografen nicht verzichten.

Gehäuse

DSLR Gehäuse sind auch ohne Objektiv deutlich größer und schwerer als die der Kompakten oder analogen SLR, dafür liegen sie in der Regel sehr gut in der Hand, das robuste Magnesium Gehäuse sorgt mit Abdichtungen und wertigen Ausführungen für lange Nutzungsphasen.

Günstige Einstiegsmodelle haben aus Kostengründen mehr Kunststoff verbaut, sie sind auch kleiner und kompakter, ideal bei sportlichen Betätigungen. Für Anwender mit großen Händen empfiehlt sich ein Batteriegriff, damit die Kamera besser in der Hand liegt. Mit zu vielen Knöpfen übersäht kann die Bedienung bei jeder Kamera geringer Größe fummeliger werden. Das Handling variiert leider auch innerhalb eines Herstellers von Modell zu Modellpflege und wird immer weiter optimiert, was auch immer die Entwicklungsabteilungen darunter verstehen mögen. 

Schwere (Zoom-) Objektive

Erheblichen Einfluss auf das Gesamtgewicht haben die wechselbaren (Zoom-) Objektive, vor allem die lichtstarken und bildstabilisierten. Das Objektiv kann bei aufwendiger Konstruktion und großem Brennweitenbereich deutlich mehr wiegen kann als das Kameragehäuse, oft erkennbar an der Stativschelle..

Staub nicht nur auf dem Sensor

Ein typisches SLR Problem ist das Wechselbajonett als Öffnung für alles, was nicht in die Kamera eindringen soll, wenn man vom inneren Abrieb absieht. Wurde früher der Film regelmäßig erneuert, verschmutzt heute auch der Sensor mit Staub, vor allem bei unsachgemäßem Objektivwechsel (Bajonett offen nach oben) oder unsauberen Gehäuse- und Objektivdeckeln. Ultraschallmechanismen reinigen zyklisch den Sensor und wirken nahezu einwandfrei, wer sich an die Sensorreinigung mit Licht und Lupe und speziellen Mitteln nicht traut, ist damit gut versorgt. Selber reinigen ist gründlicher: Man kann auch beim Händler oder Service den Sensor gegen Gebühr reinigen lassen.

Bildstabilisator

Wer mit bildstabilisierten (Tele-) Objektiven gute Erfahrungen gemacht hat, wird darauf nicht mehr verzichten.  Allerdings kosten diese fast soviel wie die lichtstarken Alternativen, und diese mit Stabilisator nochmals mehr. Dafür gleichen sie durch Gegenbewegungen leichte Bewegungen aus und machen auch mit weniger Licht noch scharfe Fotos, wenn das Objekt eher ruhig bleibt. Im Weitwinkelbereich sind lichtstarke oder feste Brennweiten auch gut ohne Stabilisierung einzusetzen.

Stromversorgung

DSLR haben ohne Ausnahme einen deutlich höheren Strombedarf als analoge Modelle, Autofokus und Stabilisator, Display und Elektronik fordern Tribut. Akkus sollten 500 oder mehr Aufnahmen durchhalten.  Abendliches Nachladen ersetzt den Zweitakku, Batteriegriffe können auch mit AA-Zellen bestückt werden. Meine Erfahrungen mit Sanyos Eneloop Akkus z.B. für Blitzgeräte sind sehr gut. 

Objektive – Investitionen ohne Ende

Der Vorteil von SLR liegt im Blick durch das Wechselobjektiv, der Nachteil in der Nachinvestition. Wer die erste DSLR kauft, sollte die Set-Angebote der Hersteller nutzen und ein Gehäuse im Paket mit einem oder zwei Objektiven kaufen. Für den Anfang bieten Komplettpakete eine gute Wahl, üblich sind dabei Standard Zoom-Objektive mit einem Brennweitenbereich von 15 oder 18 bis 55, 85 oder 135 respektive 55-250 mm Brennweite, die für viele fotografische Situationen gut ausreichen.

Das richtige Objektiv zu finden ist zu Beginn nicht einfach, denn hochwertige Sensoren stellen höhere Anforderungen als analoge Kleinbildfilme. Sehr schnell übersteigen diese Investition den Preis für das Kameragehäuse. Objektive sind Anschaffungen für eine längere Anwendung, Kameragehäuse wie Computer für eine kürzere Phase.

Die größte Auswahl an Objektiven bieten die Marktführer Canon und Nikon. In der Regel sind die Objektive von Fremdanbietern günstiger, aber nicht immer besser. Festbrennweiten werden besonders von ambitionierten Anwendern eingesetzt, da man mit ihnen eine bessere und verzeichnungsärmere Bildqualität erzielt. Alte Objektive können manuell oft mit entsprechenden Adaptern weiter verwendet werden, man muss darauf achten, dass diese ohne Korrekturlinsen für die unendliche Entfernungseinstellung auskommen.  

Blitz (extern)

Systemblitze garantieren alle vorgesehenen Funktionen. Ideal sind Kabel, um den Blitz etwas freier führen zu können. Infrarot-Steuerungen ermöglichen noch mehr entfesseltes und von der Kamera gesteuertes Blitzen, sofern der Blitz einen schwenkbaren Reflektor hat, denn der Empfänger muss mit der Kamera in Sichtverbindung stehen. Während der eingebaute Pop-Up-Blitz mit Leitzahlen (LZ) um 14 auskommt und für Aufhellen oder Nahaufnahmen gut geeignet ist, sollte der externe große Blitz satte Leistung bieten (LZ 40 und mehr).

Bildformate

JPEG: Großes Bild mit geringster Kompression ist die Wahl. Man kann JPG sogar sehr gut extern nachentwickeln (DxO).
 
RAW: Steht der nachträgliche Farbabgleich und mehr im Vordergrund, ist die Rohdatendatei im Vorteil, als Nachteil ist diese größer. Dafür stehen alle Möglichkeiten der Bildveränderung in Ruhe offen. Leider haben alle Hersteller ein eigenes RAW Format oder sogar mehrere.

Aktuelle, aber nicht alle Browser- und Grafikprogramme unterstützen diese vielen Rohdatenformate (Irfanview, Picasa, Photoshop CS). Wichtig ist deshalb auch die den Kameras beiliegende Software: Sie sollte das Format nicht nur weitgehend verarbeiten können, sondern auch leicht und intuitiv zu bedienen sein.

…wird mit einem Langzeit-Erfahrungsbericht über die Canon EOS 5D 5D MkII und 7D fortgesetzt

©www.slowfoto.de

Einfach bessere Fotos – Teil 6

Tipps für digitale Kompakte und Spiegelreflexkameras

Gemeinsamkeiten und Unterschiede von digitalen Bridge-, kompakten, spiegellosen und Spiegelreflex-System-kameras

 

Versuch einer persönlichen Wertung nach Zusammenfassung

Besondere Eigenschaften verschiedener Kameratypen wurden in den vorausgegangenen Artikeln bereits erwähnt. In der folgenden, nach den oben genannten Kameratypen geordnete Liste werden die wichtigen Merkmale der aktuellen Kameras summarisch benannt und aus der eigenen Erfahrung bewertet.

 

Kompaktkameras, auch mit Superzoom

kompakte, transportfreundliche Gehäuse, auch mit großem Brennweitenbereich

oft sehr gute Makro-Fähigkeiten im Weitwinkelbereich

starkes Bildrauschen meist bereits ab ISO 400, danach unbrauchbar

große Schärfentiefe auch bei maximaler Blendenöffnung

weniger Einstelloptionen als Bridge- und Systemkameras

Kontrast-AF, damit langsamer als Phasen-AF

manuelle Fokussierung oft nicht möglich oder unpraktisch über Menue (Balken)

Motorzoom (langsamer und unpräziser als manuelles Drehzoom), verbraucht zudem Strom

kein Okularsucher, der aber wegen der Parallaxe im Nahbereich bauartbedingt ungenau ist

Verwendung von Studioblitzen nur über Lichtauslösung möglich

fallende Preise je nach Markteinführung

 

Bridgekameras

relativ kompaktes Gehäuse, mit den dSLR Einstiegsmodellen vergleichbar

Telelastiger Brennweitenbereich, änderbar nur über Vorsatzlinsen

wenig Zubehör

oft sehr gute Makro-Fähigkeiten im Weitwinkelbereich bei kleinen Sensoren

umfangreichere Einstellungen als bei Kompakten

manuelle Fokussierung oft unpraktisch

Verwendung von Studioblitzen nur über Lichtauslösung möglich

Bildrauschen, ISO-Werte, Schärfentiefe, Blendöffnung, Kontrast-AF und Motorzoom mit meist gleichen Nachteilen wie Kompaktkameras, vor allem in Abhängigkeit von der Sensorgröße

 

Systemkameras dSLR

hohe Bildqualität auch bei hohen ISO-Werten, vor allem beim Vollformatsensor

geringe Schärfentiefe bei großer Blendenöffnung (auch für Video)

mittlerweile oft zu umfangreiche Einstelloptionen

Abblenden je nach Objektiv bis mindestens bis f/16 oder sogar f/32 möglich

meist höhere Serienbildgeschwindigkeit als Bridge- und Kompaktkameras

sehr gute Eignung für die Verwendung von Studioblitzen, auch kabellose E-TTL Steuerung der Blitzleistung mehrerer Blitze

als (semi) professionelle Gehäuse groß und schwer, das gilt auch für viele Zoome mit integrierten Bildsabilisator

echte Makrofähigkeiten meist nur mit entsprechenden Objektiven oder speziellem Zubehör

auch hoher Kaufpreis, wenn ein aktuelles Modell mit Objektiv Grundausstattung gewünscht ist

umfassendes Angebot an System- und Fremdobjektiven und Blitzen, unüberschaubares  Zubehörangebot

Besonderheiten neuer spiegelloser Systemkameras

etwas kompaktere Bauweise als Spiegelreflexkameras

Okularsucher elektronisch, nicht optisch, besser ist ein großer Kontrollbildschirm wie bei der VideoCam

Kontrast-AF, damit langsamer als Phasen-AF

derzeit noch geringes Objektivangebot und geringes Zubehörangebot

Adapter für verwandte Systemobjektive meist ohne Übertragung von AF und Blendenautomatik

Besonderheiten aller Spiegelreflexsystemkameras

meist exzellente und schnelle Nachführ-AF-Leistungen und rasante Bildfolgen

optischer Okularsucher durch das Objektiv (TTL), bei Vollformat und semiprofessionellen Gehäusen groß

größer und schwerer als spiegellose Systemkameras (Magnesiumgehäuse)

Videoaufnahmen meist mit deutlich schwächeren AF-Leistungen als spiegellose Systemkameras oder guten VideoCams, dafür exzellente Freistellungen ab C-Sensor unter Zuhilfenahme offener Blenden aller passenden Systemobjektive oder -zoome

Adapter für verwandte Systemobjektive meist ohne Übertragung von AF und Blendenautomatik

wird fortgesetzt…

© www. s l o w f o t o .de

Traumflieger Stefan GROSS gibt bekannt: Der neue Kamera-Vergleich ist online!

Bisher wurden vom Traumflieger viele Objektive im Vergleich vorgestellt und bewertet, jetzt werden brandneue aber auch ältere Kameras nach einem einheitlichen Bewertungsverfahren auf Basis von RAW-Dateien bewertet. In der für Stefan GROSS gewohnten Präzision wird hier eine Sammlung von Daten und Wissen zur Verfügung gestellt, die in dieser Form wieder einmalig ist:


zum Kamera-Vergleich

Als Information vor jedem Kauf, zum Nachlesen oder einfach als Datenbank eignet sich die Traumflieger-Homepage ideal, mal von den dort angebotenen Produkten mit dazugehörigen Anleitungen und Hinweisen für die gezielte Anwendung ganz abgesehen.

www. s l o w f o t o .de