12MP sind ungleich 12MP und 12 Monate bleiben ein Jahr

COMPUTERFOTO
als Monatszeitschrift wurde mit der Aufgabe Nr.1 2006 eingestellt, sie war ab Erscheinen meine erste Quelle für Informationen über digitale Fotografie, so ab 2002, also schon ein paar Jährchen her. Ich erinnere mich an eine Empfehlung, keinesfalls mit reduzierter Auflösung Aufnahmen zu tätigen, um die damals teure Speicherkarte (32MB um DM50.-) in der Kapazität zu schonen, sondern immer die volle Auflösung zu nutzen und für die Anwendungen die Bildgröße am Rechner im Nachhinein zu reduzieren, was weitaus bessere Ergebnissen erbrächte! Gemacht und nie darüber weiter nachgedacht, heute reden wir über 50MPI Sensoren und >64GB Speicherkarten!

Aufgefallen ist mir allerdings, nachdem ich mich vier Jahre nach Erscheinen der Canon EOS 6D zu deren Erwerb durchringen konnte, dass diese dSLR eine Objektiv/Aberrationskorrektur Möglichkeit für viele (auch alte) Canon Linsen im kamerainternen Menü bietet, sogar mein erstes WW-Zoom EF 20-35mm von 1993 ist aufgeführt, es ist heute noch fabrikneu für ca. €200.- erhältlich. Aufgefallen zudem, weil die bildlichen Ergebnisse auf einem ganz anderen Niveau als bisher je mit diesem Objektiv gesehen lagen, deswegen nochmals eine weitere 20mm Aufnahme als Beispiel, hier der Lindauer Hafen ooc: 

EOS 6D
EOS 6D f20mm ISO 100 1/400sec Bildstil Extender

Ich sammle gerne ausgesuchte Originaldateien von Fotofreunden aus deren Kamera/Objektiv Kombinationen, die mir nicht zur Verfügung stehen. Vieles an Hype löst sich dann im Pixelbrei von alleine auf :-), auch weil ich immer nach gleichem Bearbeitungsmuster vorgehe und somit präzise vergleichen kann, was die jeweilige JPG Datei out of cam tatsächlich hergibt, sprich wann die dunklen Partien rauschen oder die Schärfe verschwindet. Dabei sehe ich sehr wohl die Unterschiede in den Dateien der unterschiedlichen Kameras und bin der Auffassung, dass die Optik, der Sensor resp. Prozessor samt Software eine ganz große Hersteller bezogene Rolle spielen.

Der fotografische Alt-Rebell Ken Rockwell hatte vor ziemlich genau einem Jahr eine andere Idee und dabei mit fünf seiner Kameras identische Aufnahmen bei einer Festbrennweite f35mm resp. Kleinbild Äquivalent bei kleinerem Sensor erstellt und verglichen, sein recht ungewöhnlicher aber m.E. doch interessanter Bericht mit präzisen Bildbeispielen findet sich hier, seine Gedanken kurz als kursiver Auszug: 

12MP ≠ 12MP ?

A higher-resolution camera set to record down at only 12MP gives a sharper picture than a native 12MP camera because it eliminates the softening effects of Bayer interpolation.

In English, cameras lie about their resolution. Cameras really only have one-third to one-half their rated resolution because their sensors detect only one color (red, or green, or blue) at each pixel location. In order to create a color image, the data for each individual color (red or green or blue) is interpolated (smeared) across several pixel locations so we have a red, a green and a blue value for every pixel location.

This smearing is called Bayer interpolation, since Mr. Bayer defined how the red, green and blue sensors are laid out across most sensors. Since we only can detect one color at each pixel location, we have to smear the other colors around so we have full color for each pixel. If we look at an image at its native resolution, all cameras lose sharpness because of this.

When we reduce the size of the image either later in software or right there in the camera, if we reduce it enough then we have complete red, green and blue information for every one of the fewer pixel locations.

In English, when we reduce image size, the resulting image will be sharper pixel-to-pixel than when it was at the full native resolution

This is why you’ll see that a 50MP camera shot at its 12MP setting is much sharper than a 12MP camera shot at 12MP.

Apple iPhone 6s Plus …

Fuji X100T …

Canon EOS M3 …

Canon 5DS R …

Sony A7R II …

As expected, the Canon 5DS R is easily the best, and it’s also the biggest, heaviest and most expensive. It’s nice that even at 12MP it’s still superior.

I hope I’ve shown that even the Apple iPhone 6s Plus easily competes with the big cameras. Its images look great, with more shadow and highlight detail due to its lower contrast and instant, automatic HDR when needed. Even at 30 x 40″ it’s plenty sharp, and its optimum 4:3 aspect ratio actually lets you print directly at 30 x 40″ without having to crop-off any of the image. All the other cameras use the obsolete 1.5:1 ratio, which requires you crop-off some of the sides to fit a 30 x 40″ print; otherwise they’d require an odd 28⅓ x 42½“ print size to retain the same pixel density.

Of course look at the complete image files on your own computer and form your own opinions; know also that shooting a different target will give different colors all over again while sharpness will stay the same. 

© Ken Rockwell. All rights reserved. Tous droits réservés. Alle Rechte vorbehalten.

Soweit alles klar? Das gleich große Dateien nicht gleich gut sein müssen, ist die logische Schlussfolgerung: Insofern hat Ken Rockwell sicher Recht, wenn er die 5DS R bei 1:1 Betrachtung an erster Stelle sieht. Im Gesamtbild der Anwendungen sieht das für mich anders aus, ich habe zwar noch nie so hochverpixelte Aufnahmen gehabt, aber das frühere Rauschen wie auch beim 25MPI Cropsensor gefällt mir als weitgehend nur natürliches Licht nutzender Anwender halt nicht mehr. Zustimmung: 12 (oder 8) MPI genügen sicher für viele Anwendungen, das gilt auch für die Einschätzung des Apple iPhone 6+ als Fotoapparat 🙂 Übereinstimmung in vieler Hinsicht besteht zudem zu seinen Aussagen hinsichtlich der Musikwiedergabe.

12 MPI und 3:4 sind Ken Rockwell`s Vorgaben, das neue Fotojahr wird also ganz anders? Mit dem 8 MPI iPhone und dem rauscharmen und nur 20MPI bietendem Vollformat Sensor habe ich für mich die MPI Kehrtwendung bereits soft eingeläutet, meine jeweils im Blog empfohlenen Kameraeinstellungen ändere ich deswegen auch nicht :-)!

slowfoto wünscht allen treuen Beitragenden, Kommentatoren und Lesern noch mehr Freude beim Fotografieren auch weiterhin und nicht nur für das ganze Jahr 2017!

© slowfoto.de

FAQs: Welche Kamera ist die richtige für mich?

Frage: Digitale Kameras gibt es wie Sand am Meer, welche soll ich nehmen?

hier geht es zu einer guten Kamera
…hier geht es zu einer guten Kamera

Ohne Wissen versinkt man im Angebot, Männer sammeln (nicht nur) Kameras, auch Frauen benutzen oft untaugliches Gerät. Ein paar eigene Gedanken dazu:

Anschaffungen: Welche Kamera ist die beste für mich?

  1. Wieviel Gewicht will ich herumtragen?
  2. Welche maximale Bildgröße (MPI) benötige ich überhaupt?
  3. Welche Bildfolge (Schnelligkeit fps) samt Autofokus ist für mich wichtig?
  4. Wieviele Objektive möchte ich kaufen?
  5. Wie resp. wo kann ich testen, wem kann ich vertrauen?

Anhand meines aktuell genutzten Equipments möchte ich auf die für mich wesentlichen Ausstattungen einiger Kameras, deren Bildgrößen und Preise (Body, http://www.asgoodasnew.de) hinweisen, jede der Kameras wurde mehrfach hier im slowfoto Blog vorgestellt und besprochen:

Das iPhone6+ ist meine leichteste immer dabei Kamera, hat einen 8MPI Sensor mit einer Bildgröße von 3.264×2.448, eine f4.5mm Festbrennweite (ca. 28mm Kleinbild äquivalent) mit fixer Offenblende F2.2 und kostet mit 128GB ca. € 700

Die alte 6,5fps schnelle dSLR Canon EOS 40D hat einen 10.1MPI Drop Sensor mit einer Bildgröße von 3.888×2.552, den großen dSLR Body mit ordentlichem Sucherbild und kostet neuwertig nur noch ca. € 210

Die alte 3fps langsame Canon EOS 5D hat einen 12.8MPI Vollformatsensor mit einer Bildgröße von 4.368×2.912, kommt mit nahezu allem an Objektiven zurecht und kostet neuwertig nur ca. € 390

Die erste kleine und leichte, 4fps schnelle spiegellose Canon EOS M hat wie die aktuelle EOS M10 einen 18MPI Crop Sensor mit einer Bildgröße von 4.608×3.456, die M10 kostet aktuell ohne Objektiv nur ca. €250

Der ebenfalls 4fps schnelle Klassiker an Bildqualität Canon EOS 5DII hat einen 21.1MPI VF-Sensor mit einer Bildgröße von 5.616×3.744, sollte mit gutem Glas gepaart werden und kostet neuwertig nur noch ca. €700

Die aktuelle und 5fps schnelle Canon EOS 5Ds hat einen 50,6MPI VF-Sensor mit einer Bildgröße von 8.688×5.792, ist ab €2.040 als Body zu erstehen und erstellt Aufnahmen von ungeahnter Auflösung, wenn bestimmte wertige Objektive zum Einsatz kommen, deren Anschaffung dann schnell im 5-stelligen Bereich liegt

Wer mit Vergrößerungen im Postkartenformat 10x15cm (Selphy Drucker) leben kann, ist bereits mit 5MPI auf der sicheren Seite, mit dem i- oder Smart Phone also bestens gerüstet. Ab 10MPI sind Vergrößerungen bis DIN A3, ab ca. 20MPI bis DIN A2 und mehr problemlos möglich. Letztlich muss man noch die Bildfolge pro Sekunde (fps) und die nachführende Qualität (Trefferquote) des Autofokus berücksichtigen, wenn man dynamische und scharfe Bildserien erstellen möchte. Im Tempo liegt das iPhone6+ mit 10fps sogar ganz weit vorn. Mit den ehemals Kompakten habe ich abgeschlossen, weil die Handy Kameras auf hohem Niveau sind und die Spiegellosen bereits die Top Crop Qualität erreicht haben.

Testberichte lese ich nur wenige, weil erstens die meisten keine Tests, sondern abgeschriebene Texte vom Hersteller sind, und zweitens viele Redaktionen zu wenig Zeit zur ausgiebigen Nutzung haben. Besser sind ehrliche Erfahrungen aus Langzeitanwendungen.

Man hat also die Lust der Wahl, für den eigenen Einsatz die richtige(n) Kamera(s) anzuschaffen. Grundsätzlich gilt, dass eine neue und teure Kamera keine besseren Bilder >macht< als die alte(n Augen sehen)!

© slowfoto.de