FAQs: Schwarzweiss per Bildbearbeitung oder aus der Kamera?

Frage: Was bietet Vorteile, Schwarzweiss direkt aus der Kamera oder per Bildbearbeitung am Rechner?

Viele Motive wirken auch farbreduziert oder monochromatisch sogar besser, als nur ein Beispiel sei Günther Jim Rakete mit seinen 1/8sec Porträts genannt, die Ausstellung im Frankfurter Filmmuseum war umwerfend! Natürlich ist es nicht nur die SW Wiedergabe, sondern das Auge oder besser der Blick des Fotografen und der Wille des Porträtierten, eine arbeitstechnische Symbiose einzugehen. JR arbeitet hier mit einer großen Linhof Plattenkamera, über die nur die wenigsten von uns verfügen dürften. Außerdem sehe ich für meine eher bescheidenen Zwecke eine digitale Vollformatkamera on location als handlicher und vor allem unauffälliger :-), auch wegen des beachtlichen Vorteils, dass bei Nutzung hoher ISO-Werte das technisch bedingt ansteigende Rauschen bei Schwarz-Weiß-Aufnahmen deutlich weniger augenfällig ist. Den Hintergrund freistellen ist zudem einfacher, weil keine auffälligen Farben berücksichtigt werden müssen. Die bunt blühende Wiese ist also besser im Farbfoto darstellbar…

Welche Vorteile bietet SW out of cam?

Möglichst optimale SW-Aufnahmen im JPG Format out of cam sind gefordert, weshalb vorab die Kontrolle mit Testaufnahmen am großen kalibrierten Bildschirm hinsichtlich der Intensität vom Kontrast (und ggf. noch Schärfe) bei der Aufnahme dienlich ist. Die spätere Nachbearbeitung reduziert sich dann auf eher kleine Anpassungen hinsichtlich Helligkeit und Kontrast, Schattenaufhellen, Schärfe und Struktur. Ambiente (Freistellung über Lichtwirkung) und vor allem Wärme (kalt ->blau  bzw. warm -> sepia) geben dem Bild weitere individualisierende Charakterzüge. Für speditives Arbeiten bevorzuge ich hier NIK Snapseed.

Snapseed SW neutral
Snapseed SW neutral
 Snapseed SW Film

Snapseed SW Film
 Snapseed SW Rotfilter

Snapseed SW Rotfilter
 Snapseed Kälte blau

Snapseed Kälte blau
Snapseed Wärme sepia
Snapseed Wärme sepia

Welche Vorteile bietet der Monochrom Bildstil als Nachentwicklung?

Ansprechende SW-Aufnahmen lassen sich per nachträglicher Bildbearbeitung aus farbigen JPG oder RAW Bilddateien erstellen, es bedarf dazu entweder automatisierter oder  auch vielfältiger händischer Schritte mit differenziertem Zeitaufwand und ebensolchen Ergebnissen. Die abwechselnde und vergleichende Verwendung von Farbfiltern (Neutral – Rot – Orange – Gelb – Grün) ermöglicht vor allem wegen der (what you see is what you get) Bildschirmbetrachtung die präzise Auswahl im Einsatz, was früher beim Schwarzweissfilm nur mit weitgehender Erfahrung bei der Verwendung von Korrekturfiltern möglich war.

Die Alternative dazu bietet die sukzessive Entfärbung mit Hilfe der Einstellung Farbton/Sättigung (Standard oder Rot – Gelb – Grün -Cyan – Blau – Mangan), womit durch Belassen geringer Anteile gezielt Restfarben erhalten bleiben. In diesem Fall bevorzuge ich Adobes Photoshop.

Photoshop Farbton verringern
Photoshop Farbton verringern
 Photoshop Sättigung verringern

Photoshop Sättigung verringern

Feine Korrekturen entsprechen im Vorgehen der nachträglichen Bildoptimierung wie bei SW aus der Kamera.

Letztlich kann die Frage nach Vor- und Nachteilen der Methodik nur im Einzelfall und vom Anwender selbst beantwortet werden. Unterschiedliches Vorgehen in Abhängigkeit vom Bild und Zweck macht ja durchaus auch Sinn.

© slowfoto.de

FAQs: Schwarzweiss als Alternative?

1.Frage: Kann Schwarzweiss heute noch eine Alternative sein?

IMG_6075_Snapseed f7.top

Bilddaten: Canon EOS 5D b&w mit EF 1.4 35 L (Danke LR!)
Bildbearbeitung: Snapseed – TOP

Diese Frage habe ich mir gestellt, nachdem ich viele SW-Aufnahmen auch aus hochkarätigem Equipment gesehen habe. Meine ersten fotografischen Gehversuche, auch die Laborseite betreffend, waren Schwarzweiss, was gab es denn für den schlichten Anwender 1960 als Alternative?

Heute im Zeitalter der Drittkamera (oder xxCam) hat man entweder den sinnvollen Zeitpunkt zum Verkauf genutzt oder einen guten aber gebrauchten Body zuhause rumstehen. Meine erste digitale Vollformatkamera fristet so ein Dasein, nach einigen Versuchen hier nun meine bevorzugten Einstellungen für die wieder zum zwar farblosen aber neuem Leben erweckte Canon EOS 5D b&w (b&w auf Neudeutsch für Schwarz und Weiss):

1/2 Blende Unterbelichtung bei Bildstil schwarz/weiss 3 1 N N (s.u.) und ISO 800 für schnelle Aufnahmen oder nach eigenem Bedarf höher

AF auf Sternchentaste zur vorherigen Scharfstellung nur mit dem mittleren schnellen Kreuzsensor
AE Speicherung falls gewünscht mit halbgedrückter Auslösetaste und anschließender Bildkomposition

Auf diese Weise sehe ich  als erstes scharf, als zweites komponiere ich den exakten Bildausschnitt, (ggf mit abweichender integraler Belichtungsmessung) und erstelle möglichst detaillierte und kontrasttreue Aufnahmen!

[A] Das grüne Automatikprogramm erstellt immer noch farbige Bilddateien, wenn es denn mal sein muss
[P] eignet sich für alle einfachen Aufnahmesituationen mit variabler Blende/Zeit Kombination
[Tv] eignet sich für bewegte Motive oder unruhige Situationen (Zeitvorwahl = TimeValue ab 250sec und mehr)
[Av] eignet sich für alle statischen Motive in ruhigen Situationen (Blendenvorwahl = ApertureValue ab F8 und mehr)
[M] eignet sich für alle manuellen Einstellungen zB Nahaufnahmen mit kleinem Blitz 1/200sec F19 ISO 100
[C] als Customfunktiuon eignet sich alternativ für kritische Kontrastsituationen, auch als JPG plus oder nur in RAW,
mit ISO 1.600 und AI servo und Serienbild für die AE-Bracketing -1.5 -0.5 +0.5 Aufnahmenreihe
NB: Mit Liveview (5D² oder EOS M) kann man sich das Bracketing ersparen, denn >what you see is what you get< (wysiwyg)!

Individualfunktionen -> zuerst einstellen:

2 0 0 1 0 1 0 1 3 0 obere Reihe 01-10
0 0 0 0 0 1 1 0 5 1 1 untere Reihe 11-00

Menue erst nach Individualfunktionen einstellen:

Qualität L oder RAW+L
Piep aus
Auslö m/o Card aus
AEB -1.5 -0.5 +0.5 LW
WB 0
Man WB –
Farbtemperatur 6200K allgemein
Farbraum sRGB
Bildstil -> schwarz/weiss -> Schärfe 3 Kontrast +1 Filtereffekt 0 Monochrom Effekt 0
Rotieren aus
Druck –
Auto Wiedergabe –
Rückschau 4sec
AF Fenster angezeigt
Histogramm RGB
Auto Abschalten 1 min
Autom. rot aus
LCD Helligkeit eher hell als dunkel oder Mitte
Datum und Uhrzeit -> Sommer- und Winterzeit immer rechtzeitig nachstellen
Datei Nummer -> Reihenaufnahme
Ordner –
Sprache deutsch
Video PAL
Verbindung PC

3.Frage: Welche Vorteile bietet SW?
Sensor Verschmutzungen sind farblich kaum zu sehen 🙂

2.Frage: Welche Vorteile bietet der Monochrom Bildstil?
Grundsätzlich können SW-Aufnahmen per Bildbearbeitung auch aus farbigen Bilddateien gewonnen werden. Dazu bedarf es nachträglicher und ggf. auch vielfältiger Eingriffe mit entsprechenden Ergebnissen  und hohem Zeitaufwand. Wer möglichst gute SW-Aufnahmen bereits out of cam möchte, denkt über die hier genannten Möglichkeiten nach. Nach kurzer Testdauer mit Kontrolle am großen kalibrierten Bildschirm finden sich Einstellungen hinsichtlich Kontrastintensität und Schärfe, die durchweg zufriedenstellen können und damit die spätere Nachbearbeitung auf das akzeptierte Niveau bei Farbaufnahmen reduzieren. Es gibt jedenfalls viele Motive, die auch farbarm oder farblos wirken. Grundsätzlich gelten für die Aufnahmesituation die gleichen Parameter außer reduzierter Konzentration auf das Farbenspiel, man sollte halt SW sehen, was im Liveview weitgehend möglich ist. Als generellen Vorteil möchte ich noch anfügen, dass das bei Farbbildern oft störende, durch hohe ISO-Werte technisch bedingte Rauschen bei Schwarz-Weiß-Aufnahmen deutlich weniger negativ auffällt, ja sogar sehr oft den gewünschten Bildeindruck positiv mit unterstützt und auch bewusst zur Bildgestaltung mit eingesetzt werden kann. An dieser Stelle noch ein Danke an alle Fotofreunde, die ihre Erfahrungen hierfür weitergegeben haben!

© slowfoto.de